Gesundheitspolitik

Kommentar: Im Stich gelassen?

Christine Ahlheim

„Die Hütte brennt“, hat die Vorsitzende der Tarifgemeinschaft der Apothekenleiter Nordrhein (TGL), Dr. Heidrun Hoch, treffend formuliert. Und in der Tat reißen die schlechten Nachrichten für die Apotheker nicht ab: EuGH-Urteil, Honorargutachten, die Forderungen des GKV-Spitzenverbands – dazu die immer aggressiveren Geschäftsmethoden von DocMorris und Co., die zeigen, wohin die Reise geht, wenn man den ausländischen Versendern nicht schleunigst Einhalt gebietet.

Von der ABDA-Spitze kommt dazu wenig, und schon gar keine konstruktiven Vorschläge. Noch schlimmer: Sie lässt die Apothekerschaft mit ihren ­Äußerungen zum E-Rezept als Nein-Sager erscheinen, die sich dem Fortschritt verweigern und anderen das Feld überlassen.

Aber nun regt sich immer mehr Widerstand (s. links und S. 8). Sowohl aus den Kammern Nordrhein als auch Brandenburg kommen kritische Stimmen, die der ABDA-Führung Untätigkeit, gar völliges Abtauchen vorwerfen, und äußern, dass sie ihr Geld nicht wert sei.

Doch wie lässt sich dieses Verhalten der ABDA-Spitze erklären? Hat sie sich – wie schon mancher Spitzenpolitiker in seinen letzten Amtsjahren – so sehr von ihren Mitgliedern entfernt, dass sie deren Probleme nicht mehr wahrnimmt? Bekommt sie vielleicht gar nicht mit, dass die Beitragszahler sich von ihr im Stich gelassen fühlen, und hält sie kritische Stimmen für unwichtige Einzelmeinungen? Braucht sie womöglich viel mehr Druck von der breiten Basis, um endlich aus ihrer Lethargie zu erwachen und die Interessen der Apotheker angemessen zu vertreten?

Dann wären wir zumindest auf einem guten Weg.

Dr. Christine Ahlheim, Chefredakteurin der AZ

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