Prisma

Immunsuppressiva statt Insulin

Langerhans-Inseln direkt unter dem Bauchfell angesiedelt

dm | Durch eine Inselzelltransplantation können ein schlecht einstellbarer Typ-1-Diabetes stabilisiert und schwere Hypoglykämien ­beseitigt werden. Bislang ist die ­Leber das Organ der Wahl für eine Transplantation insulinbildender Zellen. Das Omentum majus (großes Netz) ist weniger bekannt. In einer laufenden Studie wird untersucht, ob es der Leber als Zielorgan ­überlegen sein könnte.
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Das Omentum majus (nicht eingezeichnet) hängt als frei bewegliche mesenteriale Gewebeschürze in der Peritonealhöhle. Es beginnt unterm Magen und bedeckt die Gedärme.

Obwohl die meisten Erfahrungen mit der Leber als Zielorgan gesammelt wurden, ist sie nicht in jeder Hinsicht geeignet. Immunologische, anatomische und physiologische Faktoren ­führen zu einem frühen Verlust des Transplantats. Im Tiermodell wurden schon zahlreiche Alternativen untersucht. Das Anwachsen des Transplantats, die Übertragbarkeit in die klinische Praxis und letztlich das Funktionieren der Inselzellen nach Transplantation müssen dabei gegeneinander abgewogen werden. Das Omentum ­befindet sich im Bauchraum und ist leicht zugänglich. Es besitzt eine dicht vaskularisierte Oberfläche und ist mit dem Pfortadersystem verbunden. Die Forscher hoffen, dass die Inselzellen sich dort ansiedeln, die Insulinproduktion aufnehmen und dann auch lange beibehalten. Im New England Journal of Medicine wurde ein erster Erfolg vorgestellt: Eine 43-jährige Patientin litt seit 25 Jahren an einem komplizierten Typ-1-Diabetes. Bei ihr traten ohne Vorwarnung schwere Hypoglykämien auf. In der laufenden Studie wurden 602.395 Inselzell-Äquivalente eines verstorbenen ­Spenders (gemischt mit Blutplasma der Empfängerin) schichtweise auf das Omentum der Patientin aufgebracht. Darüber legten die Chirurgen zwei bioabbaubare Schichten – eine aus 20 ml Thrombin und eine autologen Plasmas. Das Insulin wurde 17 Tage nach Transplantation abgesetzt. ­Mittlerweile kommt die Patientin seit mehr als zwölf Monaten ohne Insulin-Injektionen aus. Jedoch braucht sie weiterhin eine immunsuppressive ­Erhaltungstherapie gegen die Transplantatabstoßung. Zunächst erhielt sie Mycophenolat und Tacrolimus. Acht Monate nach der Transplantation trat als Nebenwirkung Haarausfall auf. Von Tacrolimus wurde auf Sirolimus umgestellt. Ob und wie lange die Patientin insulinunabhängig bleiben kann und ob die Therapie sicher ist, werden die kommenden Ergebnisse zeigen. |

Quelle

Baidal DA et al. Correspondence: Bioengineering of an Intraabdominal Endocrine Pancreas. N Engl J Med 2017;376:1887-1889

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