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Was Apotheken zusätzlich leisten können

Europäisches Apothekerforum legt Weißbuch vor

STUTTGART (diz) | Das Europäische Apothekerforum, ein Zusammenschluss von 26 Apothekerinnen und Apothekern aus zehn Ländern, hat ein Weißbuch vorgelegt: Es definiert fünf Kernbereiche der Gesundheitsvorsorge, wo Apotheken ihren Beitrag zur Förderung der Volksgesundheit leisten können: Arzneimitteladhärenz, Impfungen, Screening, Selbsthilfe und Prävention.

Das Weißbuch findet sich auf der Internetseite des EPF: www.europeanpharmacistsforum.com.

Das Europäische Apothekerforum (European Pharmacists Forum – EPF) analysiert und vergleicht die Entwicklungen und Probleme im Gesundheitssystem der einzelnen Länder. Unterstützt wird das Forum von Walgreens Boots Alliance. Vor dem Hintergrund, dass die heutigen Gesundheitssysteme in ­allen Ländern vor großen Herausforderungen stehen, machte sich das EPF Gedanken, wie Apotheken diesen Herausforderungen begegnen und was sie in Zukunft leisten können. Herausgekommen ist ein Weißbuch, das bereits im vergangenen Jahr der ABDA und den Gesundheitspolitikern aller Parteien vorgestellt wurde. Derzeit wird es in die breite Öffentlichkeit getragen und zur Diskussion gestellt.

Fünf Kernbereiche

Das EPF hat im Weißbuch fünf Kernbereiche im Gesundheitswesen herausgearbeitet, in denen die Apotheken nach Auffassung des Forums einen deutlichen Beitrag leisten können, um die Volksgesundheit zu verbessern:

1. Arzneimitteladhärenz: Den Patienten kommen die ihnen verordneten Behandlungen nur dann zugute, wenn sie verstehen, warum diese notwendig sind und wie sie einzunehmen sind. Der regelmäßige Umgang von Apothekern mit Patienten kann die Therapietreue erhöhen.

2. Impfung: Eine Zulassung der Verabreichung von Grippeimpfungen durch Apotheker erhöht die Durchimpfungsraten. Impfen ist nach Auffassung des EPF eine übertragbare Qualifikation, die zur Förderung anderer Gesundheitskampagnen genutzt werden kann.

3. Screening: Öffentliche Apotheken sind die am leichtesten zugänglichen Gesundheitsstandorte. Die Durchführung von Kampagnen für Vorsorgeuntersuchungen in Apotheken ermöglicht die frühzeitige Identifizierung potenziell gefährdeter Patienten. Das gestattet die frühzeitige Behandlung und Interventionen, die kosteneffizienter sind und zukünftige Kostenbelastungen ­reduzieren.

4. Selbsthilfe: Durch ein gestärktes Vertrauen der Menschen zur eigenverantwortlichen Fürsorge für sich und ihre Familien und die Eigenbehandlung von Bagatellbeschwerden mit Unterstützung der Apotheken werden andere Gesundheitsdienstleister an vorderster Front entlastet, allen voran Arztpraxen und Notaufnahmen.

5. Krankheitsprävention: Gesundheitssysteme müssen ihren Fokus stärker auf die Vermeidung von Krankheiten legen, vor allem wenn diese durch einen ungesunden Lebensstil bedingt sind. Die Apotheke kann öffentliche Gesundheitsdienste und Aufklärungskampagnen umsetzen, durch die sich Verhaltensweisen ändern und ihre gesundheitlichen Folgen mindern lassen.

Bei allen fünf Punkten verweist das Weißbuch auf bereits abgeschlossene oder noch laufende Projekte, die gezeigt haben oder noch zeigen, welchen Wert solche apothekerlichen Leistungen für die Volksgesundheit haben können. Genannt werden u. a. Grippeschutzimpfungen, die Apotheken in England und Portugal durchführen dürfen, die Arzneimittelinitiative ARMIN in Sachsen und Thüringen oder HIV-Screening-Kampagnen in Spanien.

Aufruf zum Handeln

Die fünf Brennpunkte, die das Weißbuch herausstellt, verbindet das EPF mit einem Aufruf zum Handeln. Kos­tenträger und Hersteller sollen z. B.Dienstleistungen unterstützen, die dazu beitragen, die Arzneimitteladhärenz zu verbessern. Das EPF fordert auch die nationalen Regierungen und Versicherer auf, die Daten zur Grippeimpfung durch Apotheker zu überprüfen und es den Apotheken durch geänderte Gesetze zu ermöglichen, Impfungen durchzuführen. Um Screening-Aktionen zu fördern, sollten Kostenträger Screening-Dienste bei Apotheken in Auftrag geben und unterstützen. Kos­tenträger und Apothekerverbände sollten bei Aufklärungskampagnen zur Selbstmedikation und zu Präventionsleistungen zusammenarbeiten.

EPF-Beirat Dr. Walter Taeschner freut sich, wenn nun ein breiter Dialog zum Weißbuch beginnt. Er wünscht sich eine Diskussion „vor allem über die Möglichkeiten, die Apotheker und Apothekerinnen haben, um sinnvolle Aufgaben nicht nur in der Medikamentenbelieferung, sondern auch im Bemühen um eine bestmögliche Gesundheit der Bevölkerung zu übernehmen“. Er ist überzeugt, dass dann bei überzeugender Darstellung „die Forderung nach einer angemessenen Honorierung dieser Dienstleistungen nicht mehr ­infrage gestellt wird“. |

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