Aus den Ländern

Hüffenhardt, Lieferengpässe und mehr

Bericht von der Vertreterversammlung der Landesapothekerkammer Baden-Württemberg

STUTTGART (wes) | „Die Bude ist dicht, das war das Wichtigste“ – ­Baden-Württembergs Kammer­präsident Dr. Günther Hanke zeigte sich bei der Vertreterversammlung am 5. Juli erleichtert, dass der Arzneimittel-Automat in Hüffenhardt zumindest vorerst geschlossen ist. Kritik an einer angeblich zu großen öffentlichen Zurückhaltung der Kammer in dieser Frage wies er zurück – man habe sich auf das politische Gespräch konzentriert. Weitere Themen der Versammlung waren die bevorstehende Bundestagswahl, die Mitgliederbefragung sowie die Lieferengpässe bei immer mehr Arzneimitteln.

Zum Thema Lieferengpässe hatte die Kammer als ausgewiesenen Experten Dr. Hermann Kortland vom Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller (BAH) geladen. Der stellvertretende BAH-Hauptgeschäftsführer wies auf die vielfältigen Ursachen der Engpässe hin, von denen für ihn die Konzentration der Wirkstoffherstellung in nur noch zwei Ländern – China und Indien – der wichtigste ist. Entsprechend schwierig gestalten sich nach Kortlands Meinung Gegenmaßnahmen. Auch deswegen sprach er sich stattdessen für ein „Engpass-Management“ aus, für das es bereits erste Instrumente gebe (s. auch „Wir brauchen ein Engpass-Management“, S. 11 dieser DAZ). Der zuweilen sehr emotionalen Diskussion täte etwas mehr Objektivität gut, fügte er hinzu.

Foto: DAZ/wes
Dr. Günther Hanke

Hintergründe über Hüffenhardt

Einen Großteil des Berichts des Kammerprä­sidenten Dr. Günther Hanke nahmen die Ereignisse in Hüffenhardt ein. Der dortige, von der niederländischen Versandapotheke DocMorris betriebene Arzneimittel-Automat ist inzwischen nach einer Entscheidung des Landgerichts Mosbach wieder geschlossen. Zuvor hatte das zuständige Regierungspräsidium Karlsruhe zwar die Schließung verfügt, nach Widerspruch des Betreibers allerdings nur für verschreibungspflichtige Arzneimittel die sofortige Vollstreckung des Beschlusses angeordnet – OTC-Arzneimittel durften weiterhin abgegeben werden.

Die Kammer Baden-Württemberg war dafür kritisiert worden, dass sie nicht offensiver gegen den Automaten vorgegangen war. So kam die Klage, durch die der Automat geschlossen wurde, vom Landesapothekerverband. (Kurz darauf hatten weitere Apotheker, teilweise unterstützt vom Großhändler ­Noweda, ebenfalls geklagt. Auch sie hatten Recht bekommen – eine Woche nach dem LAV.) Kammerpräsident Hanke sagte, er könne den Unmut durchaus nachvollziehen, allerdings habe die Apothekerkammer gar keine Klagebefugnis gehabt, da sie keine Marktbeteiligte ist. Das ist aber Voraussetzung ­dafür, ein wettbewerbsrechtliches Verfahren anzustrengen. Die Kammer habe sich auf die politische Einflussnahme konzentriert und mehrere Gespräche im für die Apotheken zuständigen Landessozialministerium geführt – dort habe man aber den Gerichten nicht vorgreifen wollen. Man sei dem LAV ­jedenfalls dankbar für dessen Klage, so Hanke – das Wichtigste sei, dass „die Bude“ jetzt geschlossen ist.

Mehr Öffentlichkeitsarbeit

Geschäftsführer Dr. Karsten Diers und Justiziar Uwe Kriessler berichteten unter anderem über die Ergebnisse der Mitgliederbefragung. Im Großen und Ganzen seien die Mitglieder mit der Arbeit der Kammer zufrieden, so das Fazit – sogar noch ein kleines bisschen mehr als bei der letzten Befragung. Nur die Bürokratie sei bemängelt worden – und die Öffentlichkeitsarbeit der Kammer. Deshalb habe man in der Kammerzeitschrift „Cosmas“ eine neue Rubrik sowie einen speziellen Newsletter ­namens PR-News geschaffen, um die Mitglieder besser über dieses Thema zu informieren.

Unterschiedliche Meinungen zum Notdienst

Auch zur Notdienstbereitschaft hat es eine Umfrage unter den Kammermitgliedern gegeben, mit durchaus unterschiedlichen Ergebnissen, wie Kriessler berichtete. So seien einige Apotheker der Meinung, dass die Notdienstbelastung zu hoch sei und weniger Dienstbereitschaften ausreichen würden, andere dagegen empfinden schon heute die Wege zur nächsten Notdienstapotheke als unzumutbar weit für viele Patienten. Einige Kollegen beklagten die zu niedrige Notdienst­gebühr, während andere auf ihre Er­hebung komplett verzichteten usw.

Die meisten Kommentare gab es Kriessler zufolge zur Zusammenarbeit mit dem ärztlichen Bereitschaftsdienst, die viele als stark verbesserungswürdig ansahen. Hier sei die Apothekerkammer mit den ärztlichen Kollegen im Gespräch, um eine bessere Abstimmung und Kooperation zu vereinbaren.

Foto: DAZ/wes
Entspannt und meistens gutgelaunt. In der Kammerversammlung in Stuttgart …

Kriessler versprach auch, Maßnahmen zu prüfen, um die zunehmende Anzahl von Telefonanrufen im Notdienst zu verringern. Die Bereitstellung von standardisierten Bandansagen sei so eine Möglichkeit, aber selbst die Schaffung eines landes­weiten Call­centers werde diskutiert.

Foto: DAZ/wes
… gingen die Meinungen der Delegierten nur beim Notdienst weit auseinander.

Unfaire Test-Szenarien?

Ein wenig Unzufriedenheit mit der ­Arbeit der Kammer kam beim Thema Pseudo-Customer-Besuche auf, die in Baden-Württemberg „Beratungscheck“ heißen. Die Ergebnisse der Kammer-Tests lassen in Baden-Württemberg, wie auch in vielen anderen Kammerbezirken, durchaus noch Luft nach oben. Während einige der anwesenden Delegierten eine Diskussion über mögliche Konsequenzen aus den unbefriedigenden Ergebnissen forderten, kritisierten andere unfaire und praxisferne Test-Szenarien. Dem widersprach aber Patrick Schäfer, bei der Kammer für die Aus-, Fort- und Weiterbildung zuständig, vehement. Vor allem Kritik an den Pseudo-Customern selbst wies er zurück und erinnerte daran, dass es sich dabei um Kolleginnen und Kollegen handle, die mit viel Engagement, aber für wenig Geld diese Testkäufe durchführen.

Satzungen angepasst, Delegierte gewählt

Völlig ohne Diskussion waren dagegen gleich zu Beginn der Sitzung vier Satzungen geändert worden: In der Berufsordnung, Weiterbildungsordnung, Wahlordnung und der Geschäftsordnung wurden mit großer Mehrheit „punktuelle Verbesserungen“ (Hanke) beschlossen. Insbesondere wurden die Satzungen an geänderte Gesetzestexte angepasst oder Abläufe vereinfacht.

Auch die Wahl der Delegierten für den Deutschen Apothekertag verlief ohne Aufreger. Der Vorstand der Landesapothekerkammer ist in Baden-Württemberg „gesetzt“, für die noch offenen acht Delegiertenplätze fanden sich ­allerdings nur fünf Kandidaten, die gesammelt und einstimmig gewählt wurden. |

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