Arzneimittel und Therapie

Strategiewechsel in der COPD-Therapie

Aktuelle GOLD-Empfehlungen schränken den Einsatz von inhalativen Steroiden ein

Im GOLD-Strategiepapier 2017 zum Management der chronisch ob­struktiven Lungenerkrankung (COPD) wurden die Therapieempfehlungen deutlich vereinfacht.

Die Erkrankung COPD wurde neu definiert: Neben persistierender Atemflussbehinderung ist eine persistierende Symptomatik kennzeichnend. Entzündungen sind nicht länger Bestandteil der Definition. Die Pharmakotherapie orientierte sich bisher primär an der Einsekundenkapazität (FEV1), doch diese korreliert kaum mit Leistungsfähigkeit und Lebensqualität der Betroffenen. Für die Diagnose und Prognose der COPD ist die Spirometrie jedoch nach wie vor grundlegend.

ICS nicht mehr für jeden

Maßgebend für die Therapieentscheidung ist nun die Klassifikation „GOLD A, B, C und D“, die sich ausschließlich auf Symptome und Exazerbationen fokussiert (siehe Abb.). Für jede der vier Gruppen wurde ein simpler Therapiealgorithmus entwickelt, der darauf zielt, Exazerbationen zu vermeiden. Alle COPD-Patienten sollen langwirksame Anticholinergika (LAMA) oder langwirksame Betamimetika (LABA) als Monotherapie oder in Kombination erhalten. Die Ergebnisse der FLAME-Studie haben bezüglich inhalativer Steroide (ICS) zu einem Paradigmenwechsel geführt: ICS sollen künftig nur für Patienten mit häufigen Exazerbationen trotz dualer Bronchodilatation als „step up“-Therapie in Betracht gezogen werden. Zudem sind ICS beim Asthma-COPD-Overlap-Syndrom indiziert. Der PDE4-Inhibitor Roflumilast kann als „add-on“ zu LABA/ICS die Exazerbationsrate bei hoher Exazerbationsneigung reduzieren. Bei Patienten mit stabiler COPD, die in Ruhe oder unter körperlicher Belastung mäßig desaturieren, ist eine Sauerstoff-Zufuhr nicht routinemäßig vorgesehen. COPD-Patienten mit schwerer chronischer Hypoxämie (Sauerstoff-Sättigung von ≤ 88%) profitieren hingegen von einer Sauerstoff-Therapie.

Aktuelle GOLD-Empfehlungen zur Therapie der COPD

Exazerbation neu definiert

Neu definiert wurde auch der Begriff der COPD-Exazerbation: Statt einer Verschlechterung der Symptomatik, die über die Tagesvariabilität hinausgeht, gilt nun jede Verschlechterung, bei der sich Patient und/oder Arzt zu einer Intervention veranlasst fühlen. Zur Beurteilung der Symptomatik wird meist der COPD Assessment Test (CAT) herangezogen, der acht Fragen zum Schweregrad der Symptome umfasst. Des Weiteren wurde eine neue Regelung für Patienten festgesetzt, die aufgrund einer Exazerbation stationär behandelt wurden: Da etwa 30% dieser Patienten innerhalb von vier Wochen erneut im Krankenhaus vorstellig werden, sollte ein ambulantes „Follow up“ nach stationärer Entlassung innerhalb dieses Zeitraums erfolgen. Für das erfolgreiche Management der COPD ist zudem eine korrekte Inhalationstechnik von entscheidender Bedeutung. Um diesem Umstand gerecht zu werden, wurde den Inhalatoren in den aktuellen Empfehlungen erstmals ein Extra-Kapitel gewidmet. |

Quelle

GOLD 2017 Global Strategiy for the Diagnosis, Management and Prevention of COPD.

DAZ/Apothekerin Damaris Mertens-Keller

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