Aus den Ländern

Ehmen fordert von Politikern Nachhaltigkeit

Schleswig-Holstein: Letzte Kammerversammlung in dieser Sitzungsperiode

KIEL (tmb) | Bei der Kammerversammlung der Apothekerkammer Schleswig-Holstein am 22. November in Kiel forderte Kammerpräsident Gerd Ehmen die Politiker auf, die langfristigen Wirkungen ihrer Entscheidungen mehr zu beachten. Weitere Themen waren Rezepturtests, bei denen keine Verweigerer gefunden wurden, die Perspektiven für Teilnotdienste und eine mögliche Prüfung des ABDA-Haushalts durch die Mitgliedsorganisationen.
Foto: DAZ/tmb
Kammerpräsident Gerd Ehmen neben Kammerjustiziar Dr. Stefan Zerres (li.) und Kammergeschäftsführer Frank Jaschkowski.

Ehmen beklagte, die Leistungen der Apotheker würden zu jeder Zeit eingefordert, aber zu gleich würden die Freiberuflichkeit infrage gestellt und der angeblich fehlende Wettbewerb ­bemängelt. Doch Preiswettbewerb bei Lieferungen über die Grenze habe nichts mit dem europäischen Gedanken zu tun, sondern sei eine „brutale Ausnutzung von Gesetzeslücken“. Wer dies mache, diene nicht der Gemeinschaft, sondern nur sich selbst, beschrieb Ehmen seine „emotionale Sicht“.

Den Politikern sollten die Augen dafür geöffnet werden, welche nachhaltigen Wirkungen nicht durchdachte Entscheidungen haben. Als extremes Beispiel für eine Fehlentwicklung führte Ehmen die Konzentration der Arzneistoffproduktion an, bei manchen Stoffen auf nur einen Hersteller. Dies eröffne letztlich einen Weg für eine neue Kriegführung: Statt sich gegenseitig zu erschießen, könne man sich sterben lassen, folgerte Ehmen.

Dr. Peter Froese, Vorsitzender des Apothekerverbandes Schleswig-Holstein, erklärte, die Sondierung für eine Jamaika-Koalition habe gezeigt, dass jede mögliche Regierung die Digitalisierung im Gesundheitswesen massiv vorantreiben werde. Zur schwierigen Regierungsbildung meinte Froese, die Zwangspause mache ihm Sorge. Politischer Stillstand sei nicht gut, weil die Marktkräfte dann ungebremst wirken können.

Keine Rezepturverweigerer

Ehmen erklärte, die Arbeit mit Pseudo-Customern verbessere die Qualität kontinuierlich. Dazu berichtete Kammergeschäftsführer Frank Jaschkowski über die mehr als 300 Testkäufe der Kammer in diesem Jahr, wobei sich über die Hälfte der Teilnehmer freiwillig angemeldet hatte. Jaschkowski lobte die hohe Beratungsbereitschaft, aber der Anteil der umfassenden Beratungen sei beim Präparatewunsch weiterhin geringer als bei einer symptombezogenen Beratung gewesen. Die Testkäufe sollen 2018 fortgesetzt werden.

Zudem berichtete Jaschkowski über Rezepturtests in etwa 50 Apotheken. Alle Apotheken hatten die auf einem grünen Rezept verordnete Rezeptur hergestellt. Es habe keine Verweigerer gegeben. Die Qualität der Rezeptur sei fast immer gut gewesen. In wenigen Fällen sei die Creme inhomogen oder der Gehalt außerhalb der zulässigen Spanne gewesen. Doch in etwa 30 Prozent der Fälle sei die Kennzeichnung beanstandet worden. Die Preise seien sehr unterschiedlich gewesen.

Teilnotdienste in neuem Licht

Bei einem Erfahrungsaustausch zum Notdienst stellte Froese fest, dass die Dienste meist von OTC-Kunden geprägt seien. Darum sei die Forderung verfehlt, den Apothekennotdienst an die Strukturen des ärztlichen Notdienstes anzupassen, der an Krankenhäusern konzentriert ist. Der Apothekennotdienst verfolge dagegen einen bevölkerungsorientierten Ansatz, erklärte Froese. Doch Kammerjustiziar Dr. Stefan Zerres mahnte, die EDV-gestützte landesweite Notdienstverteilung für die Apotheken in Schleswig-Holstein gelange an ihre Grenze, wenn die Apothekenzahl weiter sinke. Dann sei zu fragen, ob auch mehr als ein Dienst pro Woche akzeptiert werden soll oder ob größere Entfernungen zwischen den Apotheken eingeplant werden sollen.

Dr. Kai Christiansen verwies auf eine dritte Option: die früher üblichen Teilnotdienste. In Landapotheken kommen die Patienten erfahrungsgemäß bis 21 Uhr, aber danach praktisch nicht mehr. Den Menschen wäre mehr geholfen, wenn am Abend eine Apotheke in geringerer Entfernung dienstbereit wäre. Dafür würden sie bei den ganz seltenen Fällen in der Nacht auch weitere Wege in Kauf nehmen, erklärte Christiansen. Um die früher üblichen und bewährten Teildienste angemessen zu vergüten, müsse allerdings die Notdiensthonorierung auf Bundesebene angepasst werden. Froese erklärte dazu, eine Diskussion über die Weiterentwicklung des Notdienstes sei jetzt möglich, nachdem man einige Jahre Erfahrung mit dem bestehenden Modell gemacht habe.

Haushaltsprüfung bei der ABDA?

Die Kammerversammlung verabschiedete den Haushalt für 2018 und ließ die Mitgliedsbeiträge unverändert. Mit Blick auf den Beitrag der Kammer zur ABDA wurde angeregt, eine gemeinsame Kommission von Rechnungsprüfern der Mitgliedsorganisationen könnte den Haushalt der ABDA überprüfen und inhaltlich hinterfragen. In der Diskussion wurde deutlich, dass dies einen Beschluss der ABDA-Mitgliederversammlung erfordert, aber es könne politisch dafür geworben werden. Auch eine andere Frage blieb offen: Obwohl dies die letzte Sitzung vor der Kammerwahl war, ging Ehmen nicht darauf ein, ob er wieder kandidieren wird. |

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