Gesundheitspolitik

Kommentar: Zahlen lügen nicht?

Christine Ahlheim

Es ist schon beeindruckend, dass ABDA-Präsident Schmidt bei der Anhörung im Gesundheitsausschuss des Bundestags am vergangenen Mittwoch Zahlen aus seiner eigenen Apotheke präsentierte (s. S. 8). Und so den Zuhörern vorrechnete, wie stark ihn persönlich die Einführung eines „Boni-Deckels“ treffen würde. Damit dürfte Schmidt die Mehrzahl der anwesenden Politiker überrascht haben, denn diese haben vermutlich ganz andere Vorstellungen davon, was ein Apotheker verdient und wie sehr sich ein Bonus von „nur“ einem Euro auswirkt.

Prompt kündigte auch DocMorris-Vorstand Müller an, dass er mit Zahlen überzeugen wolle – die er allerdings noch produzieren muss. Sein Angebot: Er will ein Jahr lang alle Bücher überprüfen lassen um zu beweisen, dass ein Marktanteil von 25 Prozent im Rx-Bereich Utopie sei. Abgesehen davon, dass schon ein deutlich geringerer Marktanteil das Apothekensterben in Deutschland weiter beschleunigen würde – warum sollte man DocMorris glauben? Wer eine solche Karriere im Übertreten von Gesetzen aufzuweisen hat, für den dürfte der kreative Umgang mit Zahlen eine der leichtesten Übungen sein.

Nicht lügen dürfte dagegen eine andere Zahl: Im Bericht über das erste Quartal 2017 der DocMorris-Mutter Zur Rose ist zu lesen, dass „die erhöhten Marketing- und Personalaufwendungen das Ergebnis mit insgesamt rund CHF 8 Mio“ belasteten. Dabei dürfte es sich in erster Linie um Werbeausgaben handeln, die den Rx-Versand von DocMorris pushen sollen. Hohe Werbeausgaben für Marktanteile, die niemandem wehtun – um das zu erklären, werden selbst Tricksereien nach DocMorris-Manier kaum ausreichen.

Christine Ahlheim, stellvertretende Chefredakteurin der AZ

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