Ausbildung

Viel Spielraum

Die Approbationsordnung ermöglicht eine flexible Studiums-Gestaltung

ESCHBORN (ms) | Die Approbationsordnung für Apotheker ist kein Hindernis für eine zeitgemäße und moderne Lehre, findet Prof. Dr. Robert Fürst von der Goethe-Universität in Frankfurt. Am Beispiel seines eigenen Instituts verdeutlichte er, was bereits jetzt alles möglich ist. Lediglich über die Länge des Studiums lasse sich diskutieren.

Im Rahmen der Delegiertenversammlung der Landesapothekerkammer Hessen am 21. Juni erörterte Prof. Dr. Robert Fürst die Aktualität der Approbationsordnung für Apotheker (AAppO). Immer wieder stelle er fest, wie wenig bekannt die AAppO nicht nur bei Apothekern, sondern auch bei Lehrkräften ist. In der Vergangenheit wurde häufiger gefordert, die Approbationsordnung zu ändern, um das Pharmaziestudium an die aktuellen Anforderungen an den Beruf anzupassen. Das sei aber gar nicht nötig, meint Fürst und verweist auf den Wortlaut der Verordnung: „Die universitäre Ausbildung soll den Studierenden unter Berücksichtigung der Anforderungen und Veränderungen in der Berufswelt die erforderlichen Kenntnisse, Fähigkeiten und Methoden so vermitteln, dass sie zu wissenschaft­licher Arbeit, zur kritischen Einordnung der wissenschaftlichen Erkenntnisse und zur verantwortlichen Ausübung des Apothekerberufs befähigt werden“, heißt es da. Eine sehr moderne Formulierung, wie Fürst findet. Sie hebt sowohl die Wissenschaftlichkeit der Ausbildung, als auch den Bezug zum Beruf hervor.

Foto: AzetPR – LAK Hessen
Prof. Dr. Robert Fürst erläutert dem Auditorium, warum die Approbationsordnung für Apotheker noch zeitgemäß ist.

In Anlage 1 nennt die AAppO die zu lehrenden Stoffgebiete in zehn Fächern. Für jedes ist angegeben, wie viele Stunden zu lehren sind und wie sich diese auf Seminare, Vorlesungen und Praktika verteilen. Außerdem ist angegeben, wie viele Bescheinigungen („Scheine“) pro Stoffgebiet vergeben werden. Innerhalb eines Stoffgebietes werden keine Schwerpunkte genannt. Somit ist auch nicht festgelegt, wie sich die einzelnen Stunden auf diese Schwerpunkte verteilen, ob es sich dabei um Seminare oder Praktika handelt und wofür die Scheine vergeben werden. Auch die Aufteilung der Stoffgebiete auf Grund- und Hauptstudium wird nicht festgelegt. Die Entscheidung, dass es z. B. im Grundstudium einen Schein „Arzneipflanzenexkur­sion“ gibt, liegt also in den Händen der Universität! Somit ergebe sich für die Lehre ein großer Gestaltungsspielraum. Zusätzlich erlaubt die AAppO sogar, bis zu 42 Unterrichtsstunden zwischen den Stoffgebieten zu verschieben.

Der Grund dafür, dass das Pharmaziestudium heutzutage trotz dieser Flexibilität sehr homogen aufgebaut ist, sei ein Musterstudiengang, der 2000 in der Änderungsverordnung zur AAppO wiedergegeben wurde. Dieser macht sehr konkrete Vorschläge, wie das Studium aufgebaut werden kann.

Ein Kritikpunkt ist für Fürst der Gegenstandskatalog des Instituts für medizinische und pharmazeutische Prüfungsfragen (IMPP). Generell wird der Prüfungsstoff in der AAppO geregelt. Dadurch soll verhindert werden, dass abstruse Themen abgefragt werden. Auch die Zuständigkeit des IMPP für den ersten Abschnitt und dessen Prüfungsform (Multiple-Choice) wird festgelegt. Fürst merkt an, dass durch den Gegenstandskatalog des IMPP die Inhalte der Lehre stark eingeschränkt werden. Außerdem führe die Nutzung von Multiple-Choice-Fragen zwar zu mehr Transparenz und Vergleichbarkeit, sollte aber didaktisch durchaus hinterfragt werden.

Man könne über vieles diskutieren, vor allem sei das Studium stark verdichtet, so Fürsts Fazit. Rechnet man alle Semesterwochenstunden zusammen, kommt man auf eine Gesamtzahl von 233, was auf acht Semester aufgeteilt 29 Stunden pro Woche entspricht. Eine so hohe Dichte an Stunden finde sich in keinem anderen naturwissenschaftlichen Studium. Auch dass es keine wissenschaftliche Abschlussarbeit gibt, kritisiert Fürst. Auf keinen Fall aber stehe die AAppO einem modernen Studium im Weg.

Freiraum für vernetztes Denken und Lernen

An der Universität Frankfurt werden viele Möglichkeiten der AAppO bereits genutzt, u. a. wurde die Studienordnung an aktuelle Erfordernisse angepasst. Schon lange sei die Lehre in Frankfurt sehr erfolgreich, wie Fürst an den Ergebnissen der CHE-Rankings verdeutlicht, bei denen die Frankfurter Pharmazie regelmäßig in der Spitzengruppe ist. Um der besonderen Prüfungsform des ersten Staatsexamens gerecht zu werden, bietet die Universität Frankfurt schon seit Jahren Sommer- und Winterschulen an, in denen die Studierenden auf das Staatsexamen vorbereitet werden. Darüber hinaus wird den Studierenden schon im Grundstudium die Möglichkeit gegeben, an Fortbildungsveranstaltungen teilzunehmen. All dies sei mit Drittmittel finanziert, so Fürst.

Den Erfolg dieser Maßnahmen könne man anhand der Ergebisse des ersten Staatsexamens sehen, bei dem die Universität Frankfurt meist besser als der bundesweite Durchschnitt abschneidet.

Um die Studienordnung zu aktualisieren, erarbeiteten die Hochschullehrer zusammen mit Vertretern der Fachschaft und der einzelnen Semester verschiedene Ideen. Dazu bewerteten die Studierenden die einzelnen Lehrveranstaltungen in einem Ampelschema. Im Verlauf dieses Prozesses entstand die Idee, das achte Semester zu entlasten, um mehr Freiraum für vernetztes Denken und Lernen zu schaffen. Deshalb wurde das chemische Praktikum im achten Semester gestrichen. Zukünftig gibt es im Hauptstudium ein Praktikum zur Analytik von Arzneistoffen und Arzneimitteln, das komplett im fünften Semester stattfindet und somit das letzte chemische Praktikum vor dem zweiten Staats­examen ist. Im nun praktikumsfreien achten Semester findet das Fertigarzneimittelseminar statt, wo Studierende ein umfangreiches Skript mit dazugehörigem Vortrag erarbeiten. Neu im Abschlusssemester ist ein interdisziplinäres Seminar, an dem alle Hochschuldozenten teilnehmen und so Inhalte zur Arzneistoffentwicklung vernetzen. Auch das Seminar „Biogene Arzneimittel“ findet im achten Semester statt. In diesem Seminar üben die Studierenden auch die Literaturrecherche und den Umgang mit englischsprachiger Literatur.

Quo vadis, Studium?

Das Pharmaziestudium und die Lehrinhalte sind spätestens seit der Verabschiedung des „Perspektivpapiers 2030“ Gegenstand heftiger Diskussionen. Aktuelle Beiträge und Meinungen zum Thema Studium und Ausbildung finden Sie auf DAZ.online im Themen-Spezial „Pharmaziestudium entrümpeln“

Moderne Inhalte sind bereits integriert

Auch im Grundstudium fordert Fürst Reformen, indem Veranstaltungen gestrafft und Freiheiten genutzt werden. Durch sinnvolle Kürzungen könnten die Studierenden entlastet werden! Als Beispiel nennt Fürst die Arzneipflanzenbestimmung. Eine Exkursion findet in Frankfurt nicht mehr statt, stattdessen wird eine exemplarische Bestimmungsübung durchgeführt. Das Herbarium, das die Studierenden anschließend erstellen sollen, besteht lediglich aus 20 Pflanzen, also wesentlich weniger als in der Vergangenheit üblich gewesen ist. Die häufig geäußerte Kritik, dem Studium mangele es an aktuellen Themen, wehrte Fürst ab und entgegnete, dass oft geforderte Inhalte wie rekombinante Proteine erstens nicht mehr sonderlich modern seien und zweitens längst ins Studium integriert wurden. Auch Immunologie, Gentechnik und molekularbiologische Techniken werden gelehrt, letztere sogar praktisch. Die Methoden der Biotechnologie werden auf Anregung der Studierenden in Frankfurt auf Englisch gelehrt. In der Klinischen Pharmazie ist das Ziel in Frankfurt die optimierte Arzneimitteltherapie am, aber auch durch den Patienten. Die Inhalte werden nicht nur von den Hochschullehrern, sondern auch von Experten aus der Praxis vermittelt, also Ärzten und Apothekern aus der öffentlichen Apotheke, dem Krankenhaus und der Industrie. Fürst appelliert an die Pharmazeutischen Institute, sich jeweils eigene Profile zu erarbeiten. „Wenn ein Standort die Botanik hochhalten will, dann soll er das tun.“ Dadurch könne sich ein Wettbewerb um die Studierenden herausbilden. Zurzeit sei das Studium zwischen den einzelnen Standorten viel zu homogen. |

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