Gesundheitspolitik

Kommentar: Respice finem

Kommentar von Christine Ahlheim

Der Kampf um das von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe geplante Rx-Versandverbot dürfte nun in die letzte Runde gehen: Falls es nicht noch zuvor zu einer Einigung zwischen Union und SPD kommt, soll das Rx-Versandverbot am kommenden Dienstag im Koalitions­ausschuss verhandelt werden (s. „Rx-Versandverbot – ein Fall für den Koalitionsausschuss?“).

Zu befürchten ist, dass dann nicht aus sachlichen Gründen entschieden wird, sondern im Rahmen eines „Geschacheres“ um andere strittige Themen. Da kann man nur hoffen, dass den beteiligten Spitzenpolitikern klar ist, welch große Tragweite ihr Entschluss haben wird.

Denn ließe man den Versendern freie Hand, würden mit Unterstützung der Krankenkassen erhebliche Teile des Rx-Umsatzes ins Ausland verlagert. Apothekenschließungen und damit eine schlechtere Versorgungslage wären schon bald die Folgen. Aber auch die überlebenden Apotheken dürften ihr Gesicht verändern. Der Kostendruck würde zu einer schlechteren personellen Ausstattung mit allen unliebsamen Konsequenzen für Beratung und Service führen.

„Respice finem – bedenke das Ende“ mahnt ein lateinischer Spruch. Die Teilnehmer am Koalitionsausschuss sollten gut überlegen, was für eine Apothekenlandschaft sie in zehn oder 20 Jahren gerne haben möchten. Wenn sie zu dem Schluss kommen, dass sie auch 2027 oder 2037 lieber eine öffentliche Apotheke mit heilberuflicher Ausrichtung aufsuchen wollen anstatt eine kommerzialisierte Arzneimittelabgabestelle, dann dürfte ihnen die Entscheidung für das Rx-Versandverbot nicht schwerfallen.

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