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Wem nutzt eine Flexibilisierung?

Kommentar von ADEXA-Vorstand Andreas May

Andreas May

Die Standpunkte zum Thema Arbeitszeit scheinen immer weiter auseinanderzudriften: zunächst das Urteil des Europäischen Gerichtshofs, dass es zulässig sein kann, dass Arbeitnehmer zwölf Tage am Stück arbeiten. Dann folgen die sogenannten Wirtschaftsweisen: Ihr Vorsitzender Christoph Schmidt fordert eine Abschaffung des Acht-Stunden-Tages zugunsten einer wöchentlichen Höchstarbeitszeit und eine Verkürzung der Ruhezeiten von elf auf neun Stunden. Wegen der Digitalisierung! Ideen, die den Wirtschaftsverbänden gefallen, aber auch einigen der Parteien wie der FDP. Auf der anderen Seite will die IG Metall in ihren anlaufenden Tarifverhandlungen von der 35- auf die 28-Stunden-Woche herunterkommen, zeitlich befristet auf zwei Jahre und mit einem pauschalen Lohnausgleich.

Dass die wachsende, überwiegend einseitige Flexibilisierung von Arbeitszeiten für die Arbeitnehmer mit Problemen einhergeht, ist bekannt. Eine neue Befragung des DGB zeigt: Wer häufig abends bzw. am Wochenende arbeiten oder ständig erreichbar sein muss, für den ist es schwieriger, seinen Job und die Familie mit Kindern und/oder pflegebedürftigen ­Angehörigen unter einen Hut zu bekommen. Und die Zahl der Betroffen wächst, woran Smartphones, WhatsApp und Co. nicht unschuldig sind.

Die Ausnahmeregeln sind in Deutschland schon so zahlreich, dass es keine weitere Aufweichung der Schutzbestimmungen für Arbeitnehmer geben darf. Im Apothekenbereich ist für diejenigen, die flexibel sein können, das tarifliche Jahresarbeitszeitkonto geeignet. Es sieht einen fairen Interessenausgleich zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer vor.

Wer bei der Gesetzgebung nur die digitalen Dienstleister im Blick hat, denkt zu kurz. Familien brauchen verläss­liche Rahmenbedingungen – und mehr Flexibilität der Betriebe zugunsten der Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

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