Die Seite 3

Die Zukunft – machen!

Peter Ditzel, Herausgeber der DAZ

„Die Zukunft hat viele Namen: Für Schwache ist sie das Unerreichbare, für die Furchtsamen das Unbekannte, für die Mutigen die Chance“ – sagte der französische Schriftsteller Victor Hugo. Ganz in diesem Sinne, die Zukunft als Chance zu begreifen, richtete der Apothekerverband Nordrhein seinen Zukunftskongress aus, der mittlerweile schon zum achten Mal stattfand. Natürlich wissen auch der Veranstalter und die Referenten nicht, wie die Apothekenzukunft aussehen wird. Der Kongress will jedoch Impulse geben, sich mit Zukunftsszenarien für die Apotheke zu beschäftigen. So dürfte es allemal besser sein, aktiv über die Zukunft nachzudenken und aufzuzeigen, wie man sich die Apothekenzukunft wünscht, wie man sie gestalten kann, als von ihr überrollt zu werden.

Ein Trendforscher, der im Auftrag des Apothekerverbands Nordrhein eine Studie zum Zukunftsmarkt Gesundheit und Apotheken der Zukunft machte, sieht vor allem die Digitalisierung als Treiber an. Er rät den Apotheken, digital sichtbar zu sein, auf jedem Display des Kunden. Er hält es für sinnvoller, in Zukunft eher in eine gute IT-Struktur zu investieren als in die Verkaufsräume. Und er regt zur Netzwerkbildung an – Netzwerke mit den Kunden, um dort als Spezialist aufzutreten und Kompetenz zu zeigen. Auch wenn es bei seinen Szenarien nach wie vor die Vollapotheke gibt, wie wir sie kennen, könnten sich seiner Meinung nach neue Formen herausbilden. Als Zukunftsvision sieht er zum Beispiel die digitale Apotheke, die auf den Online-Dialog mit den Patienten spezialisiert ist. Oder den Apotheker ohne Apotheke, der als Gesundheitscoach arbeitet – hochqualifiziert und topvernetzt.

Und was tut sich heute schon auf dem Apothekenmarkt in Richtung Zukunft? Eine schöne Möglichkeit, den Markt auszuleuchten, bietet die Ausschreibung eines Preises für innovative Projekte und Initiativen. Den „Zukunftspreis öffentliche Apotheke“ des Apothekerverbands Nordrhein konnten in diesem Jahr gleich vier Preisträger mit nach Hause nehmen.

Apothekerin Jutta Doebel setzt auf sektorenübergreifende Netzwerkbildung. Sie hat zusammen mit Ärzten die Erftstädter Gesundheitstage ins Leben gerufen, ein großes Event in der Kleinstadt, bei dem sich die Gesundheitsberufe präsentieren und die Bürger sich zu aktuellen Gesundheitsangeboten informieren und austauschen können.

Apotheker Dirk Vongehr geht mit Riesenschritten in Richtung Zukunft, er hat seine Apotheke bereits multimedial vernetzt. Seine Ambition ist es, die Kunden auf allen verfügbaren Kommunikationskanälen anzusprechen. Das Internet sieht er nicht als Gegner und die digitale Welt nicht als „neumodischen Kram“.

Auch der zweite Platz hat viel mit Vernetzung zu tun: Gabriele Neumann hat sich der „Aachener Learning Community zum innovativen Einsatz in der Medikamentenversorgung“ angeschlossen. Eine Gruppe von Ärzten, Apothekern, Pflegeeinrichtungen, Forschungsinstituten, Krankenkassen und anderen tauscht sich über Möglichkeiten aus, wie man die Arzneimitteltherapie verbessern kann. Der Einsatz von IT-Technologien ermöglicht neue Formen der Zusammenarbeit.

Im Internet als Gesundheitsexperte zu Hause ist Andreas Binninger, der bereits einen eigenen Gesundheitsblog („Qgenic“) hat und sich auch in Videobotschaften an seine Follower wendet: Auf seiner Internetseite spreche er Dinge offen an, die er bei der Arzneimittelabgabe nicht sagen dürfe. Mit seinem Engagement zeigt er, dass die unabhängige Expertenmeinung von Apothekern auch bei Präventions- und Gesundheitsfragen auf positive Resonanz stößt – das war der Jury der erste Platz beim Zukunftspreis wert.

Allen diesen Apothekerinnen und Apothekern ist eines gemeinsam: Sie warten nicht darauf, bis sie die Zukunft überrollt, bis sie sich in neuen Welten nicht mehr zurechtfinden oder gar abgeschafft werden. Sie denken in Richtung Zukunft, sie machen die Zukunft.

Peter Ditzel


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