Therapien im Gespräch

Der Krebspatient in der Apotheke

Neue DAZ-Serie bietet Basiswissen für die Betreuung onkologischer Patienten

du | Lange Zeit fand die Behandlung krebskranker Patienten bevorzugt in der Klinik statt. Doch das hat sich geändert. Immer mehr Patienten können ambulant behandelt werden, immer häufiger kann auf eine parenterale Therapie zugunsten einer oralen verzichtet werden. Damit werden öffentliche Apotheken nicht nur verstärkt mit den Anforderungen an eine Zytostatikatherapie konfrontiert, sondern auch mit den besonderen Bedürfnissen dieser Patientengruppe. Die DAZ hat daher unter Federführung von Dr. Dorothee Dartsch die neue Serie „Der Krebspatient in der Apotheke“ gestartet, die das Apothekenteam in allen wichtigen Beratungsfragen unterstützen und für die Probleme dieser schwer kranken Patienten sensibilisieren soll.

Zum Start beleuchteten Dr. Dorothee Dartsch und Prof. Dr. Frank Gieseler die Herausforderungen der oralen Zytostatikatherapie. Eine Therapieform, die für viele Patienten sehr attraktiv ist, weil sie in ihrer Zeiteinteilung freier sind, die Arztbesuche nicht nach einem strengen Therapieprotokoll erfolgen müssen und keine invasiven Maßnahmen erforderlich sind. Doch andere Patienten schätzen die sichere Praxisumgebung und ziehen parenterale Therapien vor, die sicherlich hinsichtlich der Adhärenz Vorteile aufweisen.

Herausforderung Adhärenz

Bei oralen Therapien stellt die Adhärenz eine Herausforderung dar. Denn das Therapieziel ist massiv gefährdet, wenn die Medikamente nicht genau nach Plan eingenommen werden. Neben der onkologischen ist daher verstärkt eine pharmazeutische Beratung und Betreuung gefragt. Hier steht vor allem die Information zu Nebenwirkungen im Vordergrund, die in der Serie einen breiten Raum einnehmen. (DAZ 3, S. 40)

Was tun im Notfall?

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Wer die heilberufliche Beratung und Betreuung von Krebspatienten übernimmt, gerät auch in die Situation, Beschwerden und Symptome geschildert zu bekommen, die den Beginn einer onkologischen Notfallsituation darstellen können, und eine schnelle und richtige Reaktion erfordern. Darum ist es auch für Apotheker notwendig, die wichtigsten onkologischen Notfälle und ihre Anzeichen zu kennen, damit sie in solchen Situationen angemessen reagieren können. Dafür soll diese Übersicht sensibilisieren. Denn: Je dichter das Kompetenznetz um den Patienten ist, desto sicherer ist seine Therapie.

Es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Notfälle: Hämatologische Notfälle wie die febrile Neutropenie und Gerinnungsstörungen, metabolische wie das Tumorlysesyndrom sowie neurologische, kardiologische und pneumologische Notfälle. Doch woran erkennt man sie? Gieseler und Dartsch haben dazu Fallbeispiele herausgesucht, erklären die Symptomatik, die potenziellen Folgen und geben wertvolle Handlungsanweisungen für das pharmazeutische Personal. (DAZ 8, S. 40)

Die Angst vor Schmerzen

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Die Diagnose Krebs ist für viele Patienten vor allem mit der Angst vor unerträglichen Schmerzen verbunden. Und in der Tat werden etwa neun von zehn Krebspatienten im Laufe ihrer Erkrankung von Schmerzen heimgesucht, vor allem in fortgeschrittenen Stadien. Eine ausführliche Schmerzanamnese ist Grundvoraussetzung für den Therapieerfolg und folgt individuell abgestimmt einigen bewährten Prinzipien wie dem WHO-Stufenschema. Die orale Therapie ist dabei der intravasalen vorzuziehen. Da auch die Schmerztherapie nicht frei von Nebenwirkungen ist, müssen diese gemanaged werden. So zum Beispiel die Opioid-induzierte Obstipation durch die prophylaktische Gabe von Laxanzien, Dosisreduktion oder Opioidrotation beispielsweise bei neurologischen Problemen. Eine besondere Herausforderung ist es, Patienten und Angehörigen die Opioidangst zu nehmen. (DAZ 25, S. 40)

Komplikation Neutropenie

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Eine häufig auftretende Komplikation einer antineoplastischen Chemotherapie ist die Entwicklung einer Neutropenie. Die Ursachen sind vielfältig, je stärker der Abfall der neutrophilen Granulozyten, um so mehr steigt das Risiko für die Entstehung eine febrilen Neutropenie und einer lebensbedrohlichen Infektion. Mithilfe von Granulozyten-Kolonie-Stimulierenden Faktoren wird versucht, solche Komplika­tionen zu vermeiden. Doch auch ihr Einsatz geht mit unerwünschten Wirkungen einher. Je nach Infektionsrisiko besteht darüber hinaus die Möglichkeit, eine antibakterielle, anti­virale und antimykotische Prophylaxe durchzuführen. (DAZ 20, S. 55)

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Komplikation Polyneuropathie

Ein weiteres Problem der Zytostatika-Therapie stellen die Chemotherapie-induzierten Polyneuropathien dar. Oft sind sie therapielimitierend, so dass auch hier die Prävention und das Ausschöpfen der therapeutischen Optionen besonders wichtig sind. So wird derzeit geprüft, ob sich periphere Nervenschäden durch Tragen von Kühlhandschuhen und Kühlsocken während der Chemotherapie vermeiden lassen. (DAZ 30, S. 44)

Belastende Hautreaktionen

Vor allem EGFR-Inhibitoren wie Erlotinib oder Afatinib und monoklonale EGFR-Antikörper wie Cetuximab und Panitumumab verursachen Hautreaktionen, die für die Patienten sehr belastend sein können. Aufklärung und eine geeignete Supportivtherapie sind unerlässlich, um die Compliance und die Lebensqualität der Patienten zu fördern. (DAZ 48, S. 50)

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Gestörte Gerinnung

Krebspatienten haben ein erhöhtes Risiko für Thrombosen, aber auch oft eine erhöhte Blutungsneigung. Grund dafür sind die molekularen Interaktionen zwischen dem Tumor und dem Gerinnungssystem. In den meisten Fällen ereignen sich Thrombosen bei Krebspatienten im venösen System. In dem Beitrag „Zwischen Venenthrombose und Blutung“ werden Antworten auf häufige Patienten-Fragen zu venösen Thromboembolien (VTE) gegeben. (DAZ 43, S. 42)

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Problem Kardiotoxizität

Krebspatienten leben heute länger als noch vor zwanzig Jahren. Dadurch steigt auch das Risiko für die Entwicklung weiterer chronischer Erkrankungen, allen voran von Herzerkrankungen. Zudem können viele Krebstherapien das Herz zusätzlich schädigen. Kardiotoxische Komplikationen sind vorprogrammiert. Eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung ist notwendig. (DAZ 39, S. 44) |


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