Wirtschaft

Anders als andere Banken

Apobank-Chef Ulrich Sommer: Dem Nachwuchs zeigen, dass auch die Apotheke vor Ort ein ordentliches Einkommen realisieren kann

cha | Vor 115 Jahren gründeten Apotheker in Danzig die Deutsche Apotheker- und Ärztebank (Apobank) als Selbsthilfeeinrichtung zur Vergabe günstiger Kredite. Warum der Genossenschaftsgedanke immer noch eine wichtige Rolle spielt und warum die öffentliche Apotheke auch für den Nachwuchs interessant ist, erklärte der neue Vorstandsvorsitzende Ulrich Sommer im Interview mit DAZ.online.

Ulrich Sommer gehört der Apobank mit einer kurzen Unterbrechung seit 1986 an, Anfang September hat er den Vorstandsvorsitz übernommen. Was macht aus seiner Sicht die Apobank für Apotheker attraktiv? Sommer nennt als erstes den Erfahrungsfundus von 115 Jahren mit Heilberuflern: „Durch diese Erfahrung können wir auch praktisch viel besser beurteilen, was Apotheker und Ärzte beachten müssen.“ Beispielsweise wisse die Apobank „sehr genau, wie sich die Einnahmen- und Ausgabenstrukturen für Apotheken in den einzelnen Bundesländern unterscheiden“. Dazu komme die lokale Marktkenntnis, „also beispielsweise die Frage, welche Umsatzstrukturen und -höhe in verschiedenen Regionen anzutreffen sind“.

Ulrich Sommer ist seit Anfang September Vorstandsvorsitzender der Apobank

Der Kontakt zu den jungen Apothekern wird schon während des Studiums geknüpft. Die Apobank unterhält Büros an vielen Pharmazie-Unis, lädt die angehenden Pharmazeuten zu Gesprächen ein und bietet ein Studentenpaket an, u. a. mit einer Giro-Karte zum weltweiten kostenfreien Bargeldabheben. „Wir wollen“, so Sommer, „den Apotheker durch mehrere Lebensphasen begleiten – vom Studium über die Existenzgründung bis hin zur erfolgreichen Leitung einer Apotheke.“

Als Genossenschaftsbank den Mitgliedern verpflichtet

Beim Thema Existenzgründung geht die Apobank als Standes- und Genossenschaftsbank, die ihren Mitgliedern verpflichtet ist, anders vor als die Mitbewerber: „Wir schauen uns in erster Linie den Cashflow an und fragen uns: Hat der Apotheker ein gutes Unter­nehmenskonzept, kann das eine erfolgreiche Apotheke werden?“ Deswegen, so Sommer, müsse er sich vor Verbands- oder Kammerchefs „auch häufiger dafür erklären, dass wir einen Antrag ab­gelehnt haben, obwohl es gute Sicherheiten gab“.

Angesprochen auf das wettbewerbsökonomische Gutachten von DAV und Noweda, bestätigt Sommer, dass auch er Apotheker kenne, „die im Jahr mit unter 50.000 Euro nach Hause gehen“ – und da sei noch nicht einmal der Aufwand für die Altersversorgung eingerechnet. Im Grunde sei das nichts anderes als Selbstausbeutung. Bei diesen Apotheken seien oft größere Investitionen nötig, die dann aber nicht getätigt würden. Das sei auch ein Grund für die abnehmende Apothekenzahl, „weil gerade solche Apotheken natürlich nicht übernommen werden“.

Unternehmer sind flexibel bei Arbeitszeiten und Urlaub

Auf die Frage, welche Rolle das Nachwuchsproblem mit Blick auf die Apothekenzahl spiele, verweist Sommer darauf, dass es doch verständlich sei, „wenn insbesondere junge Apothekerinnen erkennen: In der Industrie gibt es eine gute, stabile Vergütung und vernünftige Urlaubszeiten“. Der Apobank sei es aber wichtig, diesen Apothekern zu zeigen, dass auch die Apotheke vor Ort ein ordentliches Einkommen realisieren könne. Sommer weiter: „Und was Urlaub und Arbeitszeiten betrifft, müssen viele Nachwuchsapotheker verstehen, dass ein Unternehmer hierüber flexibel entscheiden kann. Es ist seine oder ihre eigene Entscheidung, zum Beispiel mit kleinen Kindern beruflich vorübergehend mal etwas kürzer zu treten.“

Niedriges Zinsniveau wird sich noch einige Jahre halten

Wenig Hoffnung macht Sommer beim Thema Niedrigzinsen: Er geht davon aus, dass das niedrige Zinsniveau sich noch einige Jahre halten wird, und verweist dabei auf den Chef der Europäischen Zentralbank Mario Draghi. Dieser habe schon mehrfach gesagt, „dass der Niedrigzins in Deutschland eigentlich gar nicht nötig wäre“. Aber er werde gebraucht, „damit in anderen, schwächeren Ländern wie Griechenland, Spanien oder Italien gebaut und gekauft wird“. Da die EZB maximal 30 Prozent der Staatsanleihen eines EU-Staates kaufen dürfe und diese Grenze in Italien und Griechenland „jetzt schon fast überschritten“ sei, bleibe als „letzte Impulsmöglichkeit“ für die schwächeren Länder nur der Zins. |

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