Prisma

Doppeltes Leid – halb so schlimm

Brustkrebspatientinnen profitieren von krebskrankem Ehemann

cae | Frauen mit Brustkrebs haben eine höhere Überlebenschance, wenn sie mit einem Partner zusammenleben, der ebenfalls an Krebs erkrankt ist. Dies ergab die retro­spektive Auswertung einer israelischen Kohortenstudie.
Foto: aletia2011 – Fotolia.com
Die Fürsorge für den kranken Partner lässt eine krebskranke Frau länger leben.

Die Autoren werteten die Daten einer prospektiven, für die Gesamtbevölkerung repräsentativen Kohortenstudie aus, die von 1995 bis 2011 in Israel durchgeführt worden war. In der Kohorte waren 14.429 Frauen an Brustkrebs erkrankt, von denen 3400 bis zum Ende der Studie starben (eine Nachbeobachtung gab es nicht). Die Autoren unterteilten die krebskranken Frauen in vier Gruppen. Die Kriterien waren, ob ihr Partner vor der Krebs­diagnose noch lebte (oder nicht) und ob ihr Partner damals ebenfalls an Krebs erkrankt war (oder nicht). Die Ergebnisse wurden bezüglich Alter und Ethnizität der Patientinnen sowie dem Brustkrebsstadium zum Zeitpunkt der Diagnose adjustiert.

Statistisch auffällig war nur die Gruppe der Patientinnen, deren Partner ebenfalls an Krebs erkrankt war und zum Zeitpunkt ihrer eigenen Krebs­diagnose noch lebte. Innerhalb dieser Gruppe hatten die Frauen, die während der Diagnose bereits das Krebsstadium II oder III aufwiesen, die vergleichsweise höchste Überlebensrate. Ihre Sterblichkeit war um 24 Prozent geringer als bei ihren Leidensgenossinnen in den drei anderen Gruppen; das 95%-Konfidenzintervall reichte von zwei bis 41 Prozent, d. h. dass die höhere Lebensrate nur bei 2,5% der Frauen geringfügig (< 2%) war oder fehlte.

Die Autoren schließen daraus, dass die Fürsorge für den kranken Partner die krebskranken Frauen länger leben lässt. Schon in früheren Studien war aufgefallen, dass verheiratete krebskranke Frauen einen Überlebensvorteil gegenüber allein lebenden Frauen haben; dies wurde stets darauf zurückgeführt, dass die Zuwendung und Betreuung der Männer die Widerstandskraft der Frauen stärkt. Da in der aktuellen Studie dieser Effekt in der Gruppe der Frauen mit gesundem Partner nicht auftrat, schließen die Autoren, dass die Fürsorge der Frau für ihren kranken Partner das entscheidende Moment ist. Das Bewusstsein, dass sie noch gebraucht wird, gibt der Frau anscheinend Lebens­willen und Lebenskraft. |

Quelle

Rottenberg Y, et al. Double-Edged Sword: Women with Breast Cancer Caring for a Spouse with Cancer. J Women‘s Health (Larchmont) 2016;25(12):1270-1275

Das könnte Sie auch interessieren

Junge Brustkrebs-Patientinnen profitieren von einer temporären Ovarialsuppression

Schwanger werden trotz Chemotherapie

Hormonelle Kontrazeptiva und das Risiko für Hirntumore

Mehr oder weniger Gliome? 

Osteoporose- und Frakturrisiko durch endokrine Therapien

Auch noch an die Knochen denken

PARP-Inhibitor verlängert progressionsfreies Überleben bei BRCA-Mutation

Erfolge mit Olaparib auch bei Brustkrebs

Ein neues ärztlich geführtes Online-Angebot punktet mit Kompetenz und Empathie

Pink! für Frauen mit Brustkrebs

0 Kommentare

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.