DAZ aktuell

PR-Schlacht um Versandverbot

Unterschriftensammlungen, TV-Spots und Webseiten für und gegen den Rx-Versand

BERLIN (ks) | Die ABDA hat diese Woche offiziell ihre Unterschriften-Kampagne zum Stopp der „gefähr­lichen Einflüsse von außen“ gestartet. Während diese vom Wort&Bild-Verlag mit einem gefühlvollen Spot begleitet wird, in dem den Apotheken vor Ort gedankt wird, antworten die Versandapotheken mit eigenen Aktionen auf den Gesetzentwurf zum Rx-Versandverbot.

DocMorris hat seine Lobbymaßnahmen verstärkt, seit Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU)vergangene Woche seinen Gesetzentwurf für das Rx-Versandverbot vorgelegt hat. So hat die niederländische Versandapotheke eine Internetseite aufgezogen, deren Botschaft nicht deutlicher sein könnte: „Stoppt das Versandverbot für rezeptpflichtige Arzneimittel!“ Unter www.versandapotheken-kein-verbot.de läuft ein Film, in dem aktive und lächelnde Menschen zu sehen sind, die in einem anderen Abschnitt der Seite als Menschen mit chronischer Krankheit vorgestellt werden. Zudem finden sich auf der Webseite „Fragen und Antworten“ rund um das EuGH-Urteil, sowie „Fakten“. Warum sollte der Rx-Versandhandel erhalten bleiben? DocMorris‘ Antwort: „Weil es bequem ist. Weil die nächste Apotheke zu weit weg ist. Und: weil Sie sparen möchten. Das Bundesgesundheitsministerium will das jetzt verbieten. Wir appellieren gemeinsam mit den Patienten an die Politik: Versandapotheken sind eine sinnvolle Ergänzung zu den Apotheken vor Ort. Lasst den Patienten die Wahl!“

ABDA-Schmitz vs. DocMorris-Müller auf Xing

Angeheizt wurde die Debatte pro und contra Rx-Versandverbot vergangene Woche auf dem Debatten-Forum „Klartext“ der Social-Media-Plattform Xing (www.xing.com/news/klartext). Hier traten ABDA-Hauptgeschäftsführer Sebastian Schmitz und DocMorris-Strategievorstand Max Müller mit Statements zum Thema „Nach EuGH-Urteil: Wie fair ist der Apotheken-Wettbewerb?“ an. Müllers Botschaft lautete: „Wir sind keine Bedrohung für Apotheken.“ Schmitz Kernaussage war: „Patienten brauchen die Arzneimittelversorgung vor Ort.“ Interessierte konnten diese Statements nicht nur lesen, sondern auch kommentieren und „liken“. Müller zog dabei weit mehr Aufmerksamkeit auf sich und hatte am Dienstag mit über 6000 Lesern rund doppelt so viele Reaktionen wie Schmitz. Letzterer hatte dagegen mit rund 140 Zustimmungen mehr inhaltlichen Zuspruch als Müller (rund 100).

Alarm, Danke und eine Serie

Der DocMorris-Auftritt ist ein echtes Gegenstück zur ABDA-Kampagne, die auch bei ihrem Internetauftritt (www.wir-sind-ihre-Apotheken.de) auf Warnleuchten und die Farbe Rot setzt. Hier wird in Kürze erklärt und illustriert, wohin es führen kann, wenn es ausländischen Versandhändlern leichter gemacht wird, „sich an der Arzneimittelversorgung in Deutschland zu bereichern“. Einen sanfteren Ton schlägt der aufwendig produzierte TV-Spot mit dem Titel „Danke Apotheke“ des Wort&Bild-Verlags an. Ohne das Rx-Versandverbot oder das EuGH-Urteil direkt anzusprechen, weist der Spot auf die Vorteile der Apotheke vor Ort hin – nicht zuletzt in der Nacht.

Indessen rührt auch der Bundesverband der Deutschen Versandapotheken (BVDVA) die PR-Trommel. Er hat nach dem EuGH-Urteil Mitte November eine Pressemitteilungs-Serie mit dem Titel „Arzneimittelversorgung in Deutschland“ gestartet. Mittlerweile ist „Teil 11“ erreicht. Der Tenor läuft in der Regel auf eines hinaus: Die Versandapotheken in Deutschland bieten Vorteile für alle und leisten viel – als Vor-Ort-Apotheken, die sie zugleich sein müssen, gehören dazu selbstverständlich auch die Nacht- und Notdienste. Auch wenn seit dem EuGH-Urteil nicht mehr gleiches Recht für in- und ausländische Versandapotheken gilt: Ein Rx-Versandverbot lehnt der BVDVA strikt ab. Verbandschef Christian Buse ist überzeugt: „Die Inländer-Diskriminierung ist durch mildere und angemessenere Mittel zu beseitigen, der bereits im Jahre 2006 durch die damalige Große Koalition vorgeschlagene Weg der ‚Höchstpreise‘ scheint zeitgemäßer als eine reine Verbotspolitik“. |

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