Prisma

Mikrobentransfer nach Kaiserschnitt

Vaginales Sekret bereichert Bakterienflora

cae | Kinder, die durch einen Kaiserschnitt geboren wurden, besitzen eine artenärmere Bakterien­flora als natürlich geborene Kinder und entwickeln häufiger allergische Erkrankungen. Der Mangel an „gesunden“ Mikroben könnte durch einen Transfer direkt nach der Geburt behoben werden.
Foto: Zsolt Biczó – Fotolia.com

So standardmäßig wie das Abnabeln könnte bei Kaiserschnittkindern das ­Betupfen mit vaginalem Sekret erfolgen.

In einem New Yorker Krankenhaus wurde der Mikrobentransfer von der Mutter auf das Neugeborene in elf Fällen nach folgendem Schema vorgenommen: Nach dem Einsetzen der Geburtswehen wurde eine sterile Kompresse in der Vagina der Gebärenden platziert und nach einer Stunde, noch vor dem Kaiserschnitt, wieder herausgenommen und in einem sterilen Behältnis bei Raumtemperatur aufbewahrt. Direkt nach der Schnittentbindung wurden alle Körperteile des Neugeborenen (außer dem Rücken) etwa 15 Sekunden lang mit der feuchten Kompresse betupft. Sechsmal in den folgenden 30 Tagen wurden Abstrichproben an Mund, After und Haut der Säuglinge genommen und hinsichtlich der vorhandenen Bakterien-DNA untersucht. Tatsächlich konnte ein erfolgreicher Transfer von vaginaler Mikroflora auf die Säuglinge nachgewiesen werden, jedoch war das Ausmaß geringer als erwartet, insbesondere bezüglich der Darmflora.

Weil dieser Mikrobentransfer offensichtlich ungefährlich ist, dürfte es keine ethischen Bedenken geben, seinen Erfolg in einer klinischen Studie zu testen und dabei auch die lang­fristigen Auswirkungen hinsichtlich allergischer Erkrankungen abzuschätzen. Zuvor müsste freilich ein uneigennütziger Sponsor gefunden werden, denn der Mikrobentransfer dürfte sich kaum patentieren und kommerziell verwerten lassen. |

Quelle

Dominguez-Bello MG, et al. Partial restoration of the microbiota of cesarean-born infants via vaginal microbial transfer. Nat Med; Epub 1.2.2016

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