Arzneimittel und Therapie

Glucocorticoide schon früher inhalieren

Nutzen von Budesonid auch bei gut kontrolliertem Asthma bestätigt

Bisher war Gabe von inhalativen Glucocorticoiden erst bei Patienten mit persistierendem Asthma bronchiale indiziert. Neue Erkenntnissen deuten jedoch darauf hin, dass ein frühzeitiger Einsatz die Symptomatik verbessern kann. Die Nationale Versorgungsleitlinie Asthma wird derzeit aktualisiert.

Der Nutzen einer Therapie mit inhalativen Glucocorticoiden (ICS) ist in klinischen Studien überzeugend bewiesen. Ihr Einsatz als Langzeittherapeutika (Controller), die die asthmatische Entzündungsreaktion supprimieren, bewirkt eine Verbesserung der Asthma-Symptomatik und der Lungenfunktionswerte, eine Verringerung des Verbrauchs an Beta-2-Sympathomimetika und eine Verminderung und Prävention von Exazerbationen sowie der Asthma-bedingten Letalität.

Die Nationale Versorgungsleitlinie (NVL) Asthma, deren Empfehlungen derzeit geprüft und aktualisiert werden, empfiehlt den Einsatz von ICS bisher ab einem Schweregrad der Stufe 2 (geringgradig persistierend), wobei aufgrund des Nebenwirkungs­risikos stets mit der niedrigsten noch wirksamen Dosierung begonnen werden sollte. Dabei spielt auch der Grad der Asthmakontrolle eine wichtige Rolle in der Entscheidung für ein ICS als Controller, da diese ab einer Symptomhäufigkeit von mehr als zweimal wöchentlich empfohlen werden.

Verbesserte Verlaufskontrolle

Parallel zum Aktualisierungsprozess der Leitlinie wurden nun die Ergebnisse einer Post-hoc-Analyse der START(Steroid Treatment as Regular Therapy)-Studie veröffentlicht. Hierbei wurden 7138 Asthma-Patienten ohne vorherige ICS-Therapie randomisiert mit Budesonid (400 µg) oder Placebo behandelt. Die Gabe eines ICS resultierte hierbei in einer Verlängerung der Zeit, bis ein schweres Asthma-bedingtes Ereignis auftrat, sowie in einer verringerten Anzahl an schweren Exazerbationen, also insgesamt in einer verbesserten Verlaufskontrolle gegenüber Placebo. Diese Effekte zeigten sich dabei in allen Patientenpopulationen, die für die Analyse bezüglich des Auftretens der Asthmasymptomatik eingeteilt wurden: 0 bis 1 Symptome wöchentlich (31% der Patienten), 1 bis 2 Symptome (27%) sowie mehr als 2 Symptome pro Woche (43%).

Die Autoren der Studie sehen daher keinen Grund für die Restriktion der ICS-Therapie für Patienten mit nur teilweise kontrolliertem Asthma bronchiale (> 2 Symptome wöchentlich). Kritiker hingegen merken an, dass diese Erkenntnisse bisher in keiner weiteren prospektiven klinischen Studie bestätigt wurden und die Resultate einer Post-hoc-Analyse mit Vorsicht zu betrachten sind. Experten gehen dennoch davon aus, dass die Empfehlung, eine niedrig dosierte Dauertherapie mit einem inhalativen Glucocorticoid (ICS) bereits bei leichtem Asthma zu beginnen, in die neue NVL aufgenommen wird. Deren Veröffentlichung war ursprünglich für Ende 2016 geplant, ist aber mittlerweile auf 2018 verschoben worden. |

Zum Weiterlesen

Wie sich die Asthma-Therapie verändert.
DAZ 2016, Nr. 32, S. 36

Quelle

Reddel HK, et al. Should recommendations about starting inhaled corticosteroid treatment for mild asthma be based on symptom frequency: a post-hoc efficacy analysis of the START study. Lancet 2016, published online 29. November; doi: 10.1016/S0140-6736(16)31399-X

Apotheker Dr. André Said

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