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Zur Rose übernimmt Bremer Pharmahändler Eurapon

DocMorris-Mutter greift nicht zur Versandapotheke selbst, sondern zum Logistikunternehmen

BERLIN (bro) | Die Schweizer Zur Rose Group setzt ihre Ankündigung, eine deutsche Versandapotheke zu übernehmen, in die Tat um: Ihre Tochtergesellschaft, die niederländische Versandapotheke DocMorris, kooperiert jetzt mit der Bremer Versandapotheke Eurapon. Wegen des Apotheken-Fremdbesitzverbotes ist der Deal allerdings nur über Umwege möglich.
Foto: picture alliance/KEYSTONE
Auf Wachstumskurs Die Schweizer Zur Rose-Gruppe will ihre „europäische Markt­führerschaft“ weiter ausbauen. Aktueller Coup ist die Übernahme von Eurapon.

Wie Zur Rose am 17. Oktober in einer Mitteilung näher erläuterte, ist DocMorris eine Kooperation mit Kubilay Talu, dem Betreiber der Versandapotheke Eurapon, eingegangen. Bis zum Jahresende soll DocMorris den Teil von Eurapon übernehmen, der nicht direkt zur Apotheke gehört, nämlich die Eurapon Pharmahandel GmbH. Zur Rose zufolge ist dieser Unternehmensteil „ein wesentlicher Teil der Logistik sowie der Medikamentenbelieferung für das Eurapon-Versandgeschäft“. Talu will aber schon jetzt mit DocMorris eng zusammenarbeiten.

Versandgeschäft soll langfristig aus den Niederlanden erfolgen

Eine Sprecherin von Zur Rose erklärte zu der Übernahme: „DocMorris hält sich an die im jeweiligen Land geltenden Vorgaben. Bei dieser Transaktion geht es um den Kauf eines pharmazeutischen Großhandels und gegebenenfalls später um die Aufnahme von Kunden auf deren ausdrücklichen Wunsch. Kubilay Talu wird zunächst seine Versandhandelskompetenz in die Kooperation mit DocMorris mit einbringen.“ Wie der Transfer der Kunden von Eurapon zu DocMorris ­genau funktionieren soll, erklärte die Sprecherin nicht. Allerdings teilte der Schweizer Konzern weiterhin mit, dass das Eurapon-Versandgeschäft langfristig in die Niederlande ziehen soll. Damit werde „ein Standort gewählt, der im europäischen Umfeld für eine international tätige Versandapotheke vorteilhaft“ ist.

Die Eurapon-Apotheke besteht aus mehreren Unternehmensteilen: Der Inhaber Kulibay Talu betreibt neben dem Logistikunternehmen Eurapon-Pharmahandel GmbH die Versandapotheke und zwei Offizin-Apotheken. Eigenen Angaben zufolge betreibt Eurapon auch ein Sterillabor, in dem der Versender Zytostatika herstellt. Eurapon erzielte laut Zur Rose 2016 mit ihrem auf rezeptfreie Medikamente ausgerichteten Versandgeschäft einen Umsatz von 52 Millionen Euro und wuchs in den letzten drei Jahren „mit jährlich 30 Prozent deutlich über dem Marktdurchschnitt“.

Durch diese Akquisition werde die Zur Rose-Gruppe „ihre europäische Marktführerschaft weiter ausbauen“. Die Transaktion steht allerdings unter dem Vorbehalt der Genehmigung durch die zuständigen Wettbewerbsbehörden. Über die finanziellen Aspekte wurde Stillschweigen ­ver­einbart.

Deutliches Umsatzplus in Deutschland im 3. Quartal

Gleichzeitig gab Zur Rose bekannt, dass die Unternehmensgruppe ihren Umsatz im dritten Quartal 2017 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 15,4 Prozent auf 245,9 Millionen Franken erhöht hat. Kumuliert auf die ersten neun Monate betrug der Umsatz 711,6 Millionen Franken, ein Plus von 9,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Umsatz im Segment Deutschland, bestehend aus dem ­Geschäft von DocMorris und der Zur Rose Pharma GmbH in Halle, erhöhte sich im dritten Quartal um 22,9 Prozent auf 122,4 Millionen Franken. In Euro betrug der Zuwachs 18,4 Prozent. Bezogen auf die ersten neun Monate lag das Plus in Deutschland bei 16,2 Prozent (348,8 Millionen Franken) bzw. in Euro bei plus 16 Prozent (318,7 Millionen Euro).

OTC plus 38,7 Prozent, Rx plus 14,5 Prozent

DocMorris steigerte den Angaben zufolge das Wachstum im Bereich der rezeptfreien Arzneimittel (OTC) im dritten Quartal in Euro um 38,7 Prozent auf 31,9 Millionen Euro sowie in den ersten neun Monaten um 41,4 Prozent auf 93,4 Millionen Euro. Im Bereich der rezeptpflichtigen Arzneimittel lag der Anstieg bei DocMorris im dritten Quartal bei plus 14,5 Prozent auf 60,3 Millionen Euro und in den ersten neun Monaten bei plus 9,6 Prozent auf 177,1 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr 2017 waren die Ausgaben der Krankenkassen für Arzneimittel aus dem EU-Versand um 13,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum angestiegen.

In der Schweiz hat Zur Rose zudem den Umsatz des Ärztegeschäfts (B2B) im dritten Quartal um 8,1 Prozent (9 Monate: plus 6,0%) gegenüber dem Vorjahr erhöht. Das Einzelhandelsgeschäft ist den Unternehmensangaben zufolge mit einem Umsatzplus von 5,6 Prozent im dritten Quartal erstmals wieder gewachsen. Damit sei die Bereinigung margenschwacher Umsätze im Bereich Specialty Care abgeschlossen. Insgesamt nahm der Umsatz im Segment Schweiz im dritten Quartal um 7,5 Prozent auf 121,8 Millionen Franken zu, in den ersten neun Monaten betrug das Plus 3,8 Prozent auf 360,1 Millionen Franken. |

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