DAZ aktuell

Apotheke neu denken?

Ein Kommentar von Thomas Müller-Bohn

Politik und Apotheker stehen mittelfristig vor der Aufgabe, die Honorierung der Apotheken neu zu gestalten. Ob ein paar neue honorierte Aufgaben und ein Anpassungsmechanismus für das Fixhonorar reichen, steht zur Diskussion. Vielleicht ist sogar eine neue Honorarstruktur nötig. Die in der vorigen Ausgabe der DAZ formulierte Idee eines Kommissionsmodells (DAZ 2017, Nr. 32, S. 22 ff.) beantwortet allerdings eine andere Frage. Denn dies ist nicht einfach eine andere Honorierung für Apotheken, die in der bisherigen Form betrieben werden, sondern ein neues Geschäftsmodell.

In formaler Hinsicht wäre zu klären, ob der Apotheker in diesem Modell zum Handelsvertreter wird. Denn er würde Waren vermitteln, ohne selbst Eigentümer dieser Waren zu sein. Vielleicht erhält die Pharmaindustrie dann ganz neue Weisungs- und Durchgriffsrechte. Immerhin wäre es ihre Ware, die in den Apotheken lagert. Da drohen neue Abhängigkeiten. Nicht zuletzt um dieses Problem zu umgehen, ist der Apotheker ein eigenverantwortlicher Kaufmann. Auch die Honorarfrage wäre mit dem Modell nicht unbedingt geklärt. Denn ein Apotheker, der für die Industrie Waren vermittelt, müsste von dieser honoriert werden. Wahrscheinlich würden die Krankenkassen auf diesen handelsrechtlichen Grundsatz verweisen, um selbst einen Teil der Rechnung abwälzen zu können.

Das in der vorigen Ausgabe der DAZ beschriebene Kommissionsmodell würde wohl einige derzeitige Probleme lösen, aber viele neue Fragen aufwerfen. Die entscheidende Frage ist dabei: Wie weit hat der ganze Ärger um Retaxationen, Finanzierung von Hochpreisern und überbordende Bürokratie die Apotheker getrieben? Wollen sie ihre Rolle als eigenverantwortliche Kaufleute, die mit eigenen Arzneimittel umgehen, aufgeben, um dafür (hoffentlich) die genannten Ärgernisse zu umgehen? Wollen sie sich dafür auf ein ganz neues Geschäftsmodell einlassen?

Meine persönliche Antwort darauf lautet Nein, soweit es um den allgemeinen Versorgungsweg geht. Spezialfälle wie Zytostatika mögen Ausnahmen begründen. Doch grundsätzlich hat sich das „Prinzip Apotheke“ mit einem unabhängigen und auch wirtschaftlich verantwortlichen Apotheker bewährt. Obwohl auch die DAZ-Redaktion fest zu diesem „Prinzip Apotheke“ steht, haben wir das Kommissionsmodell zur Diskussion gestellt. Vielleicht vermittelt es auf einem Umweg auch neue Ideen zur Honorierung.

Die DAZ wollte diesen Gedanken Raum geben. Denn zur Honorierung besteht noch großer Diskus­sionsbedarf.

Dr. Thomas Müller-Bohn


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