Arzneimittel und Therapie

Syrosingopin plus Metformin gegen Krebs

Vielversprechendes Gespann in präklinischen Studien

Mitarbeiter der Universität Basel veröffentlichten unlängst ein inte­ressantes Ergebnis ihrer präklinischen Forschungen zur Krebstherapie: Eine Kombination aus Metformin und dem Reserpin-Derivat Syrosingopin weist eine synergistische antitumorale Wirkung auf. Diese kommt durch eine Blockade der Energiezufuhr für die Tumorzelle zustande.

Auf der Suche nach Wirkstoffen zur Tumortherapie stößt man immer wieder auf Metformin. Das orale Antidiabetikum weist neben seiner blutzuckersenkenden Wirkung auch antitumorale Effekte auf, was in einigen epidemiologischen Studien gezeigt wurde. Dieses Potenzial wird allerdings unterschiedlich eingeschätzt, und Konzentrationen mit einer nachweisbaren antineoplastischen Aktivität überschreiten die therapeutischen Dosen. Daher kamen Forscher der Universität Basel auf die Idee, einen Kombinationspartner zu suchen, der die antitumoralen Wirkungen von Metformin verstärken kann. Ein Screening von 1120 Wirkstoffen führte zu Syrosingopin, einem halbsynthetischen Derivat des Alkaloids Reserpin aus der indischen Schlangenwurzel Rauvolfia serpentina. Letzteres wurde in vergangenen Jahren als Antihypertonikum eingesetzt. Zusammen mit Metformin wies Syrosingopin eine erstaunliche Wirkung gegen Krebszellen auf.

Foto: psdesign1 – Fotolia.com
Gezielt gegen Krebs? Metformin und Syrosingopin stören die Energiegewinnung der Krebszelle und damit ihr Wachstum. Gesunde Zellen scheinen unempfindlich zu sein.

Energieentzug für die Krebszelle

Die antitumorale Wirkung von Syrosingopin kommt durch eine Bindung an das glykolytische Enzym α-Enolase zustande. In der Folge steht für die Zelle weniger Energie zur Verfügung. Da Tumorzellen einen hohen Energiebedarf aufweisen, wird ihr Wachstum beeinträchtigt. Eine weitere Energiequelle, die Tumorzellen nutzen, wird gestört, indem Metformin die Atmungskette in den Mitochondrien und in der Folge die Gluconeogenese in der Leber hemmt. Durch die Kombination von Metformin und Syrosingopin werden folglich mehrere Möglichkeiten der Tumorzelle zur Energiegewinnung und damit zum weiteren Wachstum unterbunden. Die Folge ist eine Apoptose der Krebszelle. In Experimenten an Leukämiezellen, Leberzellkulturen und hepatozellulären Karzinomen bei Mäusen konnte eine synergistische antitumorale Wirkung dieser Kombination bestätigt werden. In Proben von Leukämie-Patienten wurde nachgewiesen, dass nahezu alle Tumorzellen vernichtet wurden. Die Wirkung beschränkte sich ausschließlich auf Krebszellen – Blutzellen von gesunden Spendern waren unempfindlich.

Eine Kombination aus Syrosingopin und Metformin oder Phenformin, einem Biguanid mit noch stärkerer Wirkung, könnte daher in der Onkologie eingesetzt werden. Allerdings besteht die Gefahr, dass Tumorzellen, die viel α-Enolase bilden, nicht auf die Therapie ansprechen. |

Quelle

Don Benjamin et al. Syrosingopine sensitizes cancer cells to killing by metformin.

Science Advances, published online 23 December 2016 | DOI: 10.1126/sciadv.1601756.

https://www.unibas.ch/de/Aktuell/News/Uni-Research/Krebsbekaempfung-mit-Diabetes-und-Bluthochdruckmedikamenten.html

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/72211/Wie-Metformin-und-ein-altes-Medikament-Krebszellen-gemeinsam-erledigen.

Apothekerin Dr. Petra Jungmayr

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