Arzneimittel und Therapie

Betablocker senken die Mortalität - auch bei COPD

Ein Gastkommentar von Timm Bauer und Christian Hamm, Gießen

Prof. Dr. Timm Bauer

Bei der medikamentösen Behandlung von herz- und lungenkranken Patienten besteht bei vielen ärztlichen Kollegen eine große Verunsicherung.

Das betrifft insbesondere Patienten, die gleichzeitig eine Herzinsuffizienz (eingeschränkte Pumpfunktion, Ejektionsfraktion ≤ 40%) und eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) aufweisen. Betablocker gehören zur Standardtherapie der Herzinsuffizienz, da sie lebensverlängernd wirken. Gleichzeitig können sie aber auch Bronchospasmen auslösen.

Prof. Dr. Christian Hamm

Die kürzlich erschienenen Europäischen Leitlinien zur Diagnostik und Behandlung der Herzinsuffizienz gehen detailliert auf diese Problematik ein. Zunächst einmal weisen die Autoren darauf hin, dass die COPD bei vielen Herzpatienten überdiagnostiziert wird und die Dyspnoe-Symptomatik einzig und allein auf die Herzinsuffizienz zurückzuführen ist. Sollte der Patient aber tatsächlich unter einer COPD leiden, stellt dies keine Kontraindikation für den Betablocker dar. Oder andersherum formuliert: Patienten mit einer Ejektionsfraktion ≤ 40% und gleichzeitiger COPD darf eine Betablocker-Therapie nicht vorenthalten werden, da diese zum einen die Mortalität reduziert und zum anderen Hospitalisierungen verhindert. Der Nutzen einer solchen Therapie ist bei Patienten mit linksventrikulärer Dysfunktion sehr viel höher einzustufen als die Gefahren einer möglichen Verschlechterung der Lungenfunktion. Ein Asthma bronchiale stellt hingegen eine relative Kontraindikation für eine Betablocker-Behandlung dar. Aber auch hier kann eine Therapie mit Betablockern aufgrund des mortalitätsreduzierenden Effekts bei linksventrikulärer Dysfunktion erwogen werden. Voraussetzungen sind aber ein Therapiebeginn mit einer niedrigen Dosierung und eine engmaschige ärztliche Betreuung.

Grundsätzlich sollten bei Patienten mit obstruktiven Atemwegserkrankungen nur kardioselektive Betablocker angewendet werden. Darüber hinaus existieren Bedenken, inhalative Beta-2-Sympathomimetika bei herzkranken COPD-Patienten einzusetzen. In hohen Dosierungen kann es zu einer gleichzeitigen Erregung der Beta-1-Rezeptoren mit potenziell ungünstiger Wirkung am Herzen, ins­besondere Herzrhythmusstörungen, kommen. Die derzeitige Datenlage legt aber den Schluss nahe, dass sowohl die kurz- als auch die langwirksamen inhalativen Beta-2-Sympathomime­tika bei Patienten mit stabiler Herzerkrankung als sicher einzustufen sind. Lediglich bei Patienten mit akutem Koronarsyndrom, dekompensierter Herzinsuffizienz sowie tachykarden Herzrhythmusstörungen sollten inhalative Beta-2-Sympathomimetika nach Möglichkeit passager pausiert und die Indikation überprüft werden.

Literatur

Ponikowski P, et al. 2016 ESC Guidelines for the diagnosis and treatment of acute and chronic heart failure. Eur Heart J 2016;37(27):2129-2200

Prof. Dr. Timm Bauer, Prof. Dr. Christian Hamm, Medizinische Klinik I, Universitätsklinikum Gießen

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