Gesundheitspolitik

DocMorris im Clinch mit Noweda

Versender mahnt Großhändler wegen Plakat ab / Apotheker sollen belastendes Material sammeln

BERLIN (bro) | Unter dem Namen „Sofort vor Ort“ betreibt die Noweda derzeit eine PR-Kampagne, die auf die Vorteile der Vor-Ort-Apotheken gegenüber Versendern hinweist. Ein Plakat mit dem Vorwurf, dass Versandapotheken keine Rezepturen herstellten, veranlasste DocMorris, die Noweda abzumahnen.

Auf der Internetseite der Kampagne (die-apotheke-hilft.de) informiert die Noweda über das EuGH-Urteil und seine Auswirkungen auf den Apothekenmarkt. Auf der Seite sind auch mehrere Poster-Motive zu sehen, die der Großhändler seinen Kunden zur Verfügung stellte. Thematisiert werden u. a. die Hilfe bei 40° Fieber in der Nacht, die Belebung der Innenstadt, die Schaffung von Arbeitsplätzen in der Region, die Zahlung von Steuern in den Gemeinden sowie die persönliche Beratung.

Das von DocMorris abgemahnte Poster wurde inzwischen von der Internetseite entfernt. Nach Informationen von DAZ.online soll darauf der Vorwurf erhoben worden sein, dass EU-Versandapotheken keine Rezepturen herstellten. Obwohl DocMorris nicht direkt genannt wird auf dem Plakat, stören sich die Niederländer an der Aussage darauf: Sie haben die Noweda nun abgemahnt und ihr dem Vernehmen nach auch eine Unterlassungsaufforderung geschickt.

Foto: DAZ.online
Ein ähnliches Plakat verweist darauf, dass Versandapotheken keine Rezepturen herstellen. DocMorris fühlt sich, obwohl nicht genannt, davon angesprochen ...

Unterlassungsaufforderung wird nicht unterschrieben

Auf Nachfrage von DAZ.online wollte sich DocMorris nicht zum Vorgang äußern. Eine Noweda-Sprecherin erklärte, dass man eine Unterlassungsaufforderung erhalten habe. Es sei aber nicht beabsichtigt, diese zu unterschreiben.

Die Noweda hat indes ihre Mitglieder darüber informiert. In einem Brief an die Apotheker heißt es: „DocMorris fühlt sich durch dieses Plakatmotiv ungerecht behandelt, obwohl sogar die Branchenpresse bereits über Rezepturablehnungen durch DocMorris berichtet hat.“ Das Großhandelsunternehmen hat inzwischen auch eine Pressemitteilung herausgegeben, in der ­Noweda-Chef Michael P. Kuck wie folgt zitiert wird: „Die Aktion hat offensichtlich ins Schwarze getroffen. Wir scheuen die gerichtliche Auseinandersetzung mit DocMorris nicht. Ein fairer Wettbewerb mit den Vor-Ort-Apotheken setzt gleichwertige Leistungen ­voraus. Das ist aus unserer Sicht nicht gegeben.“

Die Noweda lässt in der Sache nicht locker und bittet ihre Mitglieder und Kunden jetzt, belastendes Material gegen DocMorris einzusammeln. In dem Brief an die Apotheker heißt es: „Falls Ihnen ebenfalls konkrete Fälle bekannt sind, in denen individuelle Rezepturaufträge von DocMorris abgelehnt wurden, können Sie uns gerne unterstützen. Bitte wenden Sie sich an Ihren Gebietsleiter oder schreiben Sie uns unter der oben genannten Mail-Adresse.“ Die Genossenschaft weist aber gleichzeitig darauf hin, dass man im weiteren Verlauf der rechtlichen Auseinandersetzung darum bitten müsse, die betroffenen Plakate nicht mehr zu verwenden. |

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