Gesundheitspolitik

Der Apotheken-Ökonom: Wer verdient, was er verdient?

Über Gehälter in Apotheken

Dr. Andreas Kaapke

Löhne sind seit Menschen Gedenken Thema in der Betriebswirtschaftslehre und damit auch im Handel und schlussendlich in Apotheken. Aus Sicht des Apothekeninhabers stellen Gehälter Personalkosten dar, kann er diese senken, erhöht sich der Jahresüberschuss, wenn es zum gleichen Umsatz kam. Daran schließt sich die Frage an, inwieweit Löhne und Gehälter motivieren können. Diese Frage wird seit vielen Jahrzehnten intensiv und vor allem kontrovers diskutiert. Die eine Gruppe vertritt die Auffassung, dass mit einem ­etwas höheren Gehalt ein Mitarbeiter nicht motiviert werden kann. Grund hierfür ist der aus Sicht dieser Vertreter vielfach eintretende Strohfeuereffekt. Mit anderen Worten wird die Gehaltserhöhung zwar in der Regel positiv zur Kenntnis genommen, verpufft aber vergleichsweise schnell, da man sich rasch daran gewöhnt, durch staatliche Abgaben die Erhöhung stark relativiert und man nicht jeden Tag daran erinnert wird, sondern nur einmal im Monat. Die andere Seite argumentiert, dass die absolute Höhe des Gehalts sehr wohl zu einer Art Grundmotiva­tion führt, wenn sie von den Mitarbeitern als gerecht im Sinne von angemessen angesehen wird. War man bislang nicht ganz zufrieden oder gar unzufrieden, kann eine Gehaltserhöhung tatsächlich bewirken, dass man sich nun in einem Bereich bewegt, den man als adäquat bezeichnet. Fällt die Erhöhung zu knapp aus, könnte es bei positiver Betrachtung als Schritt in die richtige Richtung, bei negativer Betrachtung als Hohn aufgefasst werden. Befindet man sich aus Sicht des Angestellten bereits auf einem akzeptierten Niveau, wird eine Gehaltserhöhung in der Regel als schön empfunden.

Gehälter in Apotheken sind aber keine isolierte Angelegenheit, denn sie müssen im Kontext der Arbeitsumgebung, der anspruchsvollen Aufgabe, der Arbeitszeiten sowie der flexiblen Möglichkeiten, Beruf und Familie miteinander zu vereinbaren, betrachtet werden. In Apotheken herrscht normalerweise ein angenehmes Arbeiten vor. Frauen können oftmals Teilzeitjobs annehmen und so diverse Lebensaufgaben synchronisieren, die Wiedereingliederung nach einer Elternzeit auf einem intellektuell hohen Niveau ist leichter machbar als in anderen Berufen. Häufig ist die Arbeitsstelle wohnortnah und daher sind die Rüstzeiten für An- und Abfahrt gering, sodass schnelle Einsätze zu Hause auch mal möglich sind.

Dies darf und muss Einfluss auf das Arbeitsentgelt haben, denn in vielen Punkten kommt der Arbeitgeber (Apothekeninhaber) den ­Arbeitnehmern (Approbierte, PTA, PKA) sehr entgegen. Im Übrigen dürfen auch Nacht- und Notdienste durchaus als spannende Möglichkeit für einen Teilzeitler gesehen werden, da viele Stunden relativ entspannt absolviert werden können. Warum? In der Regel ist dann der Partner verfügbar, um sich um Kinder zu kümmern, die Apotheke hat zwar in den Nacht- und Notdiensten eine gewisse Frequenz, aber die Stoßzeiten verteilen sich oft vergleichsweise gut.

Heikel ist vor allem die Bezahlung der angestellten Apotheker im Vergleich zum Unternehmerlohn des Apothekeninhabers. Gestaltet sich die betriebswirtschaftliche Situation schwierig, kann es zu Konstellationen kommen, in denen der ­Inhaber weniger aus der Apotheke herauszieht, als er seinen Approbierten bezahlt. Dies ist eine auch atmosphärisch schwierige Situation, da der Unternehmerlohn neben den strategischen Fragen und dem operativen Tun ja auch das unternehmerische Risiko belohnen soll. Wenn der, der das Risiko trägt, die Positionierung vornimmt und ähnlich viel oder mehr arbeitet als der Angestellte, dann auch noch weniger verdient als dieser, kann es schnell zu Motivationsmängeln beim Inhaber kommen. Nun sind Arbeitsverträge aber in jedweder Norm bindend. Mit anderen Worten: Dies kann nur geregelt werden, indem zu einem überschaubaren Fixum für Angestellte eine variable Komponente hinzukommt, die das unternehmerische Risiko verteilt. Das heißt: Geht es der Apotheke gut, verdient auch der Angestellte mehr, geht es ihr schlecht, bleibt es gegebenenfalls bei einem niedrigeren Fixum. Nun wollen angestellte Apotheker aber Sicherheit. Dies äußert sich in einem gewünschten planbaren Gehalt und in einer sicheren Anstellung. In turbulenten Zeiten wird es immer schwieriger, dies als Apothekeninhaber zu gewährleisten. In turbulenten Zeiten wird es aber auch immer schwieriger, gute Mitarbeiter zu bekommen. Und Gehalt ist hier von jeher ein Anreiz. Ein schwieriger Spagat, es menschelt halt! |

Dr. Andreas Kaapke

Andreas Kaapke ist Professor für Handelsmanagement und Handelsmarketing an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg, Standort Stuttgart, und Inhaber des Beratungsunternehmens Prof. Kaapke Projekte. E-Mail: a.kaapke@kaapke-projekte.de

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