Die Seite 3

Von AdAM und ARMIN

Foto: DAZ/Kahrmann
Dr. Doris Uhl, Chefredakteurin der DAZ

Wenn es um die Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit geht, dann sind die Apotheker in Westfalen-Lippe mit Projekten immer ganz vorne dabei. Zum Beispiel das Apo-AMTS-Konzept der Apothekerkammer Westfalen-Lippe: Über 700 Apothekerinnen und Apotheker haben inzwischen die Zusatzausbildung zum AMTS-Manager absolviert, über 300 Apotheken haben den Status AMTS-qualifizierte Ausbildungsapotheke erworben. Zusammen mit der Universität Münster wurde und wird die Ausbildung zum AMTS-Manager wissenschaftlich begleitet. Schon 2015 waren erste Auswertungen zum Medikationsplan anhand von 500 Brown-bag-Checks veröffentlicht worden, die von Apothekern im Rahmen ihrer Ausbildung zum Apo-AMTS-Manager durchgeführt worden waren. Das Ergebnis: Nur 6,5% der vom Arzt ausgestellten Medikationspläne gaben die aktuelle Medikation der Patienten richtig wieder. Jetzt kommt eine weitere Analyse zu dem Schluss, dass keine der Medikationslisten die Anforderungen des zum 1. Oktober eingeführten bundeseinheitlichen Medikationsplans erfüllen konnte („Medikationsplan mit Lücken nutzt nicht“, S. 20).

Es muss sich also dringend etwas ändern. Denn eines ist klar: Ohne einen vollständigen Medikationsplan nach den bundeseinheitlichen Vorgaben mit allen verordneten und im Rahmen der Selbstmedikation erworbenen Arzneimitteln ist keine sinnvolle Medikationsanalyse möglich. Um den Plan zu implementieren, ist eine gemeinsame Kraftanstrengung von Ärzten, Apothekern und Patienten notwendig. Auch Angehörige und Pflegekräfte müssen einbezogen werden. Dann kann viel für den Patienten gewonnen werden, wie die ebenfalls mit Apothekern aus Westfalen-Lippe durchgeführte interprofessionelle WestGem-Studie eindrucksvoll gezeigt hat.

Doch leider werden Apotheker immer wieder außen vor gelassen. So geschehen bei der Einführung des bundeseinheitlichen Medikationsplans, so geschehen bei der Vergabe von Geldern aus dem vom Bundesministerium für Gesundheit aufgelegten Innovationsfonds, mit dem Projekte zur Arzneimitteltherapiesicherheit gefördert werden sollen. Besonders ärgerlich: Gerade in Westfalen-Lippe hat ein Projekt mit dem klangvollen Namen AdAM einen Zuschlag von 16 Millionen Euro erhalten, bei dem die Barmer-GEK zusammen mit der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe mithilfe eines digital unterstützten Arzneimitteltherapie-Managements die Therapiesicherheit ihrer Patienten verbessern will („AMTS-Projekt ohne Apotheker“, S. 18). Mit AdAM sollen Doppelverordnungen, Wechselwirkungen und Dosierungsfehler für den Hausarzt sichtbar werden, so dass dieser sofort reagieren und die Therapie anpassen kann. Ein schöner Traum! Zwar werden Verordnungen anderer Ärzte dem Hausarzt über die Krankenkasse zugespielt, doch die große Black box dürfte all das sein, was sich sonst noch so im Medikamentenschrank des Patienten befindet. Sicher werden die Hausärzte jetzt nicht für schlappe 80 Euro im Jahr anfangen, Hausapotheken zu durchforsten und zu entrümpeln. Die Medikationspläne drohen, lückenhaft zu bleiben mit allen daraus resultierenden Unwägbarkeiten – beispielsweise für digitale Interaktions- und Nebenwirkungschecks. Statt mehr AMTS könnte sich am Ende des Tages die Situation für den Patienten sogar verschlechtern. Auf die Ergebnisse können wir gespannt sein. Denn AdAM wird ebenso wissenschaftlich begleitet wie ARMIN, die Arzneimittelinitiative Sachsen-Thüringen. Anders als bei AdAM hat man bei ARMIN allerdings von Anfang an auf ein interprofessionelles Zusammenspiel von Arzt und Apotheker mit dem Patienten gesetzt. Ich wage zu prognostizieren, dass der kleine ARMIN trotz aller Schwierigkeiten das Ziel erreichen wird, der mit Millionen vollgepumpte AdAM dagegen Gefahr läuft, in den Startlöchern stecken zu bleiben – es sei denn, man holt die bestens ausgebildeten Apotheker in Westfalen-Lippe doch noch mit ins Boot.


Doris Uhl

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