Gesundheitspolitik

Das Geschäft mit dem Link in die Versandapotheke

Weleda verlinkt direkt auf ausgewählte Versandapotheken und sorgt damit für Unmut

BERLIN (bro) | Direkte Kauf-Verlinkungen von Pharmaunternehmen auf bestimmte Versandapotheken verärgern Apotheker immer wieder. In sozialen Netzwerken diskutieren sie derzeit heiß über die Weleda-Webseite, auf der mit einem Klick in die Online-Shops von Medpex, DocMorris und Apotal weitergeleitet wird. Dahinter steckt ein Internetunternehmen, das sich auf solche Dienste spezialisiert hat.

Weleda bietet seinen Kunden die Möglichkeit, Naturkosmetik-Produkte und anthroposophische Arzneimittel direkt über die Unternehmens-Webseite zu bestellen. Es reicht ein Klick auf das gewünschte Produkt, und der Nutzer sieht eine Maske, auf dem ihm die verschiedenen Kaufoptionen präsentiert werden. Im oberen Bereich dieser Maske lässt sich über die Eingabe einer Postleitzahl die Suche nach einer Apotheke vor Ort starten; wobei das Wort „Apotheke“ dort gar nicht genannt wird, sondern nur „Händler suchen“.

Im unteren Bereich dieser Maske wird jedoch unter der Überschrift „Online Kaufen“ direkt in die Online-Shops einzelner Versandapotheken verlinkt.

DAZ.online hat bei Weleda nachgefragt, wie es zur Zusammenarbeit mit den Versendern kommt. Einem Sprecher zufolge bietet das Unternehmen diese Kaufmöglichkeiten seit 2015 an. Über bestehende Verträge mit den einzelnen Versandapotheken wollte sich das Unternehmen nicht äußern.

Weleda: Kein eigener Online-Shop

Interessant ist aber, dass Weleda die Versender gar nicht selbst ­ausgesucht hat, sondern hier mit einem Internetunternehmen namens „Commerce Connector“ zusammenarbeitet. Dieses verlinkt die Angebote von Herstellern mit dazu passenden Internetshops. Über seine eigene Arbeit erklärt Commerce Connector auf seiner Webseite: „Unser Fundament bilden direkte Schnittstellen zu Tausenden von Online-Shops und Ladengeschäften, die wir in den letzten Jahren mit der Commerce Connector Plattform verbunden haben. Wir wissen genau, wo ein einzelnes Produkt aktuell verfügbar ist, und helfen Endkunden, dieses einfach und schnell zu kaufen.“

Der Weleda-Sprecher bestätigt dieses Geschäftsmodell: „Wir betreiben keinen eigenen Online-Shop, sondern arbeiten seit zwei Jahren mit Commerce Connector zusammen.“ Für Weleda biete dies die Möglichkeit, auch die wachsende Gruppe derjenigen Kunden zu erreichen, die bevorzugt online einkaufen. Auf die Frage, warum bei Weleda gerade DocMorris, Medpex und Apotal erscheinen, antwortet der Sprecher kryptisch: „Die Auswahl der genannten Online-Apotheken ergibt sich u. a. aus den technischen Möglichkeiten, sie in Commerce Connector einzubinden, und der Einhaltung der Verkaufsrichtlinien für Onlinehändler.“

Weleda will die Apotheker aber beruhigen. Schließlich werden eher geringe Umsätze über diesen Kanal eingefahren. Wörtlich erklärte der Sprecher: „Damit wollen wir eine Kundengruppe erreichen, die bevorzugt über diesen Kanal einkauft. Die Bedeutung ist anteilsmäßig aber eher gering. Deshalb ist für uns klar, dass unsere ortsständigen Partner-Apotheken bei uns im Vordergrund stehen. Wir bieten ihnen viele Vorteile und unterstützen sie mit Abverkaufsmaßnahmen.“

Die Art der Verlinkung zwischen Hersteller und Versandapotheken ist nicht neu. Schon im vorigen Jahr sorgte das Unternehmen Dr. Wolff bei den Apothekern für Aufsehen, weil es seine Kunden direkt in die Online-Shops bestimmter Versender weiterleitete. Ein Apotheker beschwerte sich daraufhin bei der Wettbewerbszentrale, die ebenfalls kein Verständnis für dieses Geschäftsmodell zeigte und Dr. Wolff abmahnte. Der Fall landete vor Gericht und wurde dort zugunsten des Pharmaherstellers entschieden. Wahrscheinlich erklärte der Weleda-Sprecher auch deswegen: „Wir haben die Verlinkung juristisch geprüft, und sie ist zulässig.“ |

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