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Neue Zyto-Rabattverträge enttäuschen

AOK-Versorgungschefin Sabine Richard: Keine Kompensation für exklusive Apothekenverträge

BERLIN (ks) | Seit Mai ist die Ausschreibung von Zyto-Verträgen auf Apothekenebene verboten. Derzeit experimentieren die Kassen mit einem neuen Werkzeug, das ihnen der Gesetzgeber an die Hand ge­geben hat: Rabattverträgen mit den Herstellern. Sabine Richard, Geschäftsführerin der Geschäfts­führungseinheit Versorgung beim AOK-Bundesverband, erklärt im DAZ.online-Interview, woran es liegen könnte, dass die neuen Verträge so schleppend anlaufen.

Die bisherigen Erfahrungen mit den neuen Open-House-Verträgen über onkologische Arzneimittel, die Apotheken für die Zubereitung parenteraler Lösungen verwenden, sind laut Richard „ernüchternd“. Die AOK Rheinland/Hamburg hatte bei der ersten Ausschreibung dieser Art die Federführung übernommen. Bei der zweiten in Hessen hat die dortige AOK gar nicht erst mitgemacht.

NRW: Nur 8 von 55 Wirkstoffen vergeben

Das Interesse der Hersteller an den Verträgen sei „nicht gerade groß“, erklärt Richard. „In Nordrhein-Westfalen haben wir 8 Wirkstoffe vergeben, ausgeschrieben waren 55 Wirkstoffe.“ Es sei auch schon zu merken, dass die neuen Rabattverträge wegen der geringen Teilnahme der Hersteller, aber auch dauerhaft keine Kompensation für die weggefallenen Exklusiv-Ver­träge seien. Die Einsparungen für das GKV-System von jährlich 600 bis 800 Millionen Euro durch die exklusiven Apothekenverträge gingen derzeit gänzlich verloren. Denn die neuen Verträge seien „quasi noch gar nicht existent“ und die neuen Preise in der Hilfstaxe aufgrund der stockenden Verhandlungen auch noch nicht geklärt.

Warum die Hersteller so wenig Interesse an den Rabattverträgen haben, darüber kann Richard nur spekulieren. Sie verweist auf ähnliche Erfahrungen, die die Kassen bei ihren ­ersten Generika-Ausschreibungen ­gemacht haben – und hofft, dass doch noch Bewegung in den Markt kommt, wenn sich weitere Hersteller anschließen. Dass die von den Kassen ein­geforderten Rabatte zu hoch sind, schließt die AOK-Versorgungschefin aus. „Wir haben uns mit unseren Rabatten an den Erfahrungen und den Marktgegebenheiten orientiert.“ Nicht förderlich sei zudem, dass zugleich über die Hilfstaxe verhandelt werde. „Das sind schon zwei Instrumente, die sich beide gegenseitig lähmen.“ Die Unklarheit bei der Hilfstaxe ­könnte zu einer Verunsicherung der Hersteller geführt haben. „Umgekehrt waren die möglicherweise kommenden Rabattverträge in den Verhandlungen zur Hilfstaxe auch ein Argument der Apotheker, die Rabatte im Markt erst mal nicht weiterzugeben. Der Beitragszahler geht seit Monaten leer aus.“ |

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