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„Eine STI-Leitlinie muss weltweit anwendbar sein“

Sexuell übertragbare Infektionen – 57. Große Fortbildung der Apothekerkammer Nordrhein

Köln (jb) | Sexuell übertragbare Infektionen waren dieses Jahr das Thema der Großen Fortbildung der Apothekerkammer Nordrhein, die am 29. November im Kölner Gürzenich stattfand. Drei Mediziner und ein Apotheker gaben einen Überblick über sexuell übertragbare Infektionen sowie deren aktuelle Verbreitung, darunter Syphilis, Gonorrhö, Chlamydien und HIV, zudem ging es um den aktuellen Stand der Therapie bei HIV und Aids und die Ver­sorgung von HIV-Patienten in der Apotheke.

Sexuell übertragbare Infektionen sind seit einigen Jahren wieder auf dem Vormarsch – und zwar vor allem die klassischen wie Syphilis und Gonorrhö. Auf der Großen Fortbildung der Kammer Nordrhein waren sie daher dieses Jahr das Thema. 250 Teilnehmer hatten den Weg nach Köln gefunden.

Foto: Müller/AK Nordrhein
Annette van Gessel, die Vorsitzende des Fortbildungsausschusses der Apothekerkammer Nordrhein, moderierte die Große Fortbildung.

Der erste Referent Prof. Dr. Helmut Schöfer, Dermatologe und Venerologe aus Frankfurt, stellte erst einmal die Nomenklatur richtig: Statt sexuell übertragbarer Krankheiten (STD) spreche man heutzutage von sexuell übertragbaren Infektionen (STI), da Infizierte ja nicht zwingend krank sind. Diese stummen Infektionen tragen maßgeblich dazu bei, dass diese Infektionen sich wieder ausbreiten. Seit 2009 nehmen sie stetig zu, ins­besondere bei Männern, die Sex mit Männern haben; oft sind sie nicht nur mit einem, sondern gleich mit mehreren Erregern infiziert. So ist laut Schöfer jeder zweite Syphilis-Patient in Deutschland HIV-positiv. Als weiteren Faktor, der zur Ausbreitung beiträgt, nannte Schöfer ein falsch verstandenes Risikobewusstsein. So verwenden Jugendliche zum Schutz vor HIV durchaus Kondome, aber bei orogenitalem Sex werde der Infektionsschutz kaum beachtet. Folglich stellen stumme oropharyngeale Infektionen mit Gonorrhö-Erregern oder Chlamydien mittlerweile eine relevante Infektionsquelle dar. Ein weiteres Problem sieht Schöfer im mangelnden Risikobewusstsein älterer Menschen, die dank Lifestylepräparaten und leichter Kontaktaufnahme per Internet sexuell aktiver sind als früher. Das führe dazu, dass sich STI in dieser Altersgruppe verstärkt ausbreiteten. Das Ganze unterlegte er eindrucksvoll mit nicht immer ganz appetitlichen Bildern.

Sein Kollege Dr. Heinrich Rasokat aus Köln knüpfte dann nahtlos an. Er sieht in Deutschland große Defizite in der Aufklärung von Kindern und Jugendlichen, aber auch der Eltern. Da vergebe man viele Chancen, erklärte er. In Österreich beispielsweise gebe es eine Schulimpfung gegen humane Papillomaviren (HPV), und in diesem Rahmen finde die entsprechende Aufklärung statt. Rasokat wies in seinem Vortrag auch noch auf das Problem der Aktualität und der Reichweite der Leitlinien hin. In Zeiten großer Mobilität seien sie so zu fassen, dass sie in jedem Weltwinkel und unter widrigsten Umständen zur allgemeingültigen Maxime erhoben werden können, erklärte er den „kategorischen STI-Leitlinien-Imperativ“.

Foto: Müller / AK Nordrhein
Kaffeepause: Lutz Engelen und Prof. Dr. Helmut Schöfer bei der Fortbildung in Köln, bei der es um STI ging.

Nach der Pause ging es dann weiter mit dem Thema HIV. So sprach Prof. Dr. Christoph Stephan vom HIVCenter der Uni Frankfurt über den aktuellen Stand der HIV-Therapie. Stephan erklärte, warum es trotz großer Fortschritte weiterhin Bedarf an neuen Therapieoptionen gebe. Da sei zum einen das Problem der Resistenzen, wo es mit den historisch gewachsenen NRTI-haltigen Kombinationen oft keine Option mehr gebe, insbesondere wenn Toxizität mit ins Spiel kommt. Hinzu kommen die unter Umständen erheb­lichen Nebenwirkungen der NRTI. Zudem ging er auch auf das Thema Präexpositionsprophylaxe ein.

Das Schlusswort an diesem Abend hatte Apotheker Erik Tenberken aus Köln, der sich in seiner Apotheke auf die Versorgung von HIV-Patienten spezialisiert hat. Seiner Auffassung nach ist die Betreuung dieser Patienten ganz klar eine Aufgabe, die nur die Apotheke vor Ort leisten kann, denn nur hier habe man wirklich den Überblick über die gesamte Medikation. Neben zahlreichen Maßnahmen, die er selbst zur Qualitätssicherung betreibt, berichtete Tenberken aber auch über die Schwierigkeiten, die die Abgabe der meist hochpreisigen Arzneimittel mit sich bringt, wie das finanzielle Risiko, aber auch die Gefahr von Fälschungen. |

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