Aus den Ländern

„Wir Apotheker machen einen guten Job“

Bericht von der 57. Versammlung der Landesapothekerkammer Thüringen

ERFURT (diz) | Neben der aktuellen Lage und den Herausforderungen für Apotheken wie Rx-Versandverbot, Honorarforderungen und Digitalisierung standen zahlreiche Kammerangelegenheiten wie z. B. die übernommene Fachsprachenprüfung im Mittelpunkt der 57. Versammlung der Landesapothekerkammer Thüringen (LAKT) am 22. November in Erfurt. Sorgen bereiten auch in Thüringen Apotheken, die Rezepturen verweigerten. Mit Freude dagegen wurde die Fortsetzung von ARMIN aufgenommen.
Foto: DAZ/diz
Kammerpräsident Ronald Schreiber hält eine Honoraranpassung für dringend, auch deshalb, um die Apothekenmitarbeiter besser zu honorieren.

Vor seinem eigentlichen Bericht zeigte Ronald Schreiber, Präsident der LAKT, sein Unverständnis über den Abbruch der Sondierungsgespräche durch die FDP. Die Parteien haben einen hohen Auftrag zur Regierungsbildung, so Schreiber. Aber was man hier erlebte, sei ein Jahrmarkt der Eitelkeiten gewesen, bei dem beleidigtes Handeln vor Kompromissbereitschaft stand. Er schließe sich gerne der Titelzeile der Bild-Zeitung an, die lautete: „Macht gefälligst Euren Job.“ Jetzt sei es spannend, wie es weitergehe, zumal man Neuwahlen nicht wollen könne.

Rx-Versandverbot alternativlos

Derzeit gebe es viele offene Themen für Apotheker: Sorgen bereite die bevorstehende EU-Dienstleistungsrichtlinie, mit der alles dem freien Markt unterworfen werden solle. Die Folge wäre eine Harmonisierung auf niedrigem Niveau. Das Rx-Versandverbot bleibe alternativlos, man müsse dieses Thema weiterhin präsent halten. Immerhin gebe es Signale einiger Politiker, die daran festhalten wollen. Zum Glück finde man bei den Verbrauchern eher eine träge Abwanderung in Richtung Versand. „Aber was einmal ins Netz verlagert wurde, ist meist dauerhaft verloren“, so Schreiber. Derzeit werben die ausländischen Versender mit Boni zwischen 1 und 10 Euro, ihr Marktanteil bei Rx liege allerdings noch bei 1,3 bis 1,5 Prozent. Ziel der Versender sei ein Anteil von 25 Prozent, der allerdings nur zu schaffen sei, wenn Selektivverträge mit Krankenkassen kämen. Daher müsse dieses Thema schnellstens von der Politik bearbeitet werden. Um die Sorgen und Nöte der Apotheken in die Öffentlichkeit zu transportieren, habe die LAKT ein informatives Brettspiel entwickelt – erhältlich bei der Kammer –, das man z. B. mit Kunden spielen könne. Man könne so spielerisch über die Folgen des EuGH-Urteils und der freien Rx-Preise informieren und mit Kunden darüber ins Gespräch kommen.

Die Lage des Apothekenmarkts beurteilte Schreiber derzeit als vorsichtig optimistisch. Dennoch, eine Honorar­anpassung sei dringend nötig. Offen sei, in welche Richtung man dabei gehen solle, vielleicht auch hin zu honorierten Dienstleistungen, fragte Schreiber, allerdings müsste hierfür das SGB V geändert werden, da heute solche Verträge noch nicht mit Krankenkassen möglich seien.

Apothekenschließungen setzen sich fort, die flächendeckende Versorgung sei aber noch nicht gefährdet dank eines guten Systems mit Filialen, Zweigapotheken, Rezeptsammelstellen und Botendiensten.

Foto: DAZ/diz
Der Kammervorstand schlug vor, Überschüsse des Haushalts für eine einmalige Ermäßigung des Kammerbeitrags 2018 zu verwenden (v.l.): Kammergeschäftsführer Danny Neidel, Ronald Schreiber, Dr. Lutz Gebert, Dr. Jörg Wittig.

Als weitere Herausforderung sieht Schreiber das bevorstehende Honorargutachten, die Digitalisierung, außerdem den Personalmangel, „den Kampf der Apotheken um die klügsten Köpfe“. In diesem Zusammenhang merkte der Kammerpräsident an: „Unsere Mitarbeiter hätten alle mehr verdient als sie derzeit verdienen“. Die niedrigen Einkommen in Apotheken machten die Nachwuchsgewinnung schwierig, aber um höhere Gehälter zahlen zu können, müsste erstmal das Apothekenhonorar erhöht werden. Und zur Digitalisierung: Sie sei prinzipiell sinnvoll, so der Kammerpräsident. So haben ABDA und die Kassenärztliche Bundesvereinigung eine Absichtserklärung unterschrieben, die intersektorale Kommunikation zwischen den Heilberufen ausbauen zu wollen. Die ABDA baue zurzeit ein sicheres Netz auf, eine Art „ABDA safenet“, um auch für Securpharm gerüstet zu sein.

Schreiber freute sich darüber, dass das Projekt ARMIN bis zum 31. März 2022 verlängert werden konnte. Es gebe gute Rückmeldungen von Ärzten und Apothekern, auch wenn es an der einen oder anderen Stelle noch mehr Bewegung benötige. Es wurde eine Taskforce eingerichtet, die Software-Probleme in Arztpraxen löse. Man hoffe, das Projekt nach Ablauf der Laufzeit in die Regelversorgung überführen zu können.

Auf gutem Weg sei man mit den Vorbereitungen für die Ausgabe der SMC-B- und der HBA-Karte, den Heilberufsausweisen für Apotheke und Apotheker. Sie werden in jeder Apotheke benötigt, um sich z. B. für die Teilnahme an Securpharm auszuweisen, das ab 1. Februar 2019 laufen soll. Im kommenden Jahr werden nach und nach alle Apotheken mit den erforderlichen Geräten und Karten ausgerüstet und der Zugang zum Securpharm-Server eingerichtet.

Ein Problem auch in Thüringen: Bürger beschweren sich bei der Kammer, weil manche Apotheken keine Rezepturen mehr anfertigen. Auch wenn eine Rezeptur noch nicht kostendeckend angefertigt werden kann, so ­besteht doch Kontrahierungszwang, mahnte Schreiber: „Rezepturen sind ein zentraler Punkt unserer pharmazeutischen Tätigkeit.“ Die Politik habe dies durch die Honorarerhöhung bei Rezepturen unterstrichen. Dass allerdings Apotheken mittlerweile schon auf das Honorar von 8,35 Euro bei Rezepturen auf Privatrezepten verzichteten und dies als Wettbewerbs­instrument einsetzten, könne er nicht verstehen.

Zu den seit 1. Oktober 2017 möglichen Entlassrezepten aus Kliniken merkte Schreiber an: Da Klinikärzte das Ausstellen von Rezepten nicht gewöhnt seien, werde es Fragen von dieser Seite geben. Daher mache die KV Thüringen Veranstaltungen mit Apothekern und Klinikärzten zu diesem Thema.

Am Ende seines Berichts dankte Schreiber der Universität Jena für 25 Jahre Arbeit in Lehre und Forschung. Er hoffe auf lange Fortsetzung, denn: „Apotheker werden gebraucht und wir Apotheker machen unseren Job, wir haben unsere Aufgabe verstanden.“

Mehr Studienplätze in Jena?

Über die Geschichte des Pharmazeutischen Instituts von Jena informierte Prof. T. Winckler. Anlass war die Feier zum 25-jährigen Bestehen des Instituts – nach der Wende. Die eigentliche Gründung erfolgte 1789, geschlossen wurde es 1970 im Rahmen der Dritten Hochschulreform der DDR. Derzeit hat das Institut fünf Professuren und eine Stiftungsprofessur. Darunter sind allerdings keine Professuren für Pharmazeutische Chemie, für Klinische Pharmazie und für Pharmakologie, wie Winckler bedauernd feststellte. Auch die Zersplitterung der einzelnen Institute über die Stadt ist keinesfalls optimal, gleichwohl können sich die Leistungen und die hervorragende Vernetzung der Pharmazie an der Friedrich-Schiller-Universität und die Einbindung in die Forschungslandschaft sehen lassen. Derzeit zählt die Pharmazie in Jena über 320 Studierende, jährlich bietet das Institut 73 Studienplätze. Allzu gerne würde das Institut die Zahl der Studienplätze aufstocken, wie Winckler anmerkte, nicht zuletzt um dem Apothekermangel zu begegnen. Aber mit der derzeitigen räumlichen Situation und der vorhandenen Personalausstattung sei dies nicht möglich. Und die Zukunftsperspektiven sind nicht rosig: Die Hochschulstrategie von Thüringen fordert sogar Personalabbau und Landesmittel für einen Hochschul-Neubau sind im nächsten Doppelhaushalt praktisch nicht eingeplant. Die Wünsche der Pharmazie allerdings liegen auf dem Tisch. Dazu gehören u. a. der Ausbau der Labor- und Hörsaalkapazitäten, keine provisorischen Lösungen, die Besetzung von Professuren für Pharmazeutische Technologie und Klinische Pharmazie, mindestens zwölf zusätzliche Stellen für wissenschaftliche Mitarbeiter und eine Modernisierung der Geräte-Infrastruktur.

Wie Dr. Eva Bartsch in ihrem Bericht über den Freundeskreis des Pharmazeutischen Instituts der FSU Jena e. V. anmerkte, könne ihr Verein in Einzelfällen kleine Hilfestellungen geben, wenn es um die Anschaffung dringend benötigter Geräte gehe. Allerdings seien die Mittel des Freundeskreises beschränkt. Und sie warb um neue Mitglieder für den Freundeskreis. Das Besondere: Apotheker sind mit dem Freundeskreis der einzige Berufsstand an der Uni Jena, der seinen Nachwuchs fördert.

Apothekerversorgung, Apothekertag

Die Sächsisch-Thüringische Apothekerversorgung (STApV) ist gut aufgestellt, wie Dr. Siegfried Schellin, stellv. Vorsitzender des Verwaltungsausschusses und der Vertreterversammlung, in seinem Bericht herausstellte. Die Beitragseinnahmen steigen, die Zahl der Leistungsempfänger und die Versorgungsleistungen zwar auch, aber nur mäßig. Auch bei den Verwaltungskosten steht die STApV mit einem Kostensatz von 2,13 gut da. Bei der Anlagestruktur setzt die STApV in erster Linie auf STApV-Masterfonds (Immobilien, altern. Investments, ­Rentenfonds, Aktiensfonds u. a.) und Namensschuldverschreibungen und Schuldscheindarlehen. Schellin schloss seinen Bericht mit den Worten: Die Rente ist sicher.

Einen Überblick über wichtige Anträge und Ergebnisse des diesjährigen Deutschen Apothekertags gab Matthias Zink. Er wies auf wichtige Anträge hin, die vom Plenum des Apothekertags zur Bearbeitung angenommen wurden.

Kammerangelegenheiten

Großen Raum nahm der Tagesordnungspunkt ein, der sich mit der Fachsprachenprüfung, einer relativ neuen Aufgabe der Kammer, befasste. So wird auch die Landesapothekerkammer Thüringen als letzte der Apothekerkammern die Sprachkenntnisse der ausländischen Apothekerinnen und Apotheker, die in deutschen Apotheken arbeiten wollen und die deutsche Approbation beantragen, prüfen. Rechtliche Vorgaben, wie sich die Anwärter qualifizieren, gibt es nicht, bedauerte Geschäftsführer Danny Neidel. Um sich mit den Arbeitsabläufen in deutschen Apotheken vertraut zu machen, können ausländische Apotheker ohne deutsche Approbation vorübergehend nur im Rahmen eines „Praktikums“ arbeiten. Die ausbildende Apotheke kann sich hier am LAKT/BAK-Leitfaden für das Praktikum orientieren. Was die Kenntnisse in der Fachsprache betrifft, so müssen Antragsteller über Kenntnisse im berufsspezifischen Kontext orientiert am Sprachniveau C1 verfügen. Die Bundesapothekerkammer hat für die Fachsprachenprüfung einen Leitfaden entwickelt, nach dem sich auch die LAKT richten wird. Als Prüfungsgebühr hat sich die Kammer auf 365 Euro verständigt, was die Kammerversammlung einstimmig beschloss.

Der Kammerhaushalt, über den Volker König berichtete, konnte 2016 ­einen leichten Überschuss ausweisen. Die Kammerversammlung entschloss sich dazu, den Überschuss für eine einmalige Beitragsermäßigung von zehn Prozent in 2018 zu verwenden. Beschlossen wurde des Weiteren, den Beitragssatz für Apothekeninhaber, -pächter und -verwalter für 2018 in Höhe von 0,11 Prozent vom Nettoumsatz beizubehalten. Die Kammerversammlung stimmte außerdem dem vorgelegten Haushaltsentwurf 2018 zu. |

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