Therapien im Gespräch

Neues aus der Rezeptur

Magistralrezepturen im NRF und Innovationen aus den USA

cae | Obwohl eine Vielzahl an Fertigarznei­mitteln zur Verfügung steht, gibt es immer noch therapeutische Nischen, die nur durch die Verordnung einer Rezeptur geschlossen werden können. Gerade in der Dermatologie spielen Rezepturen eine große Rolle.

Der Bedarf an Dermatika speziell für Kinder kann mit Fertigarzneimitteln nicht gedeckt werden. Oft fehlt die ­gewünschte Arzneistoffkonzentration, oder die Grundlagen entsprechen nicht den Bedürfnissen der Kinderhaut, denn oft enthalten sie Parfüm, Konservierungsmittel, Antioxidanzien, PEG-Emulgatoren oder Mineralölprodukte, die reizend oder allergisierend wirken können. Daher sollten apothekenübliche Grundlagen verwendet werden, die alle frei von Duft- und Farbzusätzen sind. Auf Konservierungsmittel kann z. B. in O/W-Cremes und Hydrogelen nicht immer verzichtet werden. Aber Benzylalkohol, der in vielen Kosmetikagrund­lagen enthalten ist, sollte in pädiatrischen Rezepturen nicht eingesetzt werden, weil er bei oraler Aufnahme akut toxisch ist.

Das Neue Rezeptur-Formularium (NRF) enthält viele Rezepturen, die in der Apotheke ad hoc hergestellt werden und therapeutische Nischen schließen können. Einige Beispiele finden sich in dem Kasten (oben).

Arzt und Apotheker sind für die Qualität einer Rezeptur gemeinsam verantwortlich. Grundsätzlich muss der Apotheker für jede Rezeptur eine Plausibilitätsprüfung durchführen. Wenn er Zweifel am therapeutischen Konzept hat, muss er mit dem Arzt in Kontakt treten (DAZ 15, S. 38).

Beispiele für pädiatrische Rezepturen

Wirkstoff wenig stabil oder als Fertigarzneimittel nur bedingt verfügbar

  • Warzensalbe mit 1% Dithranol und 25% Salicylsäure (NRF 11.31.)

neuer Wirkstoff nicht in allen Therapieoptionen vorhanden

  • Octenidinhydrochlorid 0,1% in Basiscreme DAC
  • Polihexanid-Macrogolsalbe 0,04%; 0,1% (NRF 11.137.)
  • Prednicarbat 0,25% oder Mometasonfuroat 0,1% in Hydrophilem Zinkoxid-Liniment 25% (NRF 11.109.)
  • Ethanol-haltige Ammoniumbitumino­sulfonat-Zinkoxid-Schüttelmixtur 2,5% bis 10% (NRF 11.4.)

Kombinationen nicht als Fertig­arzneimittel verfügbar

  • Hydrophile Prednicarbat Creme 0,08%; 0,25% mit Octenidin­hydrochlorid 0,1% (NRF 11.145.)
  • Mometasonfuroat 0,05%, Poli­hexanid 0,04% Macrogolsalbe NRF
  • Zinkoxidneutralöl 50% mit Nystatin 70.000 IE/g (NRF 11.114.)

Oleogele

Oleogele (lipophile Gele, auch Organogele) können aus fetten Ölen, Paraffinöl, Siliconöl einerseits und Polyethylen oder verschiedenen Gelbildnern andererseits zusammengesetzt sein.

In der Apotheke ist das hydrophobe Basisgel DAC das bekannteste Oleogel. Es wird aus 95 Massenteilen dickflüssigem Paraffinöl und fünf Massenteilen Hochdruck-Polyethylen durch Zusammenschmelzen bei 130 °C und schlagartiges Abkühlen hergestellt. Mit Wasser lässt es sich nicht von der Haut abwaschen. In vielen Anwendungseigenschaften ähnelt es der ­Vaseline, zeigt aber deutlich weniger Konsistenzveränderung bei Zusatz großer Arzneistoffmengen.

Seit etwa 1990 wird Lecithin als Gelbildner für Oleogele verwendet. Durch den Zusatz von Poloxamer 407 (Pluronic® F-127) entstand das sogenannte Pluronic-Lecithin-Organogel (PLO). Es wird vor allem in den USA als Grundlage für halbfeste Zubereitungen zur dermalen und transdermalen Wirkstoffapplikation verwendet. Zu den Wirkstoffen, die damit appliziert werden, zählen Hormone wie Estradiol, Progesteron oder Testosteron, ent­zündungshemmende Substanzen wie Ketoprofen, Piroxicam oder Diclofenac, Opioide wie Fentanyl und Serotoninwiederaufnahmehemmer wie Fluoxetin. Es bleibt abzuwarten, wie sich diese Innovation bei uns durchsetzen wird (DAZ 21, S. 60). |

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