Foto: Mediteraneo - stock.adobe.com

Management

Filiale im Fokus

Teil 7: Gut vernetzt als Filialleiter

In dieser Ausgabe unserer Serie „Filiale im Fokus“ zeigen wir, welche Vorteile ein gutes Netzwerk hat, und geben Tipps zum Aufbau neuer Kontakte. Sie erfahren, worauf Sie beim Netzwerken achten müssen und welche neuen Möglichkeiten formeller Netzwerke Filialleitern zur Verfügung stehen.

Der Kontakt zu anderen Menschen macht unser Leben reich. Neue Menschen kennenzulernen, Kontakte zu knüpfen und die gegenseitige Unterstützung gehören ganz selbstverständlich zu unserem alltäglichen Leben. Wir bekommen gute Tipps von einem Kollegen, backen Kuchen für den Geburtstag eines Freundes oder verleihen den Rasenmäher an den Nachbarn.

Beim Netzwerken im Businessbereich ist die Art der gegenseitigen Unterstützung zwar anders, doch auch hier geht es darum, gemeinsam Ziele zu erreichen. Wer das Perspektivpapier „Apotheke 2030“ oder die Unterlagen zur Umstellung des QMS auf die neue ISO-Norm gelesen hat, merkt, wie sich der strategische Blick der Apotheke nach außen und auf Geschäftskontakte vor Ort richtet.

Weshalb sich Netzwerken lohnt

Welchen Nutzen jeder aus seinem Netzwerk zieht, ist sehr individuell und hängt von den eigenen Zielen ab. Einige Vorteile liegen allerdings klar auf der Hand.

Ein Netzwerk ist wie ein Marktplatz für den Austausch von Informationen und Erfahrung. Durch den zwischenmenschlichen Austausch entstehen Fortschritt und Innovationen. Wissen wird vermittelt und die persönliche Weiterentwicklung gefördert.

Personen mit unterschiedlichen Fähigkeiten und Erfahrungen können sich gegenseitig Impulse geben und dadurch Ideen entwickeln, auf die sie alleine nie gekommen wären. Im Idealfall bilden sich Interessengemeinschaften, um durch die synergistische Zusammenarbeit gemein­same Ziele zu erreichen.

Ein gutes, großes Netzwerk ist zudem ein klarer Wettbewerbsvorteil und sollte ein wichtiger Teil des Marketingkonzeptes der Apotheke sein. Gute Leistungen werden von Netzwerkpartnern gerne weiterempfohlen. Und diese persönliche Form des Empfehlungsmarketings rechnet sich. Kunden kaufen bekanntlich gerne bei Bekannten oder bei Unternehmen, die ein Bekannter empfohlen hat.

Natürlich wird es immer Netzwerkpartner geben, die nur ihren eigenen Vorteil suchen. Aber keine Bange: Netzwerkschmarotzer fliegen schnell auf und schießen sich mit ihrem Verhalten selbst ins Aus.

Foto: Mediteraneo – stock.adobe.com
Auch innerhalb der Apotheke ist ein Netzwerk wie ein Marktplatz für den Austausch von Informationen und Erfahrung.

Netzwerken – effizienter als sein Ruf

Entgegen vielen Vermutungen steigern Netzwerke die Effizienz. Wer schafft es schon, auf alle angesagten Veranstaltungen zu gehen? Gut, wenn wir im Nachhinein über Netzwerkpartner an die wichtigen Informationen kommen. Oder bei der Suche nach einem Caterer für das Sommerfest oder der Ausarbeitung zum Thema Verblistern für ein interessiertes Pflegeheim – in beiden Fällen kann ein kurzes Telefonat aufwendige Recherchen ersetzen. Dafür braucht es allerdings gute Kontakte. Und „gut“ werden Kontakte nur, wenn sie gepflegt werden. Zeitaufwendig, sagen die einen. Mit dem Handy immer und überall machbar, sagen die anderen. Denn Zeitkontingente lassen sich fast immer finden, sogar in der Warteschlange. Die gibt es für überzeugte Netzwerker nämlich nur aus zwei Gründen: um neue Leute kennenzulernen und Kontakte zu pflegen. Schließlich könnte der Mann in der eben genannten Warteschlange auch der gesuchte Caterer sein.

Kleiner Netzwerk-Knigge

Schaffen Sie im Gespräch mit (möglichen) Netzwerkpartnern eine entspannte, respektvolle Atmosphäre, die zum Wohlfühlen einlädt.

  • Haben Sie ein ehrliches Interesse an Ihrem Gegenüber.
  • Wählen Sie Themen, die zum Anlass des Treffens passen.
  • Führen Sie ein symmetrisches Gespräch, in dem alle Parteien Platz für ihre Anliegen finden. Das gibt auch Ihnen die Möglichkeit zu sagen, was Sie brauchen.
  • Reden Sie über Dritte ausschließlich wertneutral oder positiv.
  • Seien Sie verbindlich.

Wer Kontakte breit fächert, gewinnt

Wer das Netzwerken breit fächert und ein ehrliches Interesse an Menschen hat, wird schnell merken, dass Lösungen manchmal aus einer Richtung kommen, die man niemals vermutet hätte. Deshalb ist die voreilige Kategorisierung von Menschen in „nützlich“ oder „nicht nützlich“ kontraproduktiv und führt zu verschenkten Chancen. Manchmal ist der Nutzen auch nur eine Frage der Zeit.

Die innere Haltung, dass sich beide Seiten etwas zu bieten haben, ist der perfekte Ausgangspunkt für einen aussichtsreichen Small Talk. Und ein guter Small Talk ist oftmals der Startschuss. Themen von beidseitigem Interesse lassen sich meistens finden. Und wenn nicht, ist das „kleine Gespräch“ zum Glück sehr unverbindlich.

Wichtig

Netzwerken ist keine Kunden­akquise. Netzwerkpartner müssen nicht zwingend zu Kunden werden. Sie sind vielmehr Multiplikatoren und Unterstützer. Sie bringen Menschen zusammen – Anbieter und Kunden, aber auch Kooperationspartner.

Zuhören ist der erste Schritt

Je genauer Sie Ihre Gesprächspartner und deren Ziele kennen, umso besser. Gute Netzwerker hören deswegen aufmerksam zu. Immer in dem Wissen, dass die neuen ­Informationen und Impulse nicht nur für sie interessant sein können, sondern vielleicht für einen anderen Netzwerkpartner. Im Gegenzug formulieren geübte Netzwerker genau, was sie zu bieten haben und was sie brauchen oder suchen. Denn niemand kann erahnen, welche Ziele der andere verfolgt oder welche Unterstützung er benötigt.

Wissen, was interessiert

Stellen Sie sich vor: Endlich steht ein interessanter Netzwerkpartner vor Ihnen, der Small Talk ist gut gelaufen und dann? Zu Beginn eines jeden neuen Kontaktes ist es gut, in „Vorleistung“ zu gehen. Interessante Impulse, Fachwissen, gute Erfahrungen oder Empfehlungen können die neue Partnerschaft voranbringen. Wer eine klare Vorstellung davon hat, was er zum Austausch beitragen kann, dem fällt das Netzwerken wesentlich leichter.

Deswegen ist es nützlich, sich seine Fachkompetenzen und den Erfahrungsschatz in regelmäßigen Abständen bewusst zu machen: „Worin bin ich Profi? Was fällt mir leicht?“ Und vor allem die Frage zu beantworten: „Was davon kann für welche Netzwerkpartner interessant sein?“ Auf Fachkongressen können es die neuen Informationen und Anregungen aus den verschiedenen Veranstaltungen sein. Als Apotheker in einem Netzwerk gemischter Branchen kann das pharmazeutische Fachwissen sehr wertvoll sein.

Durch das Bewusstsein und den umfassenden Netzwerk-Spirit werden aus den durchschnittlich 250 Kontakten, die laut Studien jeder Mensch hat, schnell mehr.

Qualitätszirkel Filiale

Um die positiven Effekte eines kollegialen Netzwerkes nutzen zu können, sind viele Inhaber in Erfahrungsaustauschgruppen.

Für Filialleiter gibt es innerhalb der Berufsgruppe wenige Möglichkeiten zum Austausch und zur gegenseitigen Unterstützung. Die Chance für eine bessere Vernetzung hat jetzt die Apothekerkammer Westfalen-Lippe geschaffen. Jedes zwölfte berufsaktive Kammermitglied gehört zu der stetig wachsenden Berufsgruppe der Filialleiter, die damit eine wichtige Zielgruppe geworden ist.

Seit 2016 gibt es im Kammer­bezirk drei dezentrale Qualitätszirkel für Filialleiter. Die maximal 15 Teilnehmer pro Qualitätszirkel profitieren von einem bedarfs­orientierten, moderierten Erfahrungsaustausch. Sie bestimmen selbst die organisatorischen Parameter genauso wie die Fortbildungsschwerpunkte und die Besprechungsthemen. Die Teilnahme kann gut zur Vorbereitung auf eine Filialleiterstelle genutzt werden. Auch andere Initiatoren, z. B. Steuerberater oder Großhändler, beschäftigen sich mit der Berufsgruppe der Filialleiter. Es lohnt sich also, nach lokalen, neu entstehenden formellen Netzwerken Ausschau zu halten.

Bei sich selber anfangen

Sie müssen nicht erst einem Business-Netzwerk beitreten, um ein guter Netzwerker zu sein. Ihr eigenes Unternehmen bietet Ihnen eine Vielzahl von Möglichkeiten der Vernetzung zwischen Führungskräften, Mitarbeitern, Kunden und Geschäftspartnern. Der Entschluss, ein besseres Netzwerk aufzubauen, lohnt sich. Denn mit der immer weiter wachsenden Zahl an Kontakten werden Sie merken, wie gut es tut, vernetzt zu sein. |

Anja Keck, Fachapothekerin für Allgemeinpharmazie, Filialleiterin,
Coach (DGfC) und Systemische Beraterin, www.anjakeck.de


Bisher erschienen

Das könnte Sie auch interessieren

Teil 16: Erfolgskonzept „Qualitätszirkel Filiale“

Filiale im Fokus

Wie Netzwerker Beziehungen aufbauen und pflegen

Einfach mehr Geschäftskontakte

Teil 3: Die Sandwich-Position des Filialleiters – Herausforderung und Chance

Filiale im Fokus

Teil 9: Selbstcoaching ist PRIMA

Filiale im Fokus

Was können die Kammern tun, um Filialleiter zu unterstützen?

Qualitätszirkel Filiale – ein Erfolgsrezept

Teil 11: Mitarbeitermotivation – mit Geld nicht zu bezahlen

Filiale im Fokus

Teil 4: Rechtliche Positionierung des Filialleiters

Filiale im Fokus

Teil 6: Der Filialleiter als Primus inter Pares

Filiale im Fokus

0 Kommentare

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.