Gesundheitspolitik

BVDAK fordert Impfrecht für Apotheker

Impfexperten: Konsequente Grippeimpfung hätte 4000 Todesfälle vermeiden können

TRAUNSTEIN (cha) | Der Bundesverband Deutscher Apothekenkooperationen (BVDAK) fordert, dass Apotheker zukünftig impfen dürfen. Zugleich kritisiert er, dass die ABDA dies nicht anstrebe aus Angst, die Ärzte würden im Gegenzug das Dispensierrecht fordern.

Dass Bundesgesundheitsminister Jens Spahn von den Apothekern erwartet, dass sie mehr Kompetenz als Heilberufler einbringen, ist aus Sicht des BVDAK-Vorsitzenden Dr. Stefan Hartmann „eine Steil­vorlage für eine konkrete Tätigkeit wie das Impfen in der Apotheke“. Mehr Kompetenz in der Primärversorgung der Bevölkerung durch das Impfrecht sei genau der rich­tige Ansatz, heißt in einer Pressemitteilung des Verbands. In anderen Ländern wie Großbritannien oder der Schweiz sei das Impfen in der Apotheke problemlos möglich.

„ABDA vertritt nicht die Rechte der Ärzte“

Kritik übt Hartmann an der zurückhaltenden Position der ABDA, die es ablehne, ärztliche Leistungen zu ersetzen oder mit Ärzten zu konkurrieren, und die Sorge habe, dass Mediziner gar das Dispensierrecht fordern könnten.

„Doch“, so Hartmann weiter, „ABDA und Kammern haben unsere Rechte zu vertreten und nicht die der Ärzte“. Es reiche anscheinend, mit dem Dispensierrecht zu drohen, und schon würden, wie in Bayern geschehen, die Kammerdelegierten mehrheitlich gegen das Impfrecht votieren.

Dass die Apothekerbasis dies anders sehe, zeige eine Onlineum­frage der DAZ, bei der sich 73% der Teilnehmer für das Impfrecht ausgesprochen hätten. Zudem verweist Hartmann auf die Schweiz, wo es laut den jüngsten Erfahrungsberichten von Schweizer Apothekern nur Befürworter für das Impfen in der Apotheke gebe.

Nicht erwähnt wird in der Pressemeldung des BVDAK, dass ein Impfangebot der Apotheken zudem zu einer deutlich höheren Durchimpfungsrate der Bevölkerung führen dürfte, da der Zugang zur Impfung in der Apotheke niedrigschwelliger wäre als in der Arztpraxis.

Ärzte bieten die Grippe­impfung zu selten an

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass bei einer Podiumsdiskussion beim diesjährigen Internistenkongress in Mannheim anlässlich der schwersten Grippewelle der letzten zehn Jahre die zu niedrigen Impfraten beklagt wurden. Dazu stellte der STIKO-Vorsitzende Professor Thomas Mertens laut einem Bericht der Ärzte Zeitung folgende Rechnung auf: „Wenn man von 12.000 Grippetoten im vergangenen Winter ausgeht, dann kann auch ein Impfstoff mit einer Wirksamkeit von nur 40 Prozent immerhin noch 4800 Todesfälle verhindern.“ Aber viele Ärzte würden die Impfung zu selten anbieten.

Auch RKI-Präsident Professor Lothar H. Wieler betonte, dass für eine Verbesserung der Situation vor allem bessere Impfraten nötig seien. Der Diskussion um eine angebliche Zweiklassenmedizin bei der Wahl eines drei- oder viervalenten Impfstoffs misst er in diesem Zusammenhang keine Bedeutung bei.

Kritisierte wurde auch, dass nur etwa 60% der Ärzte geimpft seien. „Wenn ein Arzt nicht zu Impfungen steht, dann kann er auch Patienten nicht überzeugen“, sagte Mertens dazu.

Welche Rolle die Apotheker dabei spielen könnten, die Impfraten zu erhöhen, und ob die Ärzte als Gegenmaßnahme dann tatsächlich das Dispensierrecht fordern würden, fand keinen Eingang in die Diskussion. |

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