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Beratung

Gesundbaden

Mit medizinischen Badezusätzen und Moorbädern Erkrankungen vorbeugen

So manches Zipperlein lindert die Balneotherapie – eine klassische Kur mit Baden, dem Trinken von Heilwasser, ergänzt mit einigen Anwendungen, kann ein wahrer Jungbrunnen sein. Medizinische Badezusätze versprechen auch zu Hause einen gesundheitsfördernden Effekt. Bei einigen Erkrankungen sind Bäder fester Bestandteil der Therapie. Der Schwerpunkt soll hier auf medizinischen Bade­zusätzen liegen. | Von Constanze Schäfer

Bei medizinischen Badezusätzen kann es sich rechtlich um Arzneimittel, Medizinprodukte oder Kosmetika handeln. Die Arzneimittel können apothekenpflichtig oder freiverkäuflich sein, die als Medizinprodukte oder Kosmetika im Markt befindlichen Badezusätze auch außerhalb der Apotheke in den Verkehr gebracht werden. Wer Badezusätze verkauft, befindet sich also im Spannungsfeld der Abgrenzungen zwischen Arzneimittel- und Medizinproduktegesetz sowie dem Lebensmittel-, Bedarfsgegenstände- und Futtermittelgesetzbuch und den sich daraus ableitenden kosmetik-­rechtlichen Bestimmungen. Wie bei allen anderen Abgrenzungen steht die Zweckbestimmung im Vordergrund.

Wasser ist zum Baden da

Das Einfachste in Sachen medizinischer Bäder ist das Wechselbad. Dafür benötigt man lediglich warmes und kaltes Wasser sowie zwei Schüsseln, in die man bequem seine Füße tauchen kann. Das warme Wasser wird auf 36 bis 38 °C temperiert, das kalte auf zwölf bis 20 °C. Zunächst badet man die Füße etwa fünf Minuten im warmen Becken, dann taucht man die Füße etwa 20 Sekunden in das kalte Wasser und wiederholt den Vorgang zwei- bis dreimal. Wichtig ist, dass das Wechselbad immer mit kaltem Wasser endet. Diese Wechselbäder stärken die Durchblutung und werden deshalb bei kalten Füßen, Krampfadern, aber auch zur Stärkung des Immunsystems und bei Erschöpfung empfohlen. Nicht geeignet sind diese Wechselbäder bei Patienten mit Gefäßerkrankungen (z. B. Raynaudsches Syndrom) und Thrombosen. Viele dieser Anwendungen gehen auf Sebastian Kneipp zurück. So wird ein Armbad – der rechte, dann der linke Arm werden nacheinander für etwa eine halbe Minute in ein Waschbecken mit kaltem Leitungswasser getaucht und das Wasser danach abgestreift – zur Belebung empfohlen. Bei Kopfschmerzen und Müdigkeit wird kühles Wasser in sanftem Strahl (Gießkanne, Schlauch mit wenig Druck) von der rechten Schläfe ausgehend langsam das Gesicht umrundend und einige Male über die Stirn gegossen. Wesentlich bekannter sind die venenstärkenden Kniegüsse, die ebenfalls einen möglichst druckarmen Strahl über die Zehen des rechten Fußes, dreimal über den Füßrücken langsam bis eine Handbreit über der Kniekehle führen. Danach kehrt man langsam über das Innenbein wieder zum Fuß zurück. Die Prozedur wird am linken Bein wiederholt. Am besten das Wasser nur abstreifen und die Beine durch Bewegung an der Luft trocknen lassen.

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Verstärkte Durchblutung Warme Fußbäder können gegen kalte Füße bei Schlafstörungen helfen, Wechselfußbäder bei niedrigem Blutdruck oder Erkältungskrankheiten.

Gepflegte Füße

Knapp 1200 Produkte weist die ABDA-Datenbank unter dem Suchbegriff „Bad“ aus. In der Übersicht (Tab. 1) sind einige Beispiele gängiger Produkte ausgewählt, die unterschiedlichen rechtlichen Regelungen unterliegen.

Produktbeispiele
Status (AP: apothekenpflichtig, nAP: nicht apothekenpflichtig)
ausgewählte Inhaltsstoffe
Emollenzia, rückfettende Bäder, z.T. mit weiteren Zusätzen
Balneum® Hermal F
Arzneimittel (AP)
Polidocanol
Balneoconzen® N Ölbad
Arzneimittel (AP)
Sojaöl
Neuroderm® Mandel­ölbad
Arzneimittel (AP)
Tocopherol-Gemisch
Linola® Fett N Ölbad
Arzneimittel (AP)
Sensoderm Tetesept® Bademedizin HautRegulativ® Ölbad
Arzneimittel (nAP)
Sojaöl
Eubos® Creme Ölbad
Kosmetikum
Polidocanol
Descomed® Ölbad
Kosmetikum
Tocopherolacetat, Dexpanthenol
Excipial® Mandelölbad
Kosmetikum
Antipruriginosa, juckreizstillende Bäder mit adstringierenden Zusätzen sowie entzündungshemmende Bäder
Delagil® Pulver
Arzneimittel (AP)
Gerbstoff
Ichtho® Bad
Arzneimittel (AP)
Bituminosulfonat
Tannolact® Badezusatz
Arzneimittel (AP)
Gerbstoffe
Kamillin® extern von Robugen
Arzneimittel (AP)
Kamillenextrakt
Kohlensäurebad von Bastian
Arzneimittel (AP)
Aluminiumsulfat, NaHCO3
Kamillenölbadvon Schupp
Kosmetikum
Kamillenextrakt
Spitzner Balneo®Eichenrinden Extrakt
Kosmetikum
Erkältungs- und Rheumabäder
Kneipp® Erkältungsbad
Arzneimittel (nAP)
Eukalyptusöl
Pinimenthol®Erkältungsbad/
Pinimenthol® Erkältungsbad für Kinder
Arzneimittel (nAP)
Arzneimittel (nAP)
Campher
Eukalyptusöl
Rheuma Badeöl Wala®
Arzneimittel (nAP)
Sternanisöl
Rheuma Spezialbad®
Arzneimittel (nAP)
Eukalyptusöl
Stas® Erkältungsbad
Arzneimittel (nAP)
Eukalyptusöl
Tetesept® Erkältungsbad/Tetesept® medizinisches Erkältungsbad
Arzneimittel (nAP)
Eukalyptusöl
Thymian Li-il®Erkältungsarzneibad
Arzneimittel (nAP)
Thymianöl
Babix® Baby Thymianbad
Kosmetikum
Thymianöl
Eucabal®Eukalyptusbad
Kosmetikum
Eukalyptusöl

Fußbäder sind in der Regel Kosmetika wie auch alle eher in Richtung Wohlfühlen, Wellness und Schönheit ausgerichteten Badezusätze. Auch ein Harnstoff-Zusatz von 15% in einem Fußbad macht daraus noch lange kein Arzneimittel, weil erst ab 40% eine keratolytische Wirkung besteht. Geringere Konzentrationen dienen der Feuchthaltung der Haut. Kosmetische Mittel sind nach Definition des Lebensmittel-, Bedarfsgegenstände- und Futtermittelgesetzbuchs (LFBG) „Stoffe oder Gemische aus Stoffen, die ausschließlich oder überwiegend dazu bestimmt sind, äußerlich am Körper des Menschen oder in seiner Mundhöhle zur Reinigung, zum Schutz, zur Erhaltung eines guten Zustandes, zur Parfümierung, zur Veränderung des Aussehens oder dazu angewendet zu werden, den Körpergeruch zu beeinflussen.“ Fußbäder haben also vor allem das Ziel zu erfrischen und die durch das Laufen beanspruchte Haut geschmeidig zu halten. Dass überschüssige Hornhaut nach einem Fußbad mit einem Bimsstein oder einem Hornhauthobel sanft entfernt werden kann, hat im häuslichen Umfeld vor allem einen kosmetischen Effekt, die Füße sollen gepflegt aussehen. Die medizinische Fußpflege, Podologie, zielt über diesen rein kosmetischen Effekt durch weitergehende Behandlungsmaßnahmen hinaus. Podologen setzen dabei ebenfalls die kosmetischen Fußpflegeprodukte ein, wenn Krankheitsgründe keine speziellen Maßnahmen erforderlich machen (z. B. besondere Behandlung bei Haut- und Nagelpilzinfek­tionen oder Wunden).

Mit Salz und Schlamm

Bei Salzbädern, die von Patienten mit trockener Haut, Akne, Neurodermitis oder Schuppenflechte, gelegentlich aber auch von Rheuma-Patienten gern eingesetzt werden, handelt es sich entweder um Medizinprodukte oder Kosmetika. Die Vollbäder mit 1%- bis maximal 6%-igem Salzgehalt sollen, so die Empfehlung, mindestens zweimal die Woche über einen längeren Zeitraum durchgeführt werden. Die Badetemperatur beträgt am besten zwischen 36 und 38 °C und die Badedauer liegt zwischen zwölf und 20 Minuten. Nach dem Bad die Haut an der Luft oder ohne Abrubbeln in ein Badetuch gehüllt trocknen lassen, damit die auf die oberste Hautschicht aufgelagerten und feuchtigkeitsbindenden Salzkristalle nicht gleich wieder entfernt werden. Patienten mit trockener Haut können zusätzlich zum Salz entweder etwas Öl in das Badewasser geben oder nach dem Trocknen der Haut ein geeignetes Pflegeprodukt auftragen.

Reine Peloid-Zubereitungen und Moorbäder sind überwiegend als Medizinprodukte eingestuft. Rechtlich sind Medizinprodukte für die „Behandlung oder Linderung von Krankheiten“, deren Wirkung „weder durch pharmakologisch oder immunologisch wirkende Mittel noch durch Metabolismus erreicht wird“. Moor und Fango haben hervorragende Wärmespeichereigenschaften. Damit ist eine effektive physikalische Wärmetherapie möglich. Einige Hersteller haben entsprechende Produkte jedoch als Kosmetikum im Markt. Viele Kurbäder haben in ihrem Angebot Moor- und Fangopackungen, als Teilpackungen bis hin zum kompletten Körperwickel. Torf ist das Zersetzungsprodukt von Pflanzenresten unter Luftabschluss bei gemäßigten Temperaturen, wie wir sie in Deutschland haben. Geologisch wird diese Struktur Moor genannt. Man unterscheidet Flachmoore, die überwiegend in flachen, langsam fließenden oder stehenden Gewässern durch Absterben von Wasserpflanzen nach und nach versumpfen und im Laufe der Zeit von typischen Uferrandgewächsen überwuchert werden. Zieht sich das Grundwasser weiter zurück, stirbt die Sumpfvegetation ebenfalls ab und Torfmoose überziehen die Fläche, es entsteht ein Hochmoor. Moose binden größere Mengen an Niederschlagsfeuchtigkeit und tragen zur weiteren Vertorfung der darunterliegenden Fläche bei. Bei der Zusammensetzung des Torfs dominieren die Kohlenstoff-haltigen Anteile durch die pflanzlichen Reste. Da die Zersetzung unter Luftabschluss stattfindet, entstehen überwiegend saure Produkte wie Bitumen und Huminsäure. Daneben enthalten Torfe Kalk, Quarze und Silikate und je nach Provenienz weitere charakteristische Mineralien wie Eisen, Schwefel und anderes mehr. Hochmoore sind ärmer an mineralischen Bestandteilen als die darunter liegenden Flachmoore. Fango hingegen wird aus vulkanischem Mineralschlamm zubereitet und ist besonders reich an anorganischen Bestandteilen.

Baden für alle geeignet?

Ein Vollbad belastet, auch bei Temperaturen um die 36 °C den Organismus, insbesondere das Herz-Kreislauf-­System. Deshalb sollten Patienten mit Herz-Kreislauf-Beschwerden oder Thrombosen mit ihrem Arzt abstimmen, ob ein Vollbad oder Kuren mit Bädern für sie angebracht ist. Vor allem ältere Menschen und Personen, die unter Schwindel leiden, sollten möglichst nur baden, wenn jemand ihnen behilflich sein kann, zum Beispiel beim Aussteigen aus der Badewanne. Und nach dem Bad sollte jeder sich etwas ausruhen.

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Torf. Die therapeutisch genutzte Eigenschaft von Torf ist die sehr gute Wärmespeicherkapazität. Für die Anwendung wird das Moor auf 50 °C erwärmt. Um den Wärmeverlust möglichst gering zu halten, wird das organische Sediment mit Folien oder Leinentüchern und Wolldecken abgedeckt. Über einen Zeitraum bis zu 40 Minuten wird kontinuierlich und deduktiv Wärme an den Körper abgegeben, ohne dass sich die Kontakttemperatur auf der Haut verringert. Physikalisch spielen dabei die Wärmeleitfähigkeit und die volumenbezogene Wärmespeicherfähigkeit eine entscheidende Rolle. Die Wärmeleitfähigkeit ist eine Stoffkonstante und beschreibt das Vermögen des Stoffes, thermische Energie weiterzutransportieren. Die Übertragung der Wärme aus dem Torf auf die Haut und das darunterliegende Gewebe wird als Wärmeübergang bezeichnet. Dieser ist beim Torf langsam und nivellierend. Damit ist gemeint, dass die Wärmeübertragung bei kälteren, schlechter durchbluteten Körperteilen in höherem Maße erfolgt, als bei ohnehin schon aufgewärmten Bereichen. So wird eine insgesamt gleichmäßige Aufheizung erreicht. Voraussetzung dafür ist eine ausreichende Schichtdicke von 3 bis 5 cm. Die Wärmespeicherfähigkeit ist abhängig vom Wassergehalt. Je höher der Wassergehalt, desto höher auch die Wärmeleitfähigkeit und desto geringer die Wärmespeicherfähigkeit. Wasser ist im Vergleich zum Torf das leitfähigere Material. Torf hat einen Wassergehalt von etwa 30%, während beispielsweise Fango, einen rund zehn Prozent höheren Wasseranteil hat.

Fango. Die Wärmekapazität des Fangos ist nicht ganz so groß wie bei den Mooranwendungen. Die Anwendungsdauer des auf 45 bis 50 °C aufgeheizten, mit Wasser homogen angerührten Fangos, der in einer Dicke von etwa 3 cm auf die Haut aufgetragen wird, beträgt zwischen zwanzig und vierzig Minuten. Auch beim Fango wird zum Erhalt der Temperatur durch Folien und Decken isoliert.

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Damit die Wärme aus dem Torf oder Fango in das Gewebe gut und gleichmäßig übertragen wird, sollte das Material dick aufgetragen werden.

Moor. Beim Moorbad liegt der Wasseranteil sogar bei 95%. Moorbäder können sowohl als Voll- oder Teilbad oder als Packung zur Behandlung eingesetzt werden. Letzteres ist vor allem für Menschen, die kein Vollbad nehmen dürfen, eine Alternative. Für die Packung wird Moor oder Fango z. B. in einen Beutel aus eng gewirktem Material gefüllt, der vor der Anwendung mit 50 bis 60 °C heißem Wasser übergossen wird. Diesen kompakten Wärmespeicher legen die Patienten zum Beispiel auf das schmerzende Gelenk. Angewandt werden Moorbäder und Kompressen bei rheumatischen, neuralgischen und gynäkologischen Beschwerden, aber auch bei Gallenleiden.

Wundheilungsfördernd

Antiseptisch wirkende chemisch definierte Zusätze wie Kaliumpermanganat oder Rivanol fallen unter arzneimittelrechtliche Bestimmungen und sind apothekenpflichtig (Tab. 2). Sie werden bei unterschiedlichen Infektionen der Haut eingesetzt. Hier sollten die jeweiligen Gebrauchsanweisungen für Voll- und Teilbäder oder auch Umschläge beachtet werden.

Produktbeispiele
Status (AP: apothekenpflichtig, nAP: nicht apothekenpflichtig)
ausgewählte Inhaltsstoffe
antiseptisch wirkende Badezusätze
Rivanol® Lsg. 0,1 %, Pulver 1 g
Arzneimittel (AP)
Ethacridin
Betaisodona® Lösung
Arzneimittel (AP)
Povidoniod
Solutio Kalii permangani SR
Arzneimittel (AP)
Moor-/Peloidbäder
Solum® Badezusatz
Arzneimittel (AP)
Rosskastanie/Equisetum
Moorlauge Bad von Schupp
Medizinprodukt
Moor Bad von Saxonia
Medizinprodukt
Moor dickbreiig Orticron® Bad
Medizinprodukt
Mikrommoran® medi­zinischer Badezusatz
Medizinprodukt
Neyharting® Heilmoor Vitalbad
Medizinprodukt
Bademoor von Pharmafit
Medizinprodukt
Moor Activ Bad von Auxyn
Kosmetikum
Fußbäder
Akileine® Fußbadesalz
Kosmetikum
Allgäuer Latschenkiefer® Hornhaut reduzierendes Fußpflegebad
Kosmetikum
Biomaris® Meersalz Fußbad
Kosmetikum
Efasit® Classic Vital Fußbad
Kosmetikum
Moor Fuß Bad von Pharmafit
Kosmetikum
Urea 15% Fußbadesalz
Kosmetikum
Sole-/Salzbäder
Phumasol® Elektrolyt Sole Badesalz
Medizinprodukt
Phumasol® NaCl Bad
Medizinprodukt
Totes Meer® Badesalz
Kosmetikum
sonstige Beispiele für verschiedene Bäder
Tetesept® Bad Ruhe finden
Kosmetikum
Molkebad® Badezusatz
Kosmetikum
Tetesept® Gelenk- und Muskelbad
Kosmetikum
Lavendel Badeöl Unter­weger®
Kosmetikum
Basen Bad®
Kosmetikum
Gesundheitsbad® Teufelskralle
Kosmetikum
Leukona® Wacholderbeer­ölbad
Kosmetikum

Bei rückfettenden Bädern geben Zusätze von Polidocanol, Tocopherol oder auch Dexpanthenol keinen eindeutigen Hinweis darauf, ob es sich um ein Kosmetikum oder ein Arzneimittel handelt. Auch Kamille oder Eichenrindenextrakt dürfen in Kosmetika verarbeitet werden, weshalb auch bei juckreizstillenden und adstringierenden Bädern nicht auf den ersten Blick eine Zuordnung möglich ist. Je nachdem, ob das Bad eher kühlend, adstringierend und juckreizstillend oder rückfettend wirken soll, werden unterschiedliche Badetemperaturen empfohlen. Je wärmer die Badetemperatur, desto mehr Feuchtigkeit wird der Haut entzogen, was den Juckreiz auf Sicht begünstigt. Deshalb eine Badetemperatur zwischen 26 und 36 °C wählen. Wer nur den rückfettenden Effekt wünscht, kann die Badetemperatur auf bis zu 38 °C erhöhen. Die Badedauer sollte zehn bis 20 Minuten betragen. Um den dünnen Fettfilm nicht von der Haut zu nehmen oder gereizte Haut nicht zusätzlich mechanisch zu belasten, ist statt Abtrocknen das Einschlagen in ein Badetuch oder einen Bademantel zu empfehlen.

Erkältungsbäder

Bäder, bei denen zur Linderung von Erkältungsbeschwerden ätherische Öle (insbesondere Eukalyptusöl) durch die Haut und per Inhalation ihre Wirkung entfalten können, sind aufgrund dieser Zweckbestimmung zumeist als nicht apothekenpflichtiges Arzneimittel im Markt.

Die Anwendung eines Erkältungsbades ist sinnvoll, wenn erste Symptome wie Frösteln, Halskratzen und Nasekribbeln auftreten, weil es den Körper aufwärmt, zur Muskelentspannung beiträgt und man, wie es ja empfohlen wird, im Anschluss mindestens zwei Stunden ruhen soll. Wer Glück hat, schläft sich so gesund und bietet dem Anflug der Erkältung erfolgreich die Stirn. Bei Fieber und Husten jedoch belastet ein Erkältungsbad den Organismus zu stark. In dieser Phase sollte man darauf verzichten. Ein heißes Erkältungsbad kann bei ohnehin angeschlagener Gesundheit zu Kreislaufproblemen führen, weshalb beim Aussteigen aus der Wanne erhöhte Vorsicht angeraten ist. Als Badetemperatur wird 32 bis 38 °C empfohlen und die Badedauer sollte 20 Minuten keinesfalls überschreiten. Für Säuglinge und Kleinkinder sind Eukalyptus- und Menthol-haltige Präparate ungeeignet, hier sollte – wenn überhaupt – auf die milderen Thymian-haltigen Produkte zurückgegriffen werden.

Ein Erkältungsbad kann wegen seiner muskelentspannenden Wirkung auch bei Muskelkater gute Dienste erweisen.

Strom als Badezusatz

Zur Behandlung der Hyperhidrosis – vor allem an Händen und Füßen – ist die Leitungswasseriontophorese eine Option. Dabei wird kontinuierlicher oder gepulster Gleichstrom mit einer Stromstärke von 10 bis 30 mA eingesetzt. Die Hände oder Füße werden in ein Wasserbad getaucht und dann der Strom angelegt. Durch diese Maßnahme wird der Ionentransport im sekretorischen Knäuel der Schweißdrüsen gestört. Leider ist das Ergebnis recht schnell reversibel, so dass die Therapie zu Beginn dreimal die Woche, später dann einmal wöchentlich durchgeführt werden muss. Die Iontophorese ist nicht für alle Patienten geeignet, so dürfen Personen mit Herzschrittmachern, Metallimplantaten oder Schwangere nicht behandelt werden. Die entsprechenden Iontophorese-Wasserbäder stehen normalerweise in Arztpraxen. Es gibt aber auch Geräte für die häusliche Anwendung. Stanger-Bäder, die bei Rheuma und Muskelverspannungen Linderung bringen, funktionieren als Ganzkörperanwendung in ähnlicher Weise, wobei die Stromstärke meist zwischen 200 und 600 mA liegt. Dem Badewasser können Salze zugesetzt sein, um die Wirkung zu verstärken. Die dafür benötigten speziell ausgestatteten Badewannen sind in der Regel nur in Kureinrichtungen zu finden.

Baden als fester Bestandteil der Therapie

PUVA ist eine Bad-photochemische Kombinationstherapie bei Patienten mit Psoriasis, Lichen ruber, Urticaria pigmentosa und einigen weiteren Hauterkrankungen. Der Zusatz von 0,5 bis 1 mg 8-Methoxypsoralen (8-MOP) pro Liter Badewasser führt zu einer Photosensibilisierung der Haut. Der Patient badet unmittelbar vor der Bestrahlung 20 Minuten bei 37 °C. Die Haut darf nach dem Bad nur vorsichtig abgetrocknet werden. Danach erfolgt die UVA-Bestrahlung, wobei die Intensität individuell festgelegt wird. Die UVA-Strahlen von 313 bis 400 nm wirken entzündungs- und wachstumshemmend und reduzieren auf diese Weise die verstärkte Schuppung der Haut. Drei bis vier Tage nach der Bestrahlung zeigt sich die phototoxische Reaktion. 8-Methoxypsoralen steht neben Bädern auch als Creme oder Lotion zur Verfügung, sodass ein lokal gezielter Einsatz möglich ist. Wichtig in der Beratung von PUVA-Patienten ist der Hinweis, dass nach der Bestrahlung der mit 8-MOP behandelten Areale für mindestens vier Stunden die Haut vor weiterer Sonneneinstrahlung zu schützen ist und insgesamt Sonnenbäder oder ein Solariumbesuch während des üblicherweise vier Tage andauernden Behandlungs­zyklus nicht erlaubt sind. Falls die 8-MOP-haltige Creme bereits zu Hause aufgetragen wird, muss die Haut auch vor der UV-A-Einwirkung vor Sonneneinstrahlung zum Beispiel durch Abdecken geschützt werden.

Bei Patienten mit Verhornungsstörungen, sogenannten Ichthyosen, ist das ein- bis zweimal tägliche Baden in Natriumhydrogenkarbonat (Backpulver, man benötigt pro Bad einige Esslöffel) und die sich daran anschließende mechanische Keratolyse – zum Beispiel mit einem Mikrofasertuch – ebenso notwendig wie eine Pflege mit Harnstoff-haltigen Produkten. Der Vorteil von Natriumhydrogenkarbonat im Vergleich zu Salzbädern ist, dass die meist ohnehin gereizte Haut mit kleinen Mikroverletzungen nicht noch weiter belastet wird. Ichthyose ist nicht nur ein kosmetisches Problem durch die verstärkte Hautschuppenbildung. Gleichzeitig verliert die Haut die Fähigkeit, Wärme zu speichern und Wasser zu binden. Das Bad befeuchtet die oberen Hautschichten und wird deshalb auch als „Tanken“ beschrieben.

Thermalwasser und Co.

Wasserkurorte werben für die gesundheitsfördernden Wirkungen ihrer Heilquellen. Das Spektrum reicht von Thermalwasser unterschiedlicher Zusammensetzung und Temperatur über schwefelhaltige bis hin zu kohlensäurehaltigen Quellen. Nicht selten sind ansprechende Schwimm- und Kurbäder vor Ort zu finden. Ergänzt mit Anwendungen wie Wassertreten und Wechselbädern, Massagen, Entspannungstraining und Bewegung an der frischen Luft ist es für den einen ein Wellnesswochenende und für den anderen ein „Kurlaub“. Kuren sind natürlich auch ein Baustein in Therapie oder Rehabilitation. Der Badezusatz für zu Hause kann den Effekt eines Kurortaufenthaltes nicht ersetzen. Dennoch haben Bäder einen wohltuenden Effekt – gerade auch in der kalten Jahreszeit. |

Literatur

Lebensmittel-, Bedarfsgegenstände- und Futtermittelgesetzbuch (LFBG)

Medizinproduktegesetz (MPG)

Gesetz über den Verkehr mit Arzneimitteln (Arzneimittel­gesetz, AMG)

Verordnung über apothekenpflichtige und freiverkäufliche Arzneimittel

Kratz E-M et al. Abgrenzung kosmetische Mittel/Arzneimittel – Ein Bericht vom Karlsruher Kosmetiktag an 6. Dezember 2006. StoffR 2007;2:90-97

Schlereth T et al. Hyperhidrose – Ursachen und Therapie von übermäßigem Schwitzen. Dt Ärzteblatt 2009;106(3):32-37

Küster W. Ichthyosen: Vorschläge für eine verbesserte Therapie. Dt Ärzteblatt 2006;103(24):A1684-1689

Cremers B. Heiß geschätzt – Naturheilmittel Moor. Dt Ärzteblatt 2001;98(13):A858-859

Kerscher M, Volkenandt M, Plewig G. PUVA-BAD-Photochemotherapie: Prinzip und Indikationen. Dt Ärzteblatt 1996;93(23):A1538-1541

Autorin

Apothekerin Dr. Constanze Schäfer, Studium der Pharmazie an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz, seit 1999 Abteilungsleiterin für den Bereich Aus- und Fortbildung der Apothekerkammer Nordrhein. Referentin zu zahlreichen pharmazeutischen Themen und Dozentin im Pharmaziepraktikantenunterricht. Außerdem freiberufliche Autorin zahlreicher Zeitschriftenartikel und Fachbücher. Im Deutschen Apotheker Verlag sind von ihr die Kitteltaschenbücher „Hilfsmittel und Medizinprodukte“ und „Gifte und Vergiftungen“ erschienen. Sie ist Mitherausgeberin des Buches „Geriatrische Pharmazie“.

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