Gesundheitspolitik

Steine statt Brot?

Gutachten rät zur Reform des Morbi-RSA

TRAUNSTEIN (cha) | Groß war die Aufregung, als TK-Chef Jens Baas vor einem Jahr in einem Interview darauf hinwies, dass die Kassen Prämien zahlten, ­damit Ärzte ihre Patienten auf dem Papier kränker machten. Damit kam der Morbi-RSA, der zu diesen Verwerfungen führte, in die öffentliche Diskussion. Nun liegt ein Gutachten mit Reformvorschlägen vor.

Ziel des morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleichs (Morbi-RSA) ist es, gesetzliche Krankenkassen zu entlasten, die hohe Ausgaben für Versicherte mit einer kostenintensiven Krankheit haben. Für Versicherte, die an einer von 80 ausgewählten Krankheiten leiden, erhalten die Kassen höhere Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds.

Bereits seit Längerem stand der Morbi-RSA in der Kritik: Der Vorwurf lautete, dass AOK und Knappschaft dank der Umverteilung immer reicher und die Ersatzkassen, die Betriebskrankenkassen und die Innungskrankenkassen immer ärmer würden. Als TK-Chef Jens Baas dann gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung äußerte, dass die Kassen von 2014 bis 2016 1 Milliarde Euro für die Manipulation des Morbi-RSA ausgegeben hätten, kam Bewegung in die Diskussion.

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe gab beim wissenschaftlichen Beirat des Bundesversicherungsamts ein Sondergutachten in Auftrag, dessen Kurzfassung nun vorliegt. Das Gutachten bestätigt die Vorwürfe, dass einzelne Kassen durch den Morbi-RSA begünstigt und andere benachteiligt wurden. Allerdings wollen die Gutachter nicht auf die Arztdiagnosen verzichten, vielmehr soll die bisherige Auswahl von 80 Krankheiten auf alle Krankheiten erweitert werden.

Während die Vorschläge von der AOK begrüßt werden, üben die benachteiligten Kassen heftige Kritik. So äußerte Jens Baas: „Ein Vollmodell würde den vorhandenen Kodieranreiz weiter stärken und die Manipulationsanfälligkeit des Morbi-RSA-Systems weiter erhöhen.“ Der Vorschlag widerspreche „eklatant politischen Zielsetzungen“, denn Union, FDP und Grüne hätten angekündigt, faire Wettbewerbs­bedingungen zu schaffen und den Morbi-RSA weniger manipulationsanfällig zu machen. Auch Franz Knieps vom BKK Dachverband zeigte sich enttäuscht und beklagte: „Die Vorschläge des Beirats geben benachteiligten Kassen Steine statt Brot.“ |

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