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Licht und Schatten bei der „Pille“

Verordnungszahlen: Weniger „Pillen“ mit hohem Risiko, mehr mit unklarem Risiko

jb/ms | Die Verordnungszahl hormoneller Kontrazeptiva mit dem höchsten Thromboserisiko ist rückgängig. Gleichzeitig werden aber mehr „Pillen“ mit unklarem Risiko verordnet als noch vor ein paar Jahren. Das ergab eine Auswertung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM).

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat in den letzten Jahren verschiedene Maßnahmen ergriffen, um über das Risiko thromboembolischer Ereignisse bei der Anwendung kombinierter hormoneller Kontrazeptiva (KHK) aufzuklären und dieses zu minimieren: Rote-Hand-Briefe wurden verschickt, Patienteninformationen erstellt und Ähnliches. Hintergrund sind mehrere nationale und europäische Verfahren zur Risikobewertung.

Um den Erfolg der Maßnahmen zu analysieren, wurde das Verordnungsverhalten der Ärzte vor und nach dem Risikobewertungsverfahren untersucht. Dabei gab es sowohl positive als auch negative Ergebnisse.

Die Verordnungen bei den Kontrazeptiva, die bekanntermaßen das höchste Thromboembolierisiko aufweisen (z. B.: Drospirenon), sind weniger geworden. Hier konnte ein Rückgang um 53 Prozent verzeichnet werden. Gleichzeitig wurden zwölf Prozent mehr KHK mit geringem Risiko (z. B. mit Levonorgestrel als Gestagenkomponente) verordnet. Allerdings haben die Verschreibungen der „Pillen“, deren Risiko noch nicht abschließend bewertet ist (z. B. mit Dienogest), ebenfalls zugenommen – und zwar in stärkerem Ausmaß als die risikoarmen Präparate, nämlich um 37 Prozent.

Bei der Auswertung bezog sich das BfArM auf Daten der gesetzlichen Krankenkassen. Einbezogen wurden daher Frauen im Alter zwischen zehn bis 19 Jahren. Für Ältere liegen keine Daten vor. Die Hormonpräparate wurden auf Basis einer Auswertung der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) in eine von vier Risikoklassen eingeteilt, wobei Klasse I ein niedriges Risiko besitzt, Klasse III das höchste Risiko birgt und Präparate der Klasse X ein unklares Thromboserisiko haben.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte bleibt bei ­seiner Empfehlung, die KHK der Risikoklasse bevorzugt zu verordnen.

Zudem muss natürlich weiterhin ­aufgeklärt werden.

Zu den KHK der Risikoklasse X kann derzeit noch keine Empfehlung ausgesprochen werden. |

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