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Alles andere als banal

Leipziger Fortbildungstag über Inhalationstechnik und Atemwegsinfekte

Wie in den Vorjahren war der Leipziger Fortbildungstag 2017 ausgebucht. Passend zur Saison ging es um die Beratung von Patienten mit Problemen der unteren Atemwege. Als arbeitsrechtliches Thema stand die Pflege von nahen Angehörigen auf dem Programm.
Foto: ADEXA
Die Referentinnen (v. l.): Dr. Alexandra Wewel, Minou Hansen, Margit Schlenk.

ADEXA-Juristin Minou Hansen begann ihren Vortrag mit einem Überblick über die Vorteile der Mitgliedschaft bei ADEXA und einer Botschaft, die vor allem Teilnehmer aus Sachsen gefreut haben dürfte: Es gibt positive Signale in Sachen Tarifvertrag für den Kammerbezirk. 2018 werden voraussichtlich Gespräche über ein zu ent­wickelndes Tarifmodell aufgenommen. Dann könnten künftig auch sächsische Mitarbeiter von Tarifbindung und tariflichen Arbeitsbedingungen profitieren – in Zeiten von Nachwuchs- und Fachkräftemangel auch für die Arbeitgeber im Freistaat ein Schritt in die richtige Richtung.

(Tarif-)Politischer Gestaltungsbedarf

Anschließend ging es um die gesetz­lichen und tariflichen Ansprüche von Apothekenangestellten, die ihr akut krankes Kind oder einen pflegebedürftigen Angehörigen zu versorgen haben. Da einige der Ansprüche bisher nur in Betrieben ab einer Größe von 15 (Pflegezeitgesetz) bzw. 25 Beschäftigten (Familienpflegezeitgesetz) bestehen, haben sowohl die Tarifparteien der öffentlichen Apotheken als auch die Bundespolitik hier noch ein Feld zu bearbeiten, um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu verbessern.

„Schluck nichts, was du inhalieren kannst“

Die Ärztin Dr. Alexandra Wewel, Hamburg, referierte über Inhalatoren und die Tücken ihrer Handhabung. Merke: Ein guter Wirkstoff allein reicht nicht aus, denn selbst bei fehlerfreier Inhaliertechnik erreicht er nur zu etwa 20% (bis 50%) die Bronchien. Auch Hygieneregeln sind beim Inhalieren zu beachten.

Mit Videos und viel Anschauungsmaterial erläuterte Wewel die Anwendung unterschiedlicher Inhalatoren. Bei der Abwägung ihrer Vor- und Nachteile sind – neben der Verfügbarkeit von geeigneten Wirkstoffen – u. a. gut lesbare Zählwerke, Handlichkeit und Transportsicherheit sowie Dosiergenauigkeit relevant. Auch wenn ein Patient seinen Inhalator schon jahrelang anwendet, macht die regelmäßige Überprüfung in der Apotheke Sinn!

Kein Zusatzverkauf, sondern Komplettversorgung!

Phytopharmaka bei banalen Atemwegserkrankungen sind keine „Zusatzverkäufe“ wie die Schuhcreme bei neuen Winterstiefeln, betonte ­Apothekerin Margit Schlenk in ihrem Vortrag. Vielmehr geht es darum, dem Patienten möglichst früh sinnvolle Empfehlungen gegen Infekte und für die Immunabwehr zu geben – als Komplettversorgung! Dabei muss man über das Expertenwissen zu den jeweiligen Inhaltsstoffen und ihren Wirkmechanismen verfügen sowie den Patienten in seiner Individualität beachten. Vier Beispiele:

  • Acetylcystein sollte nur zur Inhala­tion verwendet werden, denn oral gibt es keine Bioverfügbarkeit in den Nebenhöhlen und Bronchien.
  • Bei Patienten mit Autoimmunerkrankungen ist Echinacea nicht angeraten. Eibisch und Kamille sind Alternativen, die nur das unspezifische Immunsystem anregen.
  • Zink mit seinen antiviralen Eigenschaften sollte immer abends genommen werden, denn die zinkabhängigen Prozesse laufen über Nacht ab.
  • Ist die Patientin schwanger? Dann keine Phytos im ersten Trimenon!

Zum Gelingen des Tages trug – neben den fachlichen Vorträgen – wie immer auch die tolle Atmosphäre in der Ruth-Pfau-Schule mit ihrem beeindruckenden Hörsaal bei; hinzu kam bei vielen PI und PTA die Erinnerung an ihre dortige Ausbildung. |

sjo

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