Prisma

Lebenserwartung in den USA gesunken

Adipositas prägt die Sterblichkeitsstatistik

cae | Erstmals seit den 1980er-Jahren ist in den USA die durchschnittliche Lebenserwartung der Neugeborenen zurückgegangen. Dies gab das National Center for Health Statistics (NCHS) letzte Woche bekannt.
Foto: esolla – Fotolia.com
Adipositas verkürzt die Lebens­erwartung vieler Amerikaner.

Die im Jahr 2015 geborenen Jungen werden gemäß der statistischen Pro­gnose 76,3 Jahre leben, die Mädchen 81,2 Jahre; das sind 0,2 bzw. 0,1 Jahre weniger, als dem Jahrgang 2014 vorausgesagt worden war. In der inter­nationalen Statistik der Lebenserwartungen rangieren die USA nun mit 78,8 Jahren auf Platz 43 (Deutschland: 80,6 Jahre, Platz 32). Während vor 20 Jahren die Aids-Epidemie für den Rückgang der Lebenserwartung verantwortlich war, ist es nun vor allem der riskanter und ungesünder werdende Lebensstil vieler Einwohner. Auf ­ältere Personen trifft dies in der Regel nicht zu, daher betrug die Lebenserwartung der 65-Jährigen unver­ändert 18,0 Jahre (Männer) bzw. 20,6 Jahre (Frauen).

Die zehn häufigsten Todesursachen waren (Veränderung gegenüber 2014; insgesamt + 1,2%):

1. Herzerkrankungen (+ 0,9%), 2. Krebs (- 1,7%), 3. unbeabsichtigte Verletzungen (+ 6,7%; umfasst außer Unfällen auch Alkohol-, Arzneimittel- und Drogenmissbrauch), 4. chronische Atemwegs­erkrankungen (+ 2,7%), 5. Schlaganfall (+ 3,0%), 6. M. Alzheimer (+ 15,7%), 7. Diabetes (+ 1,9%), 8. Influenza oder Pneumonie (0), 9. Nierenerkrankungen (+ 1,5%), 10. Suizid (+ 2,3%).

Herzerkrankungen und Krebs hatten einen Anteil von ca. 23 bzw. 22%; auf die Todesursachen Nr. 3 – 7 entfielen ca. 5 bis 3%, auf Nr. 8 – 10 je ca. 2%.

Der gesunkene Zigarettenkonsum hat sich günstig auf die Krebsstatistik ausgewirkt. Dagegen verschärft sich das Problem der Adipositas, die die Fälle von Herzerkrankungen, Diabetes und Schlaganfall weiter ansteigen lässt. Bedenklich ist auch die Zunahme „Krankheiten (bzw. Todesfälle) der Verzweiflung“ (diseases / deaths of despair) wie Alkoholismus und Suizid.

Der steile Anstieg der Alzheimer-Toten gibt weniger Anlass zur Sorge; er ist vermutlich auf einen Trend bei der Feststellung der Todesursache zurückzuführen (Alzheimer statt Altersschwäche) und nicht auf eine höhere Prävalenz. |

Quelle

Xu J, et al. Mortality in the United States, 2015. NCHS Data Brief No. 267, December 2016; www.cdc.gov/nchs/products/databriefs/db267.htm

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