Aus der Hochschule

In voller Blüte

25. Jahrestag der Wiedergründung des Instituts für Pharmazie in Jena

JENA (diz) | Das Institut für Pharmazie in Jena kann sich sehen lassen: Es blüht, wächst und gedeiht und ist gut vernetzt, so der Institutsdirektor. Am 27. Oktober 2017 feierte die Jenenser Pharmazie mit einer Festveranstaltung ihren 25. Jahrestag der Wiedergründung. Die Thüringer Gesundheitsministerin Heike Werner betonte, dass der Thüringer Landesregierung das Institut wichtig ist.

Eigentlich hat die Pharmazie an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena eine über 225-jährige Tradition, wie Institutsdirektor Prof. Dr. Oliver Werz in seiner Begrüßung erklärte. Johann Wolfgang von Goethe habe 1789 veranlasst, dass die Pharmazie aus der Medizin herausgelöst wird und auf ­eigenen Beinen steht. Er berief den Apothekenprovisor Johann Friedrich August Göttling als außerordentlichen Professor an die philosophische Fakultät der Uni Jena, die Ausbildung für „junge Pharmazeutiker“ begann.

1902 wurde ein eigenes Institut für Pharmazie und Lebensmittelchemie ins Leben gerufen. Nach der Gründung der DDR beschlossen die zuständigen Minister, dass ihr Land weniger Apotheker benötige, sie stellten 1970 die Ausbildung im Fach Pharmazie in Jena ein.

Foto: DAZ/diz
Friedrich-Schiller-Universität in Jena.

Doch schon 1989 gab es erste Be­strebungen, die Pharmazie wieder zu eröffnen: Der Pharmakognost Prof. Dr. Gerhard Reuter, 1966 nach Jena gekommen, war ein Vorkämpfer für diese Idee, die er nach dem Fall der Mauer erfolgreich vorantreiben konnte. In Prof. Dr. Herbert Oelschläger hatte er einen aktiven Mitstreiter gefunden. Und so schafften es beide, das Land Thüringen von der Notwendigkeit der Wiedereröffnung eines pharmazeutischen Instituts in Jena zu überzeugen. Mit dem Wintersemester 1992 nahm die Pharmazie in Jena ihren Lehr­betrieb wieder auf.

Die Pharmazie habe sich seitdem zu einem aktiven und blühenden Institut entwickelt und einen festen Platz an der Friedrich-Schiller-Universität, hob Werz hervor. Das Institut besteht aus vier Lehrstühlen: Pharmazeutische Biologie (Professor Winckler), Pharmazeutische/Medizinische Chemie (Professoren Werz und Scriba), Pharmazeutische Mikrobiologie (Professor Hoffmeister) und Pharmazeutische Technologie (Professorin Fischer). ­Hinzukommt eine Stiftungsprofessur: Seit 2006 wird das Institut für Pharmazie durch eine Honorarprofessur für Industriepharmazie in Person von Prof. Dr. Michael Hildebrand verstärkt.

Foto: DAZ/diz
Prof. Dr. Oliver Werz

60 bis 70 Absolventen pro Jahr verlassen die Pharmazie in Jena. Man würde gerne viel mehr Pharmazeuten ausbilden, so Werz, da der Bedarf an Apothekerinnen und Apothekern sehr hoch sei, aber eine Aufstockung der Studienplätze sei wegen Platzmangels nicht möglich.

Auch auf wissenschaftlicher Ebene und in der Forschung sei die Pharmazie von Jena sehr gut vernetzt: viele wissenschaftliche Publikationen und Forschungsprojekte, viele Einladungen zu Plenarvorträgen, zahlreiche Funktionen in Fachgremien, außerdem Austauschprogramme mit anderen Universitäten, beispielsweise mit Instituten in Japan, Indien und den USA. „Das Institut ist in einem blühenden Zustand und trägt auch Früchte“, so Werz, umfangreiche Drittmittel konnten eingeworben werden. Auch um den wissenschaftlichen Nachwuchs sei es gut bestellt, was sich an Preisauszeichnungen und Berufungen ablesen lasse. 25 Jahre Pharmazie in Jena, „wir ruhen uns nicht darauf aus, sondern sehen dies als Herausforderung, als Vision, als Ansporn“, so der Institutsdirektor.

Foto: DAZ/diz
Institut für Pharmazie in Jena.

Grußworte

Der Präsident der Friedrich-Schiller-Universität, Prof. Dr. Walter Rosenthal, bekräftigte in seinen Grußworten die Bedeutung des Pharmazeutischen Instituts. Auch er lobte die erfolgreiche Entwicklung in Forschung und Lehre. Apotheker haben einen wichtigen Auftrag in der Gesellschaft, „Pharmazeuten sind in Thüringen gefragt“, so Rosenthal. Jena sei bei den Studierenden beliebt, rund 350 Studierende zählt die Pharmazie in Jena. Mehr könnten derzeit nicht aufgenommen werden. Mehr Pharmaziestudierende aufzunehmen, bedeute mehr Personal, mehr Infrastruktur, mehr Geld. Wenn die Universität dies leisten solle, so Rosenthal, müsse das Land seine Unterstützung bekunden.

Foto: Delf Zeh
Gesundheitsministerin Heike Werner

Heike Werner, Thüringer Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie, zollte dem Apothekerberuf in ihren Grußworten große Anerkennung. Arzneimittelversorgung, auch in den Krankenhäusern, werde von den Apothekern flächendeckend rund um die Uhr sichergestellt. Wie wichtig eine breite universitäre Ausbildung sei, zeige sich in dem Modellprojekt ARMIN, „hier wird Arzneimitteltherapiesicherheit gelebt“. Werner freute sich, dass Apotheker bei diesem Projekt hartnäckig geblieben seien und erreicht hätten, dass das Projekt bis 2022 verlängert worden sei. Für sie ist die Apotheke ein Ort der Gesundheitsversorgung und Prävention. Den vom Institut durchgeführten Tag der Pharmazie verfolge sie mit großem Interesse.

Foto: DAZ/diz
Prof. Dr. Frank Hellwig

Auch der Dekan der Biologisch-Pharmazeutischen Fakultät, Prof. Dr. Frank Hellwig, ging in seinen Grußworten auf die Geschichte des Instituts ein. Die Gründung sei damals auf alle Fälle gerechtfertigt gewesen aufgrund einer starken Nachfrage nach Ausbildungsplätzen für Pharmazeuten. Das Institut habe sich im Lauf der Jahre bei Rankings in die obersten Bereiche emporgearbeitet. Pläne für einen Institutsneubau habe es bereits gegeben, sie wurden aber wegen anderer Neubauten hintangestellt. Gerade mit der Pharmazie in Jena sei der Geist des Aufbruchs spürbar gewesen. „Es war enttäuschend“, so Hellwig, dass dies nicht durch einen Neubau gewürdigt worden sei. Nach wir vor besteht Bedarf an Pharmazeuten, und die Hoffnung auf einen Institutsneubau habe man nicht aufgegeben.

Für den Präsidenten der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft, Prof. Dr. Stefan Laufer, war es bewundernswert, mit welcher Hartnäckigkeit und Begeisterung sich damals die Professoren Reuter und Oelschläger an den Wiederaufbau des Instituts gemacht hätten. Er fragte, was die Pharmazie in Jena ausmacht: Es sei ein kleiner Standort, der sich bedroht gesehen habe – das schaffe Corpsgeist, eine Schicksalsgemeinschaft, so Laufer. Er stellte auch die Internationalität und das hohe Kooperationsniveau des Pharmazeutischen Instituts in Jena heraus.

Seinen Dank für die pharmazeutische Erziehungsarbeit überbrachte Stefan Fink, Vorsitzender des Thüringer Apothekerverbandes, in seinen Grußworten. Die in Jena ausgebildeten Apothekerinnen und Apotheker seien „selbstbewusst und super ausgebildet, sie tragen den Geist der Pharmazie hinaus, auch in die Apotheken, zu älteren Kolleginnen und Kollegen“. Fink freut sich auf die nächsten 25 Jahre Pharmazie in Jena.

Ronald Schreiber, Präsident der Landesapothekerkammer Thüringen, ist stolz, in Thüringen ein eigenes Pharmazeutisches Institut zu haben. Dadurch werde der Nachwuchs für alle Bereiche der Pharmazie, in denen Apotheker tätig sind, gesichert. Der Apothekerberuf sei heute so begehrt, dass es mehr Bewerber als Plätze gebe und viele offene Stellen in Apotheken. Stolz ist Schreiber aber auch, weil Lehre und Forschung in Jena auf einem hohen ­Niveau stehen. Die Neuausrichtung des Apothekerberufs hin zu einer beratenden Tätigkeit wurde in der Apothekenbetriebsordnung verankert, aber auch im Perspektivpapier der Apotheker. „Früher war der Apotheker ein Handwerksberuf, heute ist er ein beratender Heilberufler“, so Schreiber, „was Pharmazeuten können, können nur Pharmazeuten“. Da Apotheker mehr denn je gebraucht würden, müsse der Neubau eines neuen Instituts als gemeinsame Aufgabe gesehen werden. Er wolle dafür nicht bis zum 50. Jahrestag des Instituts warten.

Einen kurzweiligen Festvortrag hielt Prof. Dr. Andreas Link, Pharmazeutischer Chemiker aus Greifswald. Unter der Überschrift „Chloralhydrat im Martini – Faktencheck: pharmazeutische Chemie im Kino“ knöpfte er sich mehrere Kinofilme vor, in denen auf irgendeine Weise chemische Substanzen oder Arzneimittel eine Rolle spielten. Besonders ergiebig zeigten sich hier James-Bond-Filme, in denen Arzneimittel als Gift eingesetzt wurden, aber auch zahlreiche andere Kinofilme. Link hinterfragte, ob die jeweilige Anwendung auch in der Realität so funktioniert hätte, wie sie der Film zeigte – angewandte Pharmazie und Chemie. |

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