Gesundheitspolitik

Zypries auf Apothekenbesuch

DARMSTADT (hfd) | Nachdem ihr Besuch bei DocMorris hohe Wellen schlug, war Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries nun in einer Darmstädter Apotheke zu Gast.

Der Besuch von Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) bei der niederländischen Versandapotheke DocMorris vor knapp zwei Monaten hat bei deutschen Apothekern für erhebliche Irritationen gesorgt: Warum informiert sich die Ministerin zum Thema Digitalisierung nur bei einem ausländischen Unternehmen – und nicht bei einer deutschen Vor-Ort-Apotheke? Frau Zypries hat es offenbar selbst überrascht, wie schlecht ihr Ausflug nach Heerlen bei Apothekern ankam. Hinterher versuchte sie zu beschwichtigen: „Die deutschen Apotheker können durchaus mit Selbstbewusstsein und Zuversicht in die Zukunft schauen und müssen DocMorris nicht als Schreckgespenst aufbauen“, sagte sie nach ihrem DocMorris-Besuch. Zugleich erklärte sie, dass sie auch gerne eine deutsche Apotheke besuchen werde, wenn sie hierzu eingeladen werde. Der hessische Apothekerverband schritt zur Tat – und lud die in Kürze aus dem Bundestag ausscheidende Ministerin in die Einhorn-Apotheke in ihrem bisherigen Wahlkreis Darmstadt ein. Diese betreibt in vierter Generation Günter Wickop mit 30 Beschäftigten. Rasch entwickelte sich ein angeregtes Gespräch zwischen der Ministerin und dem Apotheker: Der Pharmazeut befürchtet, dass Vor-Ort-Apotheken „den Konzernen zum Fraß vorgeworfen werden“, wie er der Ministerin sagte. Er überlegt derzeit, ob er seine Apotheke guten Gewissens seinem Sohn übergeben kann – und fragte Zypries, was sie ihm raten würde. „Klar“ solle er sie übergeben, antwortete diese. Sie hat keine Bedenken, auch angesichts der guten Lage in der Darmstädter Innenstadt. „Die Apotheker, die ich kenne und die in Ihrem Alter sind, die haben alle sehr gut verdient“, erklärte sie. Wickop erwiderte allerdings, dass dies in der nächsten Generation nur schwerlich noch der Fall sein werde. In Köln könnten sich beispielsweise nur wenige Apotheken noch die hohen Mieten in der Innenstadt leisten, hinzu ­bedrohten Versandhandel und Rx-Boni das Geschäft, nachdem im OTC-Bereich ohnehin ein großer Umsatz-Anteil weggebrochen ist.

Foto: DAZ.online/hfd
Apotheker Günter Wickop gibt Brigitte Zypries Einblick in die digitale Apothekenwelt in Deutschland.

Das Internet verändert alles

Zypries erklärte, dies sei ein allgemeiner Trend: „Es gibt eine technische Entwicklung, die heißt Internet“, sagte sie. Dies führe auch dazu, dass sich Berufsfelder ändern – nicht nur in Deutschland, sondern in der ganzen Welt. Ähnlich sei es im ganzen Handel, wie auch bei den Lebensmitteln, wo Amazon mit seinem Dienst „Amazon Fresh“ den Markt aufwirbeln möchte. „Sie tun so, als sei die Bundesregierung dafür verantwortlich“, so die SPD-Politikerin. Sie verwies auf die ­„Dialogplattform Einzelhandel“, mit der ihr Ministerium Handlungsempfehlungen erarbeitet hatte. Den Apothekerverbänden riet sie, gemeinsam im Versandbereich aktiv zu werden. „Die müssten jetzt doch mal sehen, dass sie eine Plattform organisieren für die deutschen Apotheker“, erklärte Zypries. Sie verwies darauf, dass die deutschen Buchhändler mit dem Lesegerät „Tolino“ dem „Kindle“ von Amazon etwas entgegengesetzt hätten: „Das sollte man auch so machen für Apotheken.“ Wickop zeigte sich nicht überzeugt: „In Österreich hat es das schon gegeben“, sagte er – doch ohne Erfolg.

Auf Kritik an ihrem Nein zum Rx-Versandverbot sagte Zypries erneut, dies sei nicht umsetzbar, da es für die Versandapotheken einem Berufsverbot gleichkäme. Zudem habe die SPD andere Vorschläge gemacht, doch darauf sei Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) aus Wahlkampf-taktischen Gründen nicht eingegangen – um die Stimmen der Apotheker für sich zu gewinnen, so Zypries’ Vorwurf.

Ferner zeigte Wickop auf, dass auch die deutschen Apotheken in Sachen Digitalisierung vorne mitspielen: Er zeigte Zypries seinen Kommissionier-Automaten und präsentierte eine neue App, mit der Kunden zukünftig Arzneimittel vorbestellen können. „Das ist ja toll zu sehen, mit welcher Begeisterung Sie die technischen Veränderungen begleiten“, sagte Zypries. Und bei einem weiteren Aspekt konnte Wickop punkten: Nachdem sich Zypries nach ihrem DocMorris-Besuch über die automatisierten Systeme zur Erkennung möglicher Wechselwirkungen positiv geäußert hatte, führte er ihr vor, dass sich deutsche Apotheken hier nicht verstecken müssen. „Das machen wir schon lange“, erklärte er. |

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