Adexa-Info

Wunscharbeitszeit 28 Stunden

Viele Mütter würden gern aufstocken

26% aller erwerbstätigen Frauen würden gern ihre Arbeitszeit deutlich aufstocken. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler des Instituts für Arbeits- und Berufsforschung (IAB). Gerade junge, gut ausgebildete Arbeitnehmerinnen wünschen sich außerdem, nach der Elternzeit wieder rasch in den Job zurückzukehren.

In Deutschland sind Erwerbstätigkeit und Erziehungszeiten von Kindern immer noch ungleich zwischen den Geschlechtern verteilt. Familienpolitiker versuchen, mit unterschiedlichen Maßnahmen die Erwerbstätigkeit von Frauen zu erhöhen. Torsten Lietzmann und Claudia Wenzig vom IAB haben jetzt den Realitätscheck gemacht: Wie sieht es tatsächlich bei Müttern und Vätern aus – und welche Wünsche haben sie?

Für ihre Analysen verwendeten sie das Panel „Arbeitsmarkt und soziale Sicherung“ (PASS). Im Rahmen des Panels werden pro Jahr rund 15.000 Personen in 10.000 Haushalten befragt. PASS bildet alle in Deutschland lebenden Menschen repräsentativ ab. Im Unterschied zu Männern schwankt die Erwerbstätigkeit von Frauen stark je nach Familienkonstellation. Während Mütter mit Kindern unter drei Jahren die Stundenzahl stark verringern, arbeiten Väter häufig in Vollzeit weiter, von einzelnen Monaten der Elternzeit abgesehen. Lietzmann und Wenzig fanden heraus, dass sich die Erwartungen beider Geschlechter generell unterscheiden. Frauen zwischen 18 und 60 Jahren würden im Schnitt gern 28 Stunden pro Woche arbeiten, bei Männern sind es 35 Stunden. Alleinerziehende Mütter mit jüngeren Kindern präferieren 30 Stunden, Frauen in einer Partnerschaft 25 Stunden pro Woche. Die Vorstellung von Männern ist von der Haushaltskonstellation weitgehend unabhängig. Gemessen am tatsächlichen Arbeitsvolumen bedeutet das: Rund 26% aller Frauen würden ihre Arbeitszeit gerne um vier oder mehr Stunden pro Woche erhöhen. Diesen Wunsch haben 36% aller erwerbstätigen Mütter im Paarhaushalt und 44% aller alleinerziehenden Mütter.

Externe Betreuung: Wann ist der richtige Zeitpunkt?

Mit diesen Zahlen eng verbunden ist die Frage, ab welchem Alter Kinder extern betreut werden sollten. Frauen gaben an, im Idealfall 38 Monate nach der Geburt ihres Kindes wieder in Teilzeit zu arbeiten. Eine Vollzeitstelle strebten die befragten Mütter nach sieben Jahren an. Vor allem Frauen mit höherem Bildungsniveau und jüngeren Kindern können sich vorstellen, früher einzusteigen. Das trifft ebenfalls häufiger auf Mütter aus Ostdeutschland zu. |

Quelle

Torsten Lietzmann, Claudia Wenzig. Welche Vorstellungen über die Vereinbarkeit von Beruf und Familie bestehen, IAB-Kurzbericht 10/2017, Online: http://bit.ly/2pI0PhP

Michael van den Heuvel

Das könnte Sie auch interessieren

Corona vergrößert die Lücke bei den Arbeitszeiten

„Rückschlag für die Gleichstellung“

Traditionelle Erwerbskonstellationen herrschen vor

Eltern: Gleichberechtigung bleibt meist Wunschtraum

Ein Kommentar von Barbara Neusetzer

Ein Schritt zu mehr Balance in der Familienarbeit

Ganztagsschulen sorgen für mehr Gerechtigkeit

Großer Geldbeutel, großer Erfolg in der Schule

Die "stille Reserve" aktivieren

Berufliche Perspektiven nach der Babypause

Warum das immer noch schwierig ist und was sich ändern muss

Kinder und Karriere

Das neue Familiengeld in der Diskussion

Zusätzliche Förderung für Familien

0 Kommentare

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.