Gesundheitspolitik

Kommentar: Märchenstunde mit DocMorris

Christine Ahlheim

Es ist starker Tobak, was DocMorris in einer per E-Mail an Kandidaten für den nächsten Bundestag verschick­ten Broschüre verbreitet (s. S. 8). Schon dass sich ausgerechnet Doc­Morris-Cheflobbyist Max Müller im An­schrei­ben darüber beschwert, dass die Versandhandelsdebatte „nicht faktenbasiert, sondern interessengeleitet“ geführt werde, lässt einiges erwarten. Und der Leser wird nicht enttäuscht: Die Broschüre ist prall gefüllt mit den „alternativen Fakten“, die DocMorris & Co. seit Monaten gegen das Rx-Versandverbot ins Feld führen.

So heißt es, dass die Versorgung zahlreicher Menschen vor allem in ländlichen Regionen durch das Rx-Versandverbot gefährdet werde und die EU-Versender keine Gefahr für die Apotheke vor Ort seien. Kein Wort natürlich dazu, dass derzeit von Versorgungslücken keine Rede sein kann und dass der Rx-Versandanteil vor dem EuGH-Urteil vom 19. Oktober 2016 keinerlei Aussage auf die zukünf­tige Entwicklung zulässt. Originell ist auch, dass DocMorris laut Broschüre „jedes Jahr mehr als eine halbe Million Euro“ in den Nacht- und Notdienstfonds einzahlt – tunlichst verschwiegen wird aber, dass es sich dabei um die weitergeleiteten Gelder von Kassen und Selbstzahlern handelt.

Was Insider als schlechtes Märchen erkennen, könnte bei unbedarften Politikern jedoch auf offene Ohren treffen. Die Apotheker dürfen daher nicht müde werden, der Politik klarzumachen, was passiert, wenn den Versendern nicht alsbald Einhalt geboten wird. Dann näm­lich endet zukünftig für immer mehr Apotheken das DocMorris-Märchen mit dem Satz: „Und wenn sie nicht geschlossen hätte, dann gäbe es sie noch heute.“

Christine Ahlheim, stellvertretende Chefredakteurin der AZ

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