Arzneimittel und Therapie

Verbrennungen fördern Atemwegsinfekte

Auch Jahre nach der Abheilung ist das Risiko erhöht

Verbrennungen zählen im Kindesalter zu den häufigsten Unfällen und können schwere Folgen haben. So wurde beobachtet, dass Kinder mit verheilten Verbrennungen häufiger aufgrund viraler und bakterieller Lungenentzündungen ins Krankenhaus eingeliefert werden als unverletzte Kinder.

Das Ziel des Körpers nach Verbrennungen ist es, die Gewebeintegrität und Homöostase wiederherzustellen. Dafür werden unmittelbar nach der Verbrennung das Immunsystem, die Blutgerinnungskaskade und inflammatorische Signalwege aktiviert. Es können Atemwegskomplikationen auftreten – unabhängig davon, ob Rauch eingeatmet wurde oder nicht. Auch nach dem Verheilen der Verbrennungen besteht eine erhöhte Krankheitsanfälligkeit. Man vermutet dahinter eine anhaltende akute Entzündung und Immunreaktion. Wenig bekannt ist bisher darüber, ob und wie gut sich das Atemwegssystem nach einer Verbrennung erholt.

In einer kürzlich publizierten, retro­spektiven Kohortenstudie wurde bei Kindern die Anfälligkeit für Atemwegs­erkrankungen über einen Zeitraum von zehn Jahren nach einer Verbrennung untersucht. Dazu wurden Daten von 5290 hospitalisierten Kindern (< 5 Jahre zum Zeitpunkt der Verbrennung) analysiert und mit 27.061 gleichaltrigen, nicht verletzten Kindern verglichen. Die meisten der betroffenen Kinder hatten leichte Verbrennungen der Haut erlitten (< 20% der gesamten Körperoberfläche), jedoch keinen Rauch eingeatmet. Die Patienten der Gruppe mit Verbrennungen wurden vor allem in den ersten Jahren nach der Verbrennung signifikant häufiger ins Krankenhaus eingewiesen, in der Hauptsache aufgrund viraler und bakterieller Pneumonien, aber auch anderer Atemwegserkrankungen. Im Gegensatz dazu konnten weder bei Entzündungen des oberen Respirationstraktes noch bei chronischen Entzündungen des unteren Respirationstraktes signifikante Unterschiede festgestellt werden.

Veränderte Immunreaktion

Man glaubt, dass die erhöhte Anzahl von Hospitalisierungen möglicherweise auf ein geschwächtes Immunsystem und eine anhaltende Entzündung zurückzuführen ist. Es wurde nachgewiesen, dass sich die Immunantwort nach einer Verbrennung langfristig verändert. Systemische Veränderungen in der Epithelfunktion und -inte­grität könnten auch signifikant zu dem erhöhten Risiko für Atemwegsinfektionen beitragen.

Insgesamt betrachtet deuten die Ergebnisse darauf hin, dass Verbrennungen zu einer langfristig geschwächten Immunreaktion führen. Es wird daher empfohlen, dass Patienten auch nach der Entlassung aus dem Krankenhaus regelmäßig zu Vorsorge- und Kontrolluntersuchungen gehen, um langwierige Erkrankungen zu vermeiden. |

Quelle

Duke JM et al. Respiratory Morbidity After Childhood Burns: A 10-Year Follow-up Study. Pediatrics 2016;138(4). pii: e20161658

Apothekerin Dr. Lillian Reiter


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