Arzneimittel und Therapie

H. pylori geht, das Risiko bleibt

Unter PPI-Langzeiteinnahme bleibt das Magenkrebsrisiko auch nach Eradikation erhöht

Eine Helicobacter-pylori-Infektion erhöht das Magenkrebsrisiko etwa um das Zwei- bis Dreifache. Doch auch nach erfolgreicher Eradikationstherapie entwickelt sich bei einem Großteil dieser Patienten nach einiger Zeit ein Tumor. Forscher aus Hongkong haben kürzlich die Langzeiteinnahme von Protonenpumpeninhibitoren (PPI) als mögliche Ursache dafür identifiziert.

Protonenpumpeninhibitoren sind Teil des H.-pylori-Eradikationsschemas. Beispielsweise kann im französischen Tripleschema Pantoprazol mit Amoxicillin und Clarithromycin kombiniert werden (z. B. ZacPac®). Behält man nach erfolgreicher Behandlung den Protonenpumpeninhibitor bei, kann das laut der Studie aus Hongkong negative Folgen haben. Bereits frühere Untersuchungen hatten einen möglichen Zusammenhang zwischen PPI-Langzeiteinnahme und Magenkrebs­risiko hergestellt. Der Kofaktor Helicobacter pylori war jedoch nicht berücksichtigt worden. Man weiß aber, dass es bei einer H.-pylori-Infektion häufig zu einer Atrophie der Magenschleimhaut kommt, die nach Einnahme von Protonenpumpeninhibitoren bestehen bleibt. Bekannt ist auch, dass sich auf einer atrophierten Schleimhaut leicht ein Magenkarzinom entwickelt.

Zweieinhalbfach erhöhtes Risiko

Die Studie basiert auf den Daten des nationalen Krankenhausregisters CDARS (Clinical Data Analysis and Reporting System). Man wählte daraus Erwachsene aus, die zwischen 2003 und 2012 eine Verordnung über eine Clarithromycin-basierte Tripletherapie erhalten hatten. Ausgeschlossen wurden unter anderem Patienten, bei denen dieses Regime versagt hatte und die daraufhin an Magenkrebs erkrankten, oder solche mit Magen­ulcera nach der Behandlung.

Foto: DAZ/Schelbert
Nach erfolgreicher H.-pylori-Eradikationstherapie sollte ein Arzt seinem Patienten möglichst keine Protonenpumpeninhibitoren über längere Zeit verordnen, da die Dauertherapie möglicherweise das Magenkrebsrisiko erhöht.

Von den 63.397 als geeignet ausgewählten Patienten (mittleres Alter rund 55 Jahre) erkrankten 154 (0,24%) innerhalb einer medianen Nachbeobachtungszeit von 7,6 Jahren an Magenkrebs. Das mittlere Alter dieser Patienten betrug rund 65 Jahre. Die Tumorerkrankung entwickelte sich im Mittel 4,9 Jahre nach Ende der Eradikationstherapie. Eine PPI-Langzeiteinnahme führte zu einem erhöhten Magenkrebsrisiko (Hazard ratio, HR, 2,44, 95% KI 1,42 bis 4,20). Als Vergleichsgruppe dienten Patienten, die H2-Rezeptor-Antagonisten eingenommen hatten (HR 0,72, 95% KI 0,48 bis 1,07). Das Risiko stieg mit längerer Einnahme an (HR 5,04 nach mindestens einem Jahr, 6,65 nach mindestens zwei und 8,34 nach mindestens drei Jahren Therapie). Insgesamt betrug die Inzidenzrate für Magenkrebs in dieser Gruppe 3,2 pro 10.000 Patientenjahre.

Schlussfolgerung für die Praxis

Nach Ansicht der Autoren ist dies die erste Studie, die gezeigt hat, dass eine PPI-Langzeiteinnahme das Magenkrebsrisiko erhöht, auch wenn H. pylori als Risikofaktor eliminiert wurde. Eine Ursache dafür könnte sein, dass die Hemmung der Säureausschüttung durch Protonenpumpeninhibitoren die Atrophie der Magenschleimhaut befördert. Insbesondere für Patienten, deren Schleimhaut durch das Bakterium bereits vorgeschädigt ist, könnte das relevant sein. Als zusätzlichen Beleg für ihre Hypothese sehen die Forscher die Tatsache, dass die Einnahme von H2-Antagonisten nicht zu einem erhöhten Risiko führte. Das Fazit der Studie: Auch wenn H. pylori als Risikofaktor für Magenkrebs eliminiert wurde, besteht ein erhöhtes Risiko, wenn Patienten nach der Eradikation weiterhin Protonenpumpeninhibitoren einnehmen. Ärzte sollten daher bei der Verordnung Vorsicht walten lassen. |

Quelle

Cheung KS et al. Long-term proton pump inhibitors and risk of gastric cancer development after treatment for Helicobacter pylori: a population-based study. Gut 2017, online publiziert am 31. Oktober 2017, doi:10.1136/gutjnl-2017-314605

Apothekerin Dr. Claudia Bruhn

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