Gesundheitspolitik

Kommentar: Kassen im Blindflug

Christine Ahlheim

Es ist schon starker Tobak, was uns die Kassen in den letzten Wochen zugemutet haben. Zuerst der GKV-Spitzenverband und dann der AOK-Bundesverband schossen sich auf die Apotheken ein und befürworteten unisono, in der nächsten Legislaturperiode das Fremd- und Mehrbesitzverbot aufzuheben und den Versandhandel zu forcieren. Welchen Nutzen sich die Kassen davon versprechen, wird indes nicht ersichtlich – in den Positionspapieren finden sich dazu zwar gängige Worthülsen wie „nicht zeitgemäß“ und „Wettbewerb“, aber nichts sachlich Fundiertes.

Als Apotheker würde man die Kassen gerne einmal wachrütteln und ihnen deutlich sagen, dass sie endlich aufhören sollen, in uns den Klassenfeind zu sehen. Und dass sie sich darüber im Klaren sein sollten, dass ihre Mitglieder – wie aus Umfragen hinlänglich bekannt ist – unsere größten Fans sind und gewiss nicht wollen, dass wir von der Bildfläche verschwinden.

Dabei gibt es so viel, was Kassen und öffentliche Apotheken zusammen erreichen könnten. Gerade angesichts der Herausforderungen der alternden Gesellschaft sollte auch den Kassenfunktionären klar sein, dass Apotheke viel mehr ist als reine Arzneimitteldistribution. Fundierte persönliche Beratung, ­gezielte Förderung der Compliance, aber auch der mensch­liche Kontakt bis hin ans ­Krankenbett – das können ­weder Versender noch Ketten so gut und so preiswert leisten wie der freie Heilberufler.

Beendet euren Blindflug und landet in der Realität, möchte man den Kassen zurufen. Und macht endlich gemeinsame Sache mit uns – in eurem Interesse und vor allem auch im Interesse eurer Mitglieder!

Christine Ahlheim, stellvertretende Chefredakteurin der AZ

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