Wirtschaft

Deutliches Umsatzplus für DocMorris

Expansionsstrategie führt zu weiteren Verlusten

bro | Der niederländische Versandhändler DocMorris hat auch im ersten Halbjahr 2018 sein Wachstum ungebremst fortgesetzt. In einer Mitteilung erklärte die DocMorris-Mutter Zur Rose, dass man im OTC-Bereich nach den Übernahmen anderer Versender um rund 78 Prozent zugelegt habe, bei Rx-Arzneimitteln betrug die Steigerungsrate knapp 10 Prozent.

Die aggressive Wachstumsstra­tegie des niederländischen Ver­senders DocMorris und seines Mutterkonzerns Zur Rose trägt Früchte: Denn nach einem für die Niederländer sehr erfolgreichen Geschäftsjahr 2017 kann der Konzern auch für das erste Halbjahr 2018 positive Zahlen vorlegen. Zur Rose verzeichnete in den ersten sechs Monaten dieses Jahres in Deutschland, also mit DocMorris, ein Umsatzplus von 38,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (in Lokalwährung). Insgesamt ergibt sich so ein Umsatz von etwas mehr als 291 Mio. Euro, im ersten Halbjahr 2017 waren es noch rund 210 Mio. Euro.

Natürlich liegt dies auch an den Übernahmen, die Zur Rose und DocMorris in den vergangenen Monaten tätigten. Im Oktober kündigten die Niederländer an, bei der deutschen Versandapotheke Eurapon einzusteigen, im November folgte dann die Nachricht, dass die Zur Rose Group den Versender Vitalsana übernimmt. Das Versandgeschäft dieser beiden Zukäufe bezeichnete Zur Rose in einer Mitteilung als „sehr erfreulich“ – ohne genaue Zahlen zu den Umsätzen der beiden Versender zu nennen.

10 Prozent mehr Umsatz im Rx-Bereich

Sieht man sich die Umsatz­zuwächse von DocMorris in Deutschland genauer an, fallen zunächst die großen Steigerungen im OTC-Bereich auf. Der OTC-Umsatz wuchs nach den Übernahmen um knapp 78 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2017, teilte Zur Rose mit. Insgesamt habe man knapp 158 Mio. Euro umgesetzt und nun die „OTC-Marktführerschaft in Deutschland“ übernommen, so Zur Rose. Auch die intensiven Werbeaktionen des Konzerns im Rx-Bereich scheinen sich weiterhin auszuzahlen: Hier geht es um eine Umsatzsteigerung von knapp 10 Prozent im ersten Halbjahr 2018.

Das Wachstum des EU-Versenders setzt sich seit dem EuGH-Urteil zur Rx-Preisbindung somit un­gebremst fort: Nach dem Urteil hatte Zur Rose viel Geld in eine große Werbekampagne zur Gewinnung von Kunden mit chro­nischen Krankheiten investiert. Schon 2017 konnte DocMorris ein Umsatzplus von rund 10 Prozent im Rx-Bereich erwirtschaften. Im OTC-Bereich wuchs Doc­Morris im Jahr 2017 um knapp 39 Prozent. Auch über den Kundenzuwachs können sich Doc­Morris und Zur Rose freuen: Laut Mitteilung stieg die Kundenzahl im vergangenen Jahr um 66 Prozent, mehr als drei Millionen Menschen sollen Konzern­angaben zufolge inzwischen bei DocMorris bestellen.

Geht es nach dem Schweizer Pharmahandelskonzern Zur Rose, soll diese Entwicklung von DocMorris fortgesetzt werden. Zur Rose verweist in seiner Mitteilung auf die derzeitige Marktkonsolidierung im Versandgeschäft und darauf, dass man im Mai bereits die Übernahme des Versandgeschäfts des deutschen Versenders apo-rot bekanntgegeben habe. Noch in diesem Jahr soll die gesamte Logistik von apo-rot nach Heerlen verlegt werden.

Ziel sind 50 Millionen Pakete pro Jahr

Grundsätzlich solle das Versandgeschäft hinter der niederländischen Grenze „gebündelt“ werden. Aufgrund des Wachstums habe man nun beschlossen, den DocMorris-Sitz in Heerlen aus­zubauen. Angrenzend an das bestehende Gebäude soll ein neues Logistikgebäude mit 20.000 Quadratmetern Fläche entstehen. Mit dem Ausbau verbindet der Konzern große Ziele: „Das neue Logistikgebäude (…) wird im ersten Halbjahr 2020 bezugsbereit sein. Die Versandkapazität des Standorts wird damit ­verdreifacht auf ein Volumen von 30 Millionen Pakete pro Jahr. Die Logistik kann in einer weiteren Ausbauphase auf ein Paketvolumen von 50 Millionen erhöht werden“, heißt es in der Mitteilung. Zum Vergleich: Laut Medienberichten verschickt DocMorris derzeit bis zu 20.000 Arzneimittel­pakete pro Tag, das entspricht etwa 7,2 Millionen Paketen pro Jahr. Der Konzern bereitet sich also darauf vor, die Anzahl seiner Sendungen mehr als zu verfünffachen.

Zur Rose schreibt weiter rote Zahlen

Der Schweizer Pharmahandelskonzern wuchs aber nicht nur in Deutschland, sondern auch ins­gesamt. Laut Mitteilung stieg der Umsatz im Vergleich zum ersten Halbjahr 2017 um knapp 30 Prozent auf knapp 603 Millionen Schweizer Franken. So wie der DocMorris-Konkurrent Shop Apotheke (siehe Beitrag "Shop Apotheke verdoppelt Umsatz") führt die Expansionsstrategie aber auch bei Zur Rose/DocMorris dazu, dass der Konzern weiterhin in den roten Zahlen agiert: Das Unternehmensergebnis lag im ersten Halbjahr bei minus 17,6 Millionen Schweizer Franken. Schon bezogen auf das Gesamtjahr 2017 musste Zur Rose vor einigen Monaten mitteilen, dass der Konzern mit minus 36,3 Millionen Franken einen deutlich höheren Verlust als noch 2016 eingefahren hatte. |

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