Die Seite 3

Apotheke 2030

Peter Ditzel, Herausgeber der DAZ

Im September 2014 verabschiedete der Deutsche Apothekertag das Perspektivpapier 2030, ein strategisches Papier, das sich damit befasst, wie die Rolle und das Leistungsspektrum der öffentlichen Apotheke als Säule des Gesundheitssystems weiterentwickelt werden sollen. Das Papier beschreibt die Leistungen und Angebote, die wir als Apothekerinnen und Apotheker der Gesellschaft zur Verfügung stellen wollen. Um die wichtigsten Punkte kurz in Erinnerung zu rufen: Kern­element der Tätigkeit in der Apotheke ist der Auf- und Ausbau einer partnerschaftlichen Beziehung zum Patienten („Näher am Patienten“). Weitere Punkte sind das Engagement für ein heil­berufliches Netzwerk, die Beratung und Arzneimitteltherapiesicherheit, die Medikationsanalyse und das Medikationsmanagement, die Pharmakovigilanz, individuell hergestellte Arzneimittel, die Rolle der Apotheke bei der Prävention und die Verantwortung für die flächendeckende Arzneimittelversorgung.

Jetzt, drei Jahre später, darf man, nein, muss man fragen, ob wir auf dem richtigen Weg sind, unsere selbst formulierten und gesteckten Ziele zu erreichen. Betrachten wir die Äußerungen und Aktivitäten unserer Berufsvertretung, von Kammern und Verbänden, dann gibt es bisher keine Zweifel daran, dass die Richtung stimmt. Wir positionieren uns z. B. öffentlich näher am Patienten – die ABDA-Kampagne mit Plakaten und seit Kurzem auch mit Videospots zielt darauf ab, die partnerschaftliche Beziehung zum Patienten hervorzuheben. Was die Vernetzung mit den Ärzten betrifft sowie die Medikationsanalyse und das Medikationsmanagement, so sind wir auf dem Weg, auch wenn es mitunter noch mächtig knirscht und eher im Schneckentempo vorangeht – was auch daran liegen dürfte, dass Krankenkassen keine Notwendigkeit sehen, Honorierungsangebote zu machen. Was wir beobachten müssen, ist die flächendeckende Versorgung. Noch ist sie gesichert, aber angesichts ständig fallender Apothekenzahlen werden wir Instrumente entwickeln müssen, sie auch in Zukunft zu garantieren.

Also, unterm Strich geht unsere Strategie in die Richtung, wie sie das Perspektivpapier vorgezeichnet hat. Nur beim Punkt der Wirtschaftlichkeit klemmt es gewaltig. So fordert das Papier eine „leistungsgerechte, dynamisierte und faire Honorierung über eine einheitliche, staatliche Vergütungsordnung“. Mit dem EuGH-Urteil hat sich über Nacht ein Szenario ergeben, das mit unserem Papier kaum zur Deckung gebracht werden kann. Alle politischen Lager beteuern zwar, wie wichtig die Apotheke ist und dass man in Zukunft die Kompetenzen des Apothekers noch stärker nutzen müsse. Aber gleichzeitig kommen irritierende Äußerungen aus der Politik, vor allem von SPD und den Grünen: Sie wollen den Rx-Versand und nehmen den Preiswettbewerb bei Rx-Arzneimitteln in Kauf. Dabei wollen sie nicht ein­sehen, dass selbst gedeckelte Boni von einem oder zwei Euro den meisten Apotheken wirtschaftlich zusetzen würden. Und von der FDP kommen sogar systemverändernde Forderungen nach Mehrbesitz bei Apotheken. Wie kann man den Politikern deutlich machen, dass beides nicht geht? Sie bzw. die Gesellschaft müssen sich entscheiden, was ihnen lieber ist: Eine Apotheke à la Perspektivpapier 2030 mit flächendeckender Versorgung, Patientennähe, Medikationsanalyse und allen unseren Leistungen und Angeboten oder eine Apotheke, die man in einen gnadenlosen Wettbewerb schicken will, sogar in Richtung Ketten, und deren Ziel es nur sein soll, Arznei­mittel möglichst billig zu verkaufen.

Peter Ditzel


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