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EMA zieht von London nach Amsterdam

hfd/ral | Die Europäische Arzneimittelagentur EMA wird ihren Sitz künftig in Amsterdam haben. Das haben die EU-Europaminister am 20. November entschieden. Der deutsche Bewerber Bonn war für sie keine Option. Der Umzug soll nun rasch vorbereitet werden. Wäre es nach EMA-Chef Guido Rasi gegangen, wäre die Entscheidung bereits im Juni gefallen.
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Hübsche Aussicht – hier könnten künftig auch die Räder der EMA-Mitarbeiter parken.

Von London nach Amsterdam – der Brexit macht den Umzug der EMA erforderlich. Insgesamt hatten sich 19 Städte um die Behörde beworben. Die EU hatte einige Bewerbungskriterien für die Standortwahl aufgestellt wie gute Rahmenbedingungen für die Mitarbeiterfamilien, eine gute Verkehrsanbindung, die Zahl der im Land bereits befindlichen EU-Behörden und, ob ein Umzug schnell und reibungslos möglich ist. Beim Auswahlverfahren durften die EU-Mitgliedstaaten dann in einer ersten Auswahlrunde ihren ersten Favoriten jeweils drei Punkte geben, dem zweiten zwei und dem dritten Favoriten einen.

Der deutsche Bewerber Bonn kam dabei auf nur drei Punkte und schied aus. Die schlechte Bewertung stellt eine herbe Niederlage für Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) dar: Er hatte monatelang dafür gekämpft, die EMA nach Deutschland zu holen. Gemeinsam mit Ex-NRW-Ministerpräsident Wolfgang Clement (CDU) hatte Gröhe eine PR-Kampagne für die Bewerbung gestartet. Unter dem Motto „Closer to Europe“ war die Kampagne gegen die 18 anderen Bewerber ins Rennen gegangen. Im Juni hatte auch Gröhes Ministerium, das BMG, per Pressemitteilung für Bonn als künftigen EMA-Standort geworben – alles vergebens.

Drei Bewerbungen gingen in die zweite Runde: Neben Amsterdam noch Mailand und Kopenhagen. In dieser Runde hatte jedes Land nur noch eine Stimme zu vergeben - und Kopenhagen verlor gegen die beiden Mitbewerber. In Runde 3 fielen jeweils 13 Stimmen auf Amsterdam und Mailand, so dass laut „Deutscher Presse-Agentur“ letztendlich das Los entschied. Der Gewinner ist die niederländische Hauptstadt. Für Amsterdam erfreulich: Neben Vorteilen für den Pharma­standort ist der EMA-Umzug auch wirtschaftlich attraktiv: In London sorgten die EU-Behörden EMA und die Bankenaufsicht EBA zuletzt für 39.000 Hotelübernachtungen pro Jahr.

Der Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller (BAH) begrüßte die Entscheidung in einer Stellungnahme, obwohl der auch in Bonn ansässige Verband sich vorab für die deutsche Bewerbung stark gemacht hatte: „Wir bedauern zwar, dass Bonn nicht der neue Standort der EMA werden wird. Gleichwohl ist Amsterdam eine gute Wahl“, erklärte Elmar Kroth, Geschäftsführer Wissenschaft beim BAH. „Die wichtigsten Faktoren, die die Arbeitsfähigkeit der EMA auch nach dem Austritt Großbritanniens aus der EU ermöglichen, sind dort gegeben.“

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