Gesundheitspolitik

Kommentar: Neuer Anlauf

Dr. Thomas Müller-Bohn

Der Vertrag zwischen Krankenkassen und Apothekern über die Hilfstaxe sieht vor, die dort vereinbarten Preise zum Beginn jedes Jahres zu aktualisieren. Dafür ist eine technische Kommission zuständig, denn das sollte keine Verhandlungen erfordern. Doch die Kommission ist nicht einmal mehr besetzt. Die letzten Anpassungen fanden 2009 statt. Einige Preise sollen noch aus den 1990er-Jahren stammen. Mit solchen Mondpreisen geraten klassische Rezepturen noch mehr zum Verlustgeschäft.

Doch warum sollten sich die Krankenkassen auf höhere Preise einlassen? Das einzige wirksame Druckmittel der Apotheker ist die Kündigung der Hilfstaxe. Die betrifft dann auch die Substitutionsmittel. Da bietet die Hilfs­taxe zwar eine gewisse Rechtssicherheit, aber auch diese Vereinbarungen bilden die realen Kosten immer weniger ab.

Eine komplette Kündigung betrifft auch Zytostatikazubereitungen. Lange wollte niemand die Vertragsgrundlage für dieses Hochpreissegment wegen der Verluste bei klassischen Rezepturen infrage stellen. Doch seit der jüngsten Schiedsstellenentscheidung zu den Zytos meinen viele betroffene Apotheker, dass es auch dort nichts mehr zu verlieren gibt. Darum gilt für die Kündigung: „Wenn nicht jetzt, wann dann?“ So fragt treffend der Vorsitzende des Hamburger Apothekervereins Dr. Jörn Graue (siehe Beitrag "Wenn nicht jetzt, wann dann"). Die Kündigung der Hilfstaxe könnte die Krankenkassen durchaus schrecken. Denn Rezepturen würden dann gemäß Arzneimittelpreisverordnung anhand der tatsächlichen Einkaufspreise taxiert und damit meistens teurer.

Vielleicht führt diese Aussicht alle Beteiligten wieder an den Verhandlungstisch zurück. Das könnte ein neuer Anlauf werden, um die grundsätzlich gute Idee der Hilfstaxe wieder zu beleben.

Dr. Thomas Müller-Bohn


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