Arzneimittel und Therapie

Gute PPI, schlechte PPI

Hinweise auf erhöhtes Mortalitätsrisiko beflügeln die Diskussion

Jeder Apotheker weiß es: Protonenpumpenhemmer (PPI) gehören zu den am häufigsten verordneten Arzneimitteln. Zuletzt wurde diskutiert, dass durch ihre zu seltene Verordnung im Rahmen einer ASS-Sekundärprophylaxe tödliche Blutungen in Kauf genommen werden (s. DAZ 2017, Nr. 27, S. 34). Doch es wird auch immer wieder angeprangert, dass PPI zu häufig und über einen zu langen Zeitraum eingenommen werden, möglicherweise mit fatalen Folgen.

Die häufig verordneten Protonenpumpenhemmer, in erster Linie Omeprazol und Pantoprazol, wurden zuletzt mit einer Reihe von unerwünschten Wirkungen in Verbindung gebracht. Dazu zählen Nierenerkrankungen, Demenz, Hypomagnesiämie, Osteoporose und ein erhöhtes Risiko für Clostridium difficile-Infektionen. Auch ein erhöhtes Risiko für Pneumonie und kardiovaskuläre Erkrankungen wird diskutiert.

Für Yan Xie und ihre Kollegen vom Zentrum für klinische Epidemiologie in Saint Louis, USA, ist jede der genannten potenziellen Nebenwirkungen schwerwiegend und könnte das Mortalitätsrisiko erhöhen. Sie stellten die Hypothese auf, dass Protonenpumpenhemmer aufgrund ihres Nebenwirkungsprofils das Mortalitätsrisiko erhöhen könnten und dass das Risiko nach längerer Einnahme weiter zunimmt. Im Rahmen einer longitudinalen Kohortenbeobachtungsstudie wurde nun untersucht, ob es tatsächlich ein erhöhtes Sterberisiko nach Einnahme von Protonenpumpenhemmern gibt. Zu diesem Zweck wurde auf die Datenbank des Kriegsveteranenministeriums der Vereinigten Staaten zurückgegriffen. Dies erlaubte die Auswertung eines großen Datensatzes und eines relativ langen Follow-up-Zeitraums. Die Kohorte umfasste 349.312 Personen mit Einnahme eines Säureblockers (275.977 davon PPIs, 73.335 davon H2-Blocker).

Foto: Ljupco Smokovski – stock.adobe.com
Besser und länger leben ohne PPI – das könnte zumindest für viele ältere Männer gelten, die ohne bestehende Indikation mit Omeprazol und Co. behandelt werden.

Nach einem durchschnittlichen Follow up von 5,7 Jahren war die Einnahme von Protonenpumpenhemmern (PPI) im Vergleich zu H2-Blockern mit einem erhöhten Mortalitätsrisiko verbunden (Hazard Ratio 1,25). Auch beim Vergleich zwischen PPI-Einnahme und Einnahme weder von PPI noch von H2-Blockern war das Risiko erhöht (Hazard Ratio 1,23).

Zusätzlich wurde das Mortalitätsrisiko in einer kleineren Kohorte untersucht, die keine Patienten mit klassischen PPI-Indikationen wie GERD, Magen-Darm-Blutungen und Ulcera enthielt. Auch in dieser vermeintlichen „low risk“-Gruppe war das Mortalitäts­risiko erhöht (PPI versus H2-Blocker: Hazard Ratio 1,24; PPI versus kein PPI und kein H2-Blocker: Hazard Ratio 1,22).

Zu bedenken ist, dass die Studie ausschließlich mit Veteranen, also vorwiegend älteren weißen Männern, durchgeführt wurde. Das lässt nicht unbedingt auf die Gesamtbevölkerung schließen. Insgesamt scheint die langfristige Einnahme von Protonenpumpenhemmern ein erhöhtes Mortalitätsrisiko zu bergen. Die durchgeführte Studie liefert jedenfalls erste Hinweise darauf.

Die Zukunft wird zeigen, ob sich das Verschreibungsverhalten der Ärzte hinsichtlich der Protonenpumpenhemmer ändert. Der Einsatz der PPI hat in den letzten Jahren rasant zugenommen. Studien zeigen, dass zwischen 53 und 69% der PPI-Verschreibungen nicht der Indikation entsprechen. Die Autoren der Studie fassen es – um es im englischen Original zu zitieren – mit „often overprescribed, rarely deprescribed“ zusammen. |

Quelle

Xie Y. et al. Risk of death among users of Proton Pump Inhibitors: a longitudinal observational cohort study of United States veterans. BMJ Open 2017; 7:e015735. doi: 10.1136/bmjopen-2016-015735.

Apothekerin Dr. Birgit Benedek

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