Wirtschaft

Weniger Apotheken machen mehr Umsatz

ABDA-Apothekenwirtschaftsbericht 2016: Durchschnittliche Apotheke wächst, aber die Schere öffnet sich weiter

ks/wes | Weniger Apotheken, die im Schnitt etwas mehr Geld verdient haben – so lässt sich die wirtschaftliche Entwicklung der Apotheken im vergangenen Jahr zusammenfassen. Dabei ging die Schere zwischen „großen“ und „kleinen“ Apotheken weiter auseinander. Und die Prognose für dieses Jahr ist durchwachsen: „Das Wachstum steht auf des Messers Schneide“, sagte Dr. Eckart Bauer, Abteilungsleiter Wirtschaft und Soziales der ABDA, vergangene Woche auf dem DAV-Wirtschaftforum.

Die Apothekenzahl ist weiter im Sinkflug, Ende 2016 lag sie bei nur noch 20.023. Doch im ersten Quartal 2017 sind bereits rund weitere 80 Apotheken „vom Netz gegangen“. „Damit sind wir auf dem Status von Anfang der 1990er-Jahre“, so die ABDA-Geschäftsführerin Claudia Korf am vergangenen Mittwoch auf dem DAV-Wirtschaftsforum in Berlin. So ein hartes erstes Quartal hätten die Apotheken seit dem AMNOG nicht mehr erlebt. Korf wies zudem darauf hin, dass viele Apotheken zunächst den Weg der Filialisierung gingen – als „milderes Mittel“ anstelle einer Schließung.

Leichtes Plus bei Umsatz ...

Der Umsatz der durchschnittlichen Apotheke ist 2016 leicht angestiegen, von 2,11 Millionen Euro auf 2,22 Millionen Euro. Dass die Umsatzsteigerungen der vergangenen Jahre viel mit der sinkenden Zahl der Betriebsstätten zu tun haben, zeigt sich auch an der Verteilung der Umsätze: Da insbesondere kleinere Apotheken schließen, wachsen die Umsätze der verbleibenden größeren Apotheken – die Umsatzverteilung folgt keiner Gauß’schen Kurve, sondern ist nach rechts, zu größeren Umsatzklassen verschoben. In der Folge liegen – wie in den Vorjahren – rund 61 Prozent der Apotheken mit ihren Umsätzen unter dem Durchschnitt.

Foto: AZ/Philipp Külker
Claudia Korf, ABDA-Geschäftsführerin: Apothekenzahl ist auf dem Stand von Anfang der 1990er-Jahre.

... und Betriebsergebnis

Gestiegen ist im vergangenen Jahr auch das durchschnittliche Betriebsergebnis, da den steigenden Umsätzen beispielsweise erstaunlich konstante Personalkosten in Höhe von 10,6 Prozent des Netto-Umsatzes gegenüberstanden. So kam die durchschnittliche Apotheke 2016 auf ein Betriebsergebnis von 142.622 Euro (2015: 136.345 Euro). Das sind 6,4 Prozent des Netto-Umsatzes, was einen kontinuierlichen Rückgang seit 2013 bedeutet, als die durchschnittliche Apotheke ein Betriebsergebnis von 6,7 Prozent des Netto-Umsatzes machte.

Beeinflusst wird das Betriebsergebnis von vielen Faktoren. Für 2017 sei damit zu rechnen, dass etwas höhere Personalkosten zu Buche schlagen und die Apothekenzahl weiter abnimmt, so Bauer. Beim Rx-Absatz sei ein geringes Wachstum zu erwarten.

Von Kapellen und Kirchen

Claudia Korf wies auf das AMVSG hin, dass wohl in den kommenden Tagen in Kraft treten wird. Dann werden die Apotheken mehr Geld für Rezepturen und die Dokumentation bei der BtM-Abgabe und bei T-Rezepten bekommen.

Doch auf der anderen Seite steht das EuGH-Urteil vom 19. Oktober 2016 mit seinen Folgen. Der Gesetzentwurf des Bundesgesundheitsministers für ein Rx-Versandverbot ist gescheitert. Es gebe zwar Alternativen, erklärte Korf, allerdings „keine relevanten“. Die deutschen Apotheken müssen also weiter mit der Inländerdiskriminierung leben. „Das halten wir aus – einfach weil wir gut sind –, aber nicht ewig“, so Korf. Im Lutherjahr fasste sie die Situation mit einem Zitat des Reformators zusammen: „Wo Gott eine Kapelle baut, da baut der Teufel eine Kirche daneben.“ |


Eine ausführliche Analyse des „Apothekenwirtschaftsberichts 2017“ der ABDA lesen Sie in der kommenden DAZ Nr. 18, die am 4. Mai erscheint.

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