Arzneimittel und Therapie

Sepsis, Thromboembolien, Frakturen...

Auch kurzfristige Corticoid-Einnahme ist nicht frei von Nebenwirkungen

Die unerwünschten Wirkungen einer längerfristigen Behandlung mit oralen Corticoiden sind bekannt und werden bei entsprechenden Verordnungen berücksichtigt. Weniger präsent ist hingegen das Wissen über mögliche Begleiterscheinungen einer kurzfristigen Therapie.

Dies ist insofern bedenklich, da im ambulanten Bereich kurzzeitige Verordnungen von Corticoiden bei vielerlei Krankheitsbildern zum ärztlichen Alltag gehören. Um das Ausmaß schwerer unerwünschter Wirkungen unter einer kurzfristigen Corticoid-Einnahme quantifizieren zu können, führte eine US-amerikanische Arbeitsgruppe eine populationsbezogene Kohortenstudie durch. Dazu griff sie auf die Angaben einer privaten Versicherung zurück und wertete die Daten von rund 1,5 Millionen Erwachsenen im Alter zwischen 18 und 64 Jahren aus. Für einen Zeitraum von drei Jahren wurde die Häufigkeit einer kurzfristigen (weniger als 30 Tage dauernden) Corticoid-Einnahme im ambulanten Bereich festgehalten. Anschließend wurden die Inzidenzen schwerer unerwünschter Wirkungen wie Sepsis, venöse Thromboembolien und Frakturen ermittelt und mit dem Auftreten bei Non-Corticoid-Usern verglichen.

Rund jeder fünfte Versicherte (21,1%) hatte im Zeitraum von drei Jahren kurzfristig ein orales Corticoid erhalten. Die häufigsten Indikationen waren Infektionen des oberen Respirationstrakts, Allergien und Rückenschmerzen. Im Median wurden 20 mg Prednison-Äquivalent pro Tag verordnet. Die meisten Verschreibungen betrafen eine sechstägige Methylprednisolon-Therapie. Im Vergleich mit Versicherten, die kein Corticoid eingenommen hatten, traten bei Patienten unter einer kurzfristigen Corticoid-Einnahme erhöhte Sepsisraten (IRR [Inzidenzratenverhältnis] 5,3; 95% Konfidenzintervall 3,8 – 7,41), mehr venöse Thromboembolien (IRR 3,33; 95% Konfidenzintervall 2,78 – 3,99) und mehr Frakturen (IRR 1,87; 95% Konfidenzintervall 1,69 – 2,07) auf). Auch bei der Einnahme von weniger als 20 mg Prednison-Äquivalent war das Risiko unerwünschter Wirkungen erhöht (IRR 4,02 für Sepsis; 3,61 für venöse Thromboembolie; 1,83 für Frakturen).

Fazit für die Praxis

Die Tatsache, dass selbst die kurzzei­tige und niedrig dosierte Einnahme von Corticoiden schwere Folgen nach sich ziehen kann, sollte stärker im Bewusstsein der verordnenden Ärzte verankert werden. Gibt es sinnvolle Alternativen zu einer Corticoid-Gabe, sollten diese auch ergriffen werden. Steroide wirken zwar schnell, sind aber nicht so risikoarm, wie oftmals vermutet, so die Mahnung der Autoren. |

Quelle

Waljee A et al. Short term use of oral corticosteroids and related harms among adults in the United States: population based cohort study. BMJ 2017;357:j1415 .

http://ihpi.umich.edu/news/common-drugs-uncommon-risks-higher-rate-serious-problems-seen-adults-who-take-short-term-steroids

Apothekerin Dr. Petra Jungmayr

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